HOME

Andreas von Zitzewitz: Staatsanwaltschaft sieht Verdacht bestätigt

Die Staatsanwaltschaft sieht den Korruptionsverdacht gegen den ehemaligen Infineon-Vorstand Andreas von Zitzewitz bestätigt. Unterdessen prüft der Chiphersteller mögliche Schadenersatzansprüche.

Der Verdacht auf Schmiergeldzahlungen in Zusammenhang mit Sponsoring-Aktivitäten des Chipherstellers Infineon hat sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft München bestätigt. "Weitere Einzelheiten können erst nach Sichtung der umfangreichen Unterlagen mitgeteilt werden", teilte der Leitende Oberstaatsanwalt Christian Schmidt-Sommerfeld am Montag mit. Am Freitag hatte die Staatsanwaltschaft im Rahmen von Ermittlungen gegen Infineon-Vorstand Andreas von Zitzewitz, den ehemaligen Infineon-Manager Harald Eggers sowie den Präsidenten der Schweizer Firma BF Consulting die Infineon-Zentrale sowie Büros und Wohnungen durchsucht. Zitzewitz soll nach Angaben der Staatsanwaltschaft 259.000 Euro und Eggers 50.000 Euro für die Vermittlung von Werbeverträgen für Motorsportveranstaltungen erhalten haben. "Es konnte eine Vielzahl von Unterlagen sichergestellt werden, deren Auswertung noch längere Zeit in Anspruch nehmen wird", hieß es bei der Staatsanwaltschaft.

Rücktritt nach Bekanntwerden der Vorwürfe

Zitzewitz, der bei Infineon die Speicherchipsparte leitete, war am Samstagabend nach Bekanntwerden der Vorwürfe zurückgetreten. Zitzewitz galt wie der ehemalige Infineon-Vorstandschef Ulrich Schumacher, der im Frühjahr 2004 zurücktreten musste, als großer Anhänger des Motorsports. Durchsuchungen habe es auch bei Schumacher gegeben, der allerdings als Zeuge, nicht als Beschuldigter gelte. Im Gegensatz zu den Beschuldigten und anderen Zeugen habe Schumacher aber noch nicht vernommen werden können, da er im Urlaub sei. Mit der Führung des lange verlustreichen Speichergeschäfts in Infineon beauftragte der Aufsichtsrat bis auf weiteres Vorstandschef Wolfgang Ziebart. Dieser begrüßte den schnellen Rücktritt von Zitzewitz. "Eine laufende Untersuchung mit diesen Vorwürfen ist eine große Belastung, ein Rücktritt insofern konsequent", sagte er. "Ich sehe hierin auch ein klares Signal in das Unternehmen hinein, das wir hohe Maßstäbe anlegen und ein jederzeit einwandfreies Verhalten fordern." Infineon hatte bereits direkt nach Bekanntwerden der Untersuchungen betont, dass Infineon selbst nicht Gegenstand der Ermittlungen sei.

Infineon sucht Belege für Fehlverhalten

Nach dem Rücktritt von Vorstandsmitglied Andreas von Zitzewitz wegen Korruptionsvorwürfen prüft der Chip-Konzern mögliche Schadenersatzansprüche. "Wir prüfen, ob Infineon geschädigt wurde und werden dann entsprechende Maßnahmen einleiten", sagte ein Unternehmenssprecher am Montag. Es habe bereits im vergangenen Jahr im Zusammenhang mit dem Abgang von Ex-Chef Ulrich Schumacher Hinweise gegeben. Diese habe der Konzern umgehend geprüft, aber keine Belege für ein Fehlverhalten von Zitzewitzs gefunden.

Der Aufsichtsrat des Chipherstellers Infineon hatte zuvor den Rücktritt des Vorstands von Zitzewitz angenommen. Im Interesse des Unternehmens sei eine schnelle Entscheidung notwendig gewesen, ließ Aufsichtsratschef Max Dietrich Kley mitteilten. Von Zitzewitz, der für das Speicher-Geschäft zuständig war, steht im Verdacht, Provisionen bei Sponsoring-Verträgen kassiert zu haben. Am Freitag wurden bei einer Großrazzia die Infineon-Zentrale und Wohnungen durchsucht.

DPA/Reuters / DPA / Reuters