ARBEITSKAMPF Streik in der Metallindustrie


Der erste Streik in der Metall- und Elektronindustrie seit sieben Jahren hat heute in Baden-Württemberg begonnen. Die IG Metall rief Tausende Metaller zur Arbeitsniederlegung auf.

Insgesamt sind 50.000 Beschäftigte in 20 baden-württembergischen Betrieben aufgefordert, sich am Streik zu beteiligen. Den Auftakt zu dem Arbeitskampf hatten bereits am Sonntagabend knapp 2.000 Beschäftigte der Nachtschicht im Mercedes-Benz-Werk in Sindelfingen gemacht. Dort wurde der Streik am Morgen fortgesetzt. Schwerpunkt des ersten Streiktags ist die Automobilindustrie, darunter auch Werke von Porsche und Audi.

Ziel des Streiks ist eine Lohn- und Gehaltserhöhung um 6,5 Prozent. Die Gewerkschaft werde den Kampf entschlossen führen, bis ein akzeptables Ergebnis erreicht sei, sagte IG-Metall-Chef Klaus Zwickel am Montagmorgen vor rund 600 Metallern vor dem Haupttor des Sportwagenherstellers Porsche in Stuttgart-Zuffenhausen. Gleichzeitig warnte er die Arbeitgeber vor Aussperrungen. Solche Maßnahmen würden den Konflikt verhärten und verlängern.

Zwickel forderte die Arbeitgeber auf, ein neues Angebot vorzulegen. Die IG Metall sei weiter verhandlungsbereit. Diese Forderung wies der Präsident des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall, Otmar Zwiebelhofer, am Montagmorgen zurück. »Wir sind mit unserem Angebot von 3,3 Prozent und 190 Euro an die Obergrenze dessen gegangen, was wir uns vorstellen können und was der Mittelstand tragen kann«, sagte er am Montag im ARD-Morgenmagazin. Zwickel wies Vorwürfe zurück, der Streik beeinträchtige den Aufschwung in Deutschland.

Im Laufe der Woche folgen noch weitere 50 Betriebe

Die Mitarbeiter in der Frühschicht traten auch im DaimlerChrysler-Werk in Rastatt und in Teilen des Stammwerks in Stuttgart-Untertürkheim in den Ausstand. Beim Mannheimer Landmaschinenproduzenten John Deere streikten am Montagmorgen in Mannheim 1.800 Beschäftigte. Rund 200 IG-Metall-Mitglieder demonstrierten vor den Werkstoren. In Sindelfingen hielten sich die Streikposten bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt mit Sprechchören und heißem Kaffee warm.

Mit der Taktik, die einzelnen Firmen nur tage- oder schichtweise lahm zu legen, sollen nach Angaben der Gewerkschaft Fernwirkungen auf Lieferanten und Kunden möglichst gering gehalten werden. Im Laufe der Woche kommen etwa 50 weitere Betriebe an die Reihe. In den Verhandlungen hatte die IG Metall allerdings Entgegenkommen für einen Abschluss um die vier Prozent signalisiert. Die Arbeitgeber boten zuletzt 3,3 Prozent für 13 Monate.

Baden-Württembergs IG Metall-Bezirksleiter Berthold Huber betonte, die Gewerkschaft sei kein Bittsteller im Tarifkonflikt. Sie verlange eine faire Beteiligung für gute Arbeit. Einen Abschluss unter dem Ergebnis der Chemiebranche könne er sich nicht vorstellen, sagte Huber. In der Chemieindustrie hatten sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf 3,3 Prozent geeinigt.


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