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Amerikanischer Schuldenberg sorgt Peking US-Kollaps - Chinas Albtraum


Am 2. August droht den USA der Finanzkollaps, und der größte Gläubiger wird nervös: China macht Druck, droht mit einer Rating-Herabstufung und fürchtet einen Dollar-Absturz.

Die Lage für die überschuldeten USA wird zunehmend bedrohlicher. Nun müssen sich wegen ihrer Schuldenprobleme massive Kritik von ihrem größten ausländischen Geldgeber China gefallen lassen. Die Regierung in Peking verlangte am Donnerstag den Schutz ihrer Investitionen. Berater der chinesischen Zentralbank prophezeien bereits einen Dollar-Verfall und empfehlen, die enormen Exportüberschüsse künftig stärker anderswo anzulegen. Eine chinesische Ratingagentur droht den USA zudem mit der Herabstufung ihrer Kreditwürdigkeit und folgt damit der US-Ratingagentur Moody's.

"Wir hoffen, dass die US-Regierung verantwortungsvolle Beschlüsse und Maßnahmen verabschiedet, die die Interessen der Investoren garantiert", sagte der Sprecher des Außenministeriums in Peking. China hält US-Staatsanleihen im Wert von mehr als einer Billion Dollar und ist damit Amerikas größte Gläubiger. Der Druck auf Präsident Barack Obama und den Kongress wird damit stärker, bei den Gesprächen über eine Anhebung der Verschuldungsgrenze zu einer Einigung zu kommen und einen Zahlungsausfall damit zu vermeiden. Zum einen wird die Zeit langsam knapp, zum anderen droht die mächtige Ratingagentur Moody's mit einem umgehenden Entzug der Bonitäts-Bestnote "Aaa".

Chinesen erwarten Dollar-Verfall

Berater der chinesischen Zentralbank erwarten in den kommenden Jahren einen Dollar-Verfall. "Langfristig, so in zehn bis 20 Jahren, wird es mit dem Dollar bergab gehen", sagte Xia Bin, akademisches Mitglied des geldpolitischen Ausschusses der Notenbank, zu Reuters. "Wir sollten deshalb unsere Währungsreserven stärker streuen." Die Devisenreserven Chinas sind im Frühjahr um 153 Milliarden Dollar auf den Rekordwert von 3,2 Billionen Dollar gestiegen. Etwa 70 Prozent davon stecken in Dollar-Anlagen, schätzen Analysten. Bekommen die USA ihre Schuldenprobleme nicht in den Griff, droht eine Abwertung des Dollar - und damit drohen Verluste für die Investoren.

Die Aussagen der Chinesen übten am Donnerstag Druck auf den Dollar aus, bevor Hoffnungen auf ein Konjunkturprogramm durch die amerikanische Notenbank den Kurs wieder stützten. Die chinesische Ratingagentur Dagong will die Bonitätsnote für die USA zum zweiten Mal seit November herabsetzen, sollte die Regierung das Schuldenproblem nicht rasch in den Griff bekommen. "Wenn sich die Finanzlage in den den kommenden drei bis sechs Monaten nicht merklich bessert, werden wir die US-Staatsanleihen definitiv herabstufen", sagte Dagong-Chef Guan Jianzhong zu Reuters. Das gelte auch für den Fall, dass die US-Notenbank Federal Reserve der angeschlagenen größten Volkswirtschaft der Welt mit weiteren Milliarden-Spritzen unter die Arme greift. "Wir werden nicht zögern, das Rating herabzusetzen", sagte Guan. Notenbankchef Ben Bernanke erteilte Spekulationen über neue Geldspritzen allerdings am Donnerstag eine Absage.

Die Nerven liegen blank in den USA

Im Frühjahr hatten bereits mehrere Ratingagenturen den USA mit einer Herabstufung gedroht. Moody's signalisierte nun jedoch als erste, dass der Schritt unmittelbar bevorstehen könnte, indem sie die Note auf "Überprüfung auf eine mögliche Herabstufung" setzte. Präsident Barack Obama braucht die Zustimmung des Kongresses, um die Verschuldungsgrenze von derzeit 14,3 Billionen Dollar anzuheben. Falls die Gespräche - die am Donnerstagabend fortgesetzt werden sollten - scheitern, sind die USA voraussichtlich ab dem 2. August zahlungsunfähig. Ein solcher "Super-GAU" der weltgrößten Wirtschaftsmacht würde die Finanzmärkte erschüttern. Die Ausmaße wären gar nicht abzusehen. Das US-Finanzministerium erklärte, die Drohung von Moody's sei eine passende Erinnerung daran, dass der Kongress nun endlich eine Einigung erzielen müsse. Die Nerven bei den Beteiligten liegen mittlerweile blank. Der US-Präsident habe am Mittwochabend gesagt, genug sei genug und die Gesprächsrunde abrupt verlassen, verlautete aus Reihen der Republikaner. Obama habe erklärt, er werde nicht weiter nachgeben, auch wenn er seine Präsidentschaft riskiere. Ein ranghoher Berater Obamas sagte dazu, der Fraktionschef der Republikaner im Repräsentantenhaus, Eric Cantor, habe sich in den Gesprächen wie ein Kind benommen, den Präsidenten mehrfach unterbrochen und mit seiner Darstellung über den Verlauf der Gespräche völlig übertrieben. Sein Parteikollege, der Präsident des Repräsentantenhauses John Boehner, solle Cantor zügeln und dafür sorgen, dass "die Erwachsenen ihre Arbeit machen können".

ben/Reuters Reuters

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