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Neue Apple-Smartphones: Die neuen iPhones ausprobiert: Supersize Me

Groß, größer und riesig: Apple hat drei neue iPhones vorgestellt. Eines wirkt altbekannt, eines ist richtig groß - und eines knallbunt. Wir haben alle Geräte bereits ausprobiert und sagen, was die neuen iPhones können.

Unser Testmuster des iPhone XR ist sonnig-gelb.

Größer ist im Zweifel immer besser - das gilt für einige Dinge im Leben. Und schaut man sich in U-Bahnen und Fußgängerzonen um, scheinen Smartphones definitiv dazuzugehören. Die Geräte übernehmen immer mehr Aufgaben in unserem Alltag, dementsprechend wächst auch der Platzbedarf auf dem Display. Das Problem: Die Telefone können nicht endlos größer werden. Also muss man den Platz, der da ist, effizienter ausnutzen - das randlose Display war geboren.

Mit dem iPhone X verzichtete Apple im vergangenen Jahr erstmals auf den Home-Button. In diesem Jahr zieht sich das Design durch die gesamte neue Produktpalette: Am Mittwochabend stellte Tim Cook drei neue iPhones mit randlosem Bildschirm vor - das iPhone XS, XS Max und das Einsteigermodell XR. Wir haben alle Modelle bereits vor Ort in Cupertino ausprobiert.

Das neue iPhone XR gibt es in knalligen Farben - hier zu sehen die Koralle-Version (Orange)

Das neue iPhone XR gibt es in knalligen Farben - hier zu sehen die Koralle-Version (Orange)

Die wichtigsten Neuerungen des iPhone XS (Max) im Überblick:

  • zwei Displaygrößen (5,8 und 6,5 Zoll)
  • schnellerer Prozessor
  • schnelleres FaceID
  • wasserdicht nach IP68
  • stabileres Glas
  • längere Akkulaufzeit
  • neue Fotofunktionen

iPhone XS Max: Alte Welt trifft neue

Das iPhone XS ist im Grunde eine Weiterentwicklung des iPhone X. Der Formfaktor ist identisch, das Smartphone fühlt sich genauso an wie der Vorgänger. Spannender ist dagegen das neue iPhone XS Max. Dabei handelt es sich um ein iPhone X im Gehäuse eines iPhone 8 Plus. Mit seinem 6,5-Zoll-Bildschirm ist es deutlich größer als das 5,8-Zoll-Modell. Die Diagonale misst 16,5 Zentimeter. Was schon auf dem Papier nach viel klingt, fühlt sich in der Praxis nach noch mehr an. Das neue iPhone, das ist nach wenigen Minuten in der Hand klar, ist eine echte Wuchtbrumme. 

Der Bildschirm beeindruckt schon aufgrund der schieren Größe und hinterlässt beim kurzen Ausprobieren einen hervorragenden Eindruck. Tiefes Schwarz, leuchtende Farben, keine erkennbaren Pixel: Serienaffine Pendler und Gamer werden daran ihre Freude haben. Erneut gibt es am oberen Bildrand die Notch, eine Aussparung, in der sich die Selfie-Kamera und das Entsperrsystem FaceID befinden. Das ist ein technisch komplexer Gesichtsscanner, der auch im Dunkeln funktioniert. Im Alltag hat sich die Technik bewährt, den Fingerabdruckscanner muss niemand vermissen. Apple verspricht, dass FaceID auf den 2018er-Smartphones noch schneller funktioniert, das konnten wir vor Ort leider nicht ausprobieren.

Bedient wird das Telefon wie auch das iPhone X (und dessen identisch großer Nachfolger iPhone XS) mit diversen Wischgesten. Die gehen flott von der Hand, sofern man mit dem Daumen überall hinkommt. Für Menschen mit kleinen Händen kann das iPhone XS Max jedoch schnell zur Herausforderung werden. Das Wechseln von einer App zur anderen (Wisch am unteren Bildschirmrand) klappt noch problemlos. Das Aufrufen des Kontrollzentrums (Wisch von oben rechts nach unten) kann jedoch schon zur Fingerakrobatik werden. Und auch der Gewichtsunterschied (XS: 177 Gramm, Max: 208 Gramm) ist spürbar.

Schade: Einen Landscape-Modus wie beim iPhone 8 Plus gibt es nicht. Auch kann man auf keinem der neuen iPhones zwei Apps nebeneinander darstellen, wie es etwa auf dem iPad möglich ist. Dabei bietet zumindest das Max genug Platz. Vielleicht kann Apple hier noch per Software-Update nachbessern.

Keynote: Das Apple-Event in Bildern: So schick sind die neuen iPhones und die Apple Watch

Beim Design der neuen Modelle stand klar das iPhone X Pate

stern-online

Das schnellste Smartphone am Markt

Die Kombination aus größerer Batterie, dem neuen Betriebssystem iOS 12 und einem effizienteren Prozessor soll dem XS Max bei durchschnittlicher Nutzung eine anderthalb Stunden längere Laufzeit als beim iPhone X ermöglichen. Bei sparsamer Nutzung hält das Smartphone vermutlich auch zwei Tage durch.

