HOME

Automarkt: Opel plant Billigauto-Werk in Eisenach

Kommt ein Wartburg 2.0? Einer Zeitschrift zufolge erwägt Opel den Bau eines preiswerten Pkw mit einfachster Technik. Das Billigauto könnte für 7000 Euro zu haben sein und würde am ehemaligen Wartburg-Standort in Eisenach vom Band rollen.

Der angeschlagene Autohersteller Opel denkt über die Produktion eines "preiswerten Autos mit einfachster Corsa-Technik" am ehemaligen Wartburg-Standort in Eisenach nach. Das sagte ein Sprecher der Opel-Mutter General Motors Europe (GME) am Donnerstag in Rüsselsheim. Eine Entscheidung über den Namen des möglichen Billigautos sei aber noch nicht gefallen.

"Auto Bild" berichtet in seiner neuen Ausgabe zudem, dass auch die Marke Wartburg wiederbelebt werden solle. Der Konzernsprecher erklärte dazu lediglich: "Eisenach ist Wartburg. Aber es gibt noch keine konkreten Gespräche zur Revitalisierung der Marke."

Bei dem Billigauto geht es laut "Auto Bild" darum, eine klare Perspektive für das Werk in Eisenach zu schaffen. Vorbild könnte der Renault-Konzern mit dem Dacia sein. Der neue Wartburg könnte der Zeitschrift zufolge für 7000 Euro angeboten werden. Der Geheimplan sei eine Alternative zu den Verkaufsgesprächen mit Magna, Fiat und anderen Interessenten. Opel hatte das Wartburg-Werk in Eisenach in den 90er Jahren übernommen. Derzeit wird in Eisenach der Kleinwagen Corsa gebaut.

Darüber hinaus wurde bekannt, dass Opel die Gehälter seiner Manager kürzt. Ab sofort werden europaweit rund 300 Opel-Führungskräfte zehn Prozent weniger Geld erhalten, sagte der GME-Sprecher und bestätigte damit einen Bericht der "Bild"-Zeitung.

Die Gehaltskürzung im Management, mit der mehrere Millionen Euro im Jahr gespart werden sollen, geht auf eine Initiative von GME-Chef Carl-Peter Forster zurück: "Das Management soll mit dem Verzicht mit gutem Beispiel vorangehen", erklärte der Sprecher. Da es in diesem Jahr auch keine Boni gebe, müssten die Führungskräfte teilweise massive Gehaltskürzungen hinnehmen.

Der Konzern teilte ferner mit, dass das Management eine Rahmenvereinbarung mit den Betriebsräten zum 31. Juli 2009 gekündigt hat. In der Vereinbarung zu Arbeitszeitverkürzung und Ausgleichszahlungen sind ein Verzicht auf Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen festgeschrieben. Nach dem Ende des Vertrags sind nun sowohl Entlassungen als auch Standortschließungen möglich. "Wir wollen den Vertrag neu verhandeln", sagte der Sprecher, ohne auf die vom Management angestrebten Änderungen einzugehen. Als akut gefährdet gelten Medienberichten zufolge derzeit die Werke im belgischen Antwerpen und die beiden englischen Fabriken in Luton und Ellesmere Port. GME plant zudem ein freiwilliges Abfindungsprogramm.

Betriebsrat kritisiert Bilanz-Trickserei

Unterdessen hat der Opel-Betriebsratsvorsitzende Klaus Franz den Mutterkonzern beschuldigt, erneut einen Teil seiner Verluste in Europa abgeladen zu haben. Die Europatochter GM Europe machte im ersten Quartal einen Vorsteuerverlust von zwei Milliarden Dollar (1,5 Milliarden Euro). Davon wurden allein mehr als 800 Millionen Dollar als Belastungen im Zusammenhang mit der Restrukturierung der schwedischen Tochter Saab verbucht.

Franz kritisierte den Mutterkonzern im "Handelsblatt" scharf. GM habe neben den Saab-Kosten auch noch weltweite Entwicklungsaufwendungen nachträglich mit 400 Millionen Dollar sowie Währungsverluste mit weiteren 400 Millionen Dollar bei der Europa-Tochter geltend gemacht. "GM poliert so die eigene Bilanz auf Kosten von Opel und GM Europa auf", beschwerte sich der Betriebsratschef.

DPA / DPA