Arcandor-Rettung Großaktionäre bieten Sicherheiten an


Bisher schienen die Großaktionäre kein besonderes Interesse an einer Rettung des Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor zu haben. Nun bieten sie ihre Aktienpakete als Sicherheit für eine Bundesbürgschaft an.

Die Großaktionäre des Handelskonzerns Arcandor wollen Medienberichten zufolge einen größeren Beitrag zur Rettung des angeschlagenen Unternehmens leisten. Nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" führt der Oppenheim-Banker und Arcandor-Aufsichtsratschef Friedrich Carl Janssen Gespräche mit Politikern der Regierungskoalition in Berlin. Auch Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz wolle sich an entsprechenden Lösungen beteiligen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf gut unterrichtete Kreise.

Die Gesellschafter des Bankhauses Oppenheim und die Familie Schickedanz halten zusammen annähernd 60 Prozent der Arcandor-Aktien. Dem Vernehmen nach könnte die Unterstützung der beiden Familien unter anderem so aussehen, dass sie dem Staat ihre Aktienpakete als Sicherheit zur Verfügung stellen, wenn Arcandor die beantragte Bürgschaft von 650 Millionen Euro erhält, berichtete die Zeitung. Diese Aktien würden nach Abschluss der Sanierung des Handels- und Touristikkonzerns an die Eigner zurückgehen.

700.000 Unterschriften pro Rettungsaktion

Der ums Überleben kämpfende Handelskonzern selbst erhöhte den Druck auf Berlin: In nur einer Woche hat das Unternehmen rund 700.000 Unterschriften für eine staatliche Rettungsaktion gesammelt. An diesem Mittwoch wollen außerdem in Nürnberg Tausende Beschäftigte der Arcandor-Versandtochter Quelle für die Staatsbürgschaft auf die Straße gehen, teilte ein Unternehmenssprecher mit.

Konzernchef Karl-Gerhard Eick warnte in einem Gespräch mit der Zeitung "Die Welt" vor einem "Nein" aus Berlin: "Was für die Finanzbranche die Insolvenz von Lehman Brother war, wäre für den Handel die Insolvenz von Arcandor - nämlich ein Riesenfehler." Der Manager betonte, bei einem Konkurs von Arcandor kämen auf den Steuerzahler Kosten von mindestens einer Milliarde Euro zu.

Dennoch scheint es nach wie vor ungewiss, ob nach Opel auch Arcandor mit einem staatlichen Rettungspaket rechnen kann. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) betonte, dass Opel "ein besonderer Fall" gewesen sei. "Ich sehe keinen zweiten solchen Fall", sagte sie. Es gebe nun ein klares Prozedere für staatliche Hilfen und dieses werde auch im Fall Arcandor Anwendung finden. Es dürfe nicht nach Sympathien oder Antipathien für bestimmte Unternehmen entschieden werden.

Westerwelle: Touristiksparte Thomas Cook verkaufen

Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg betonte in der "Bild"-Zeitung, er werde sich nicht "allein durch die Größe der Unternehmen oder die Lautstärke der öffentlichen Diskussion" beeindrucken lassen. Der Staat könne nur dort Hilfestellung geben, wo es Sinn mache, sagte Guttenberg. Er werde sich deshalb dafür einsetzen, dass die Entscheidungen so objektiv wie möglich getroffen würden. Das Ergebnis sei noch offen.

FDP-Chef Guido Westerwelle forderte den angeschlagenen Karstadt-Mutterkonzern Arcandor unterdessen auf, seine florierende Touristiksparte Thomas Cook zu veräußern. Eigentümer müssten zuerst selbst Verantwortung übernehmen, bevor sie beim Steuerzahler die Hand aufhielten, sagte Westerwelle dem Deutschlandfunk. Arcandor-Chef Eick lehnte einen Verkauf der Touristiksparte zum gegenwärtigen Zeitpunkt allerdings ab, da der Konzern damit seinen größten Gewinnbringer verliere und ein Verkauf angesichts der Börsenschwäche derzeit nur unter Wert möglich sei.

Arcandor fordert Staatsbürgschaften in Höhe von 650 Millionen Euro und einen 200-Millionen-Euro-Kredit der staatlichen Förderbank KfW. Andernfalls müsste das Unternehmen mit seinen rund 50.000 Beschäftigen in Deutschland am 12. Juni Insolvenz anmelden.

AP AP

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