Das Herzstück der neuen iPhones ist der A12-Bionic-Prozessor. Der ist noch einmal 15 Prozent schneller als der Vorgänger, an dem sich die Android-Konkurrenz bis heute die Zähne ausbeißt. Apps sollen dadurch bis zu 30 Prozent schneller starten und diverse Features wie der Porträtmodus bessere Ergebnisse liefern. So kann man nun etwa den Grad des Bokeh - der Hintergrundunschärfe in Bildern - auch noch nach der Aufnahme anpassen. Das können einige Konkurrenz-Handys allerdings ebenfalls.

Dennoch sind die Verbesserungen an der Kamera begrüßenswert. Stillstand hätte sich der Konzern auch nicht erlauben können. Die Konkurrenz hat in den vergangenen Monaten nicht geschlafen: Mit dem Galaxy S9 und Note 9 hat Samsung zwei Telefone mit Top-Kamera am Markt. Huawei brachte mit dem P20 in Zusammenarbeit mit Leica im Frühjahr sogar das erste Telefon mit Dreifach-Knipse auf den Markt. Apple bleibt vorerst bei zwei Linsen, sowohl beim iPhone XS als auch der Max-Variante. Wie sich die neuen Kameras im Alltag gegen die Konkurrenz schlagen, werden ausführliche Tests zeigen. 

Günstig sind die neuen Modelle jedoch nicht: Das iPhone XS gibt es ab 1149 Euro (64 GB), das Max ab 1249 Euro. Erhältlich sind sie in drei Farben: Silber, Space Grau, Gold. Erstmals gibt es ein iPhone auch mit 512 Gigabyte Speicher, das kann allerdings auch bis zu 1649 Euro kosten. Das macht das XS Max nicht nur zum größten, sondern auch zum teuersten iPhone aller Zeiten.

Ein Ladenhüter wird es trotz des hohen Preises nicht bleiben, glaubt Gartner-Analystin Annette Zimmermann, die ebenfalls bereits einen Blick auf die neuen Telefone werfen konnte. “Man hat beim iPhone X gesehen, dass der Preis bei denen, die immer das neuste iPhone wollen, keine Rolle spielt. In den nächsten Monaten werden die Absatzzahlen steigen. In der Super-Premium-Klasse, die Apple, Samsung und Huawei geschaffen haben, gibt es keine Preissensitivität. Deshalb ist der Absatz ungebrochen", erklärt sie im Gespräch mit dem stern.

iPhone XR: Das bunte Wilde

Neben den beiden Flaggschiffmodellen gibt es mit dem iPhone XR  (wofür das R steht, ließ Apple offen) noch ein drittes Modell. Mit 6,1 Zoll ist es gewissermaßen ein Bindeglied zwischen dem iPhone XS und der Max-Variante. Vorbestellstart ist der 19.Oktober, erhältlich ist es ab 26. Oktober. Das kleinste Modell mit 64 GB Speicher gibt es ab 849 Euro.

Für den niedrigeren Preis muss man auf einige Features verzichten: Statt Edelstahl ist im Rahmen Aluminium verbaut, statt einer Dualkamera ragt auf der Rückseite nur eine Linse heraus (Porträtfotos sind trotzdem möglich). Und das Display setzt nicht auf die kontraststarke OLED-Technologie, die man vom iPhone X oder zahlreichen Android-Topmodellen kennt, sondern auf LCD wie beim iPhone 8. Der XR-Screen machte im ersten Schnell-Check allerdings einen sehr guten Eindruck. Zudem steckt im Inneren ebenfalls der neue A12-Chip. Das XR bietet also genauso viel Leistung wie das große iPhone, obwohl es 300 Euro weniger kostet.

Das iPhone XR ist das neue Standardmodell in Apples Portfolio, mit dem sich der Konzern auch an jüngere Nutzer wendet. Statt ausschließlich gedeckter Farben wie Schwarz, Weiß und Gold gibt es auch Varianten in Blau, Gelb, Rot und - Premiere - einem leuchtenden Orange.

Knallige Farben, abgespeckte Ausstattung, günstigerer Preis: Das lässt Erinnerungen an das iPhone 5C wach werden, das Apple im Jahr 2013 auf den Markt gebracht hat. Es gilt als einer der wenigen Flops in der iPhone-Geschichte. "Apple hat aus den Fehlern gelernt", meint Gartner-Analystin Zimmermann. "Damals haben wesentliche Features gefehlt und der Preisunterschied war zu gering. Das ist beim iPhone XR nicht der Fall. Die wichtigsten Features wie Face ID oder der neue Prozessor sind ebenfalls vorhanden. Diesmal wird die Strategie wahrscheinlich aufgehen."

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