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Neue Uhr: Apple Watch 4 ausprobiert: Diese Uhr ruft den Notarzt

Nach Fitness kommt Gesundheit: Mit der Apple Watch Series 4 will Apple seine Nutzer nicht nur sportlicher machen, sondern auch Leben retten. Sogar ein EKG ist in die Uhr eingebaut. Das hat aber einen Haken. Was die Uhr noch kann, verraten wir in unserem Schnell-Check.

Darf’s auch eine Nummer größer sein? Das war die Frage des Abends auf Apples diesjährigem September-Event. Neben drei neuen Smartphones (iPhone XS, XS Max und XR - hier ist unser erster Schnell-Check) hat Apple auch die vierte Generation der Apple Watch vorgestellt. Nachdem sich der Konzern in den vergangenen Jahren vor allem auf neue Features konzentrierte - GPS-Unterstützung, wasserdichtes Gehäuse, LTE-Anbindung - wagte sich Apple nun erstmals an den Formfaktor seiner smarten Uhr. 

Nein, rund ist sie immer noch nicht, ganz so radikal fällt das Redesign nicht aus. Aber Apple macht das Display größer und das Gehäuse minimal dünner. Wir waren vor Ort und haben die neue Uhr schon einmal probegetragen.

Die wichtigsten Änderungen der Apple Watch Series 4 im Überblick:

  • größerer Bildschirm bei gleich großem Gehäuse
  • neue Farbe
  • eingebauter EKG-Sensor
  • dünneres Gehäuse
  • schnellerer Prozessor
  • mehr Gesundheits-Features

Alles auf einen Blick

Am Grunddesign hat sich nichts geändert: Die Apple Watch hat ein quadratisches Display mit abgerundeten Ecken, eine drehbare Krone an der Seite und wechselbare Armbänder. Die neue Generation hat ein größeres Display und schmalere Rahmen: Die Series 4 gibt es in zwei neuen Größen, 40 und 44 statt zuvor 38 und 42 Millimeter. Das Display wird damit rund 30 Prozent größer. Zudem ist die Uhr etwas dünner geworden, die Dicke reduziert sich von 11,4 auf 10,7 Millimeter. Am Tragegefühl ändert sich dadurch aber wenig. 

Optisch ist der Unterschied jedoch gewaltig. Denn bestehende Apps werden nicht nur größer dargestellt, die Apple Watch Series 4 kann auch mehr Komplikationen anzeigen. Je nach Zifferblatt sieht man etwa neben der Uhrzeit noch das Datum, die aktuelle Temperatur, anstehende Termine oder den bisherigen Kalorienverbrauch. Auf diese Weise hat man viele relevante Informationen auf einen Blick und kann sich gelegentlich den Griff zum Smartphone sparen.

Neue Bildschirmhintergründe mit animiertem Feuer, Wasser oder Rauch sorgen für Abwechslung am Handgelenk. Zudem gibt es ein Zifferblatt, welches zu bewusstem Atmen und mehr Achtsamkeit anregt. Der optische Neuanstrich der Uhr ist auf jeden Fall gelungen. 

Der neue Pulssensor an der Unterseite der Apple Watch Series 4

Der neue Pulssensor an der Unterseite der Apple Watch Series 4

EKG in der Krone

Die Rückseite besteht nun bei allen Modellen aus schwarzer Keramik und kratzfestem Saphirglas. Darunter befindet sich der überarbeitete Pulssensor, der nur noch mit einer LED auskommt. Der bessere Sensor hat laut Apple eine genauere Herzschlagerkennung, zudem soll die Apple Watch Series 4 auch Herzrhythmusstörungen (Vorhofflimmern) zuverlässig erkennen können. Wie gut das klappt, werden medizinische Untersuchungen zeigen. 

Ein echtes Novum in der Branche ist das eingebaute Elektrokardiogramm (EKG). Dazu muss der Finger auf der Krone platziert werden, nach 30 Sekunden sind die Daten erfasst. In den USA wurde das EKG von der FDA zugelassen, die Apple Watch 4 gilt damit als Medizinprodukt. Zum Start ist die Funktion noch nicht verfügbar, im Laufe des Jahres soll sie nachgeliefert werden. Ausprobieren konnten wir sie deshalb noch nicht.

Ob und wann die EKG-Funktion nach Deutschland kommt, ist noch unklar. Medizinische Zulassungen können sich laut Aussage einer Expertin über mehrere Monate erstrecken. Apple arbeitet laut eigener Aussage aber daran, die Funktion in weitere Länder zu bringen.

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Die Apple Watch ruft auch den Notarzt

Im Inneren der Apple Watch steckt erstmals ein 64-Bit-Prozessor, der doppelt so schnell sein soll wie die Series 3. Einen großen Unterschied bemerkten wir im ersten Schnell-Check jedoch nicht. Allerdings waren in der Demo auch keine Apps von Drittanbietern verfügbar, die in der Regel weniger performant sind als Apples eigene Anwendungen.

Der Beschleunigungssensor und das Gyroskop wurden ebenfalls überarbeitet, wodurch die Bewegungen des Trägers präziser erfasst werden sollen. Dadurch ist die Uhr auch in der Lage, Stürze zu erkennen. Bleibt der Nutzer danach eine Minute regungslos, ruft die Uhr selbstständig den Notarzt und überträgt den Ort des Sturzes an die Rettungskräfte, erklärt Apple.

Insgesamt zeigt die Apple Watch Series 4, in welche Richtung der Konzern strebt: Nach der Fitness-Offensive in den vergangenen Jahren, mit denen man die Nutzer sportlicher machen wollte, will man nun Leben retten. Bislang sind die meisten Neuerungen lediglich Versprechen, an denen sich Apple messen lassen muss. Doch es ist bekannt, dass der Konzern in Zukunft noch viel weiter gehen will: Insidern zufolge forscht Apple sowohl an modernen Erfassungssystemen zur Schlafqualität als auch an Sensoren zur Blutzuckermessung im Kampf gegen Diabetes. Bis die entwickelt, verbaut und von Behörden zugelassen sind könnten aber noch einige Jahre vergehen.

Series 3 wird günstiger

Die Akkulaufzeit bleibt trotz des größeren Bildschirms identisch, beim Outdoor-Sport soll die Uhr sogar etwas länger durchhalten, vespricht der Hersteller. Die Laufzeit der Uhr hängt jedoch stark von der Nutzung ab: Trainiert man mit aktiviertem GPS und streamt via LTE Musik, muss man schon nach wenigen Stunden an die Steckdose. Bei normaler Nutzung kommt man mit einer Ladung aber auch mehr als zwei Tage aus. 

Eine gute Nachricht für all jene, die ein kleines Vermögen in Wechsel-Armbänder investiert haben - die alten Armbänder passen immer noch.

Die Apple Watch Series 4 gibt es in jeweils drei Aluminium- und Edelstahl-Versionen (Space Grey, Silber, Gold). Die Keramikversion (die sogenannte “Edition”) wurde gestrichen. Die Preise für die Apple Watch Series 4 beginnen bei 429 Euro (GPS, 38 Millimeter). Die LTE-Variante kostet 100 Euro mehr. Die Series 3 wird auf 299 Euro reduziert. Im Handel ist sie ab 21. September erhältlich.

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