Bahn Massive Zugausfälle durch Lokführer-Streik


Der Lokführer-Streik hat den Nahverkehr in großen Teilen Deutschlands lahmgelegt. In einzelnen Regionen sind im Berufsverkehr bis zu 50 Prozent der Nahverkehrszüge und S-Bahnen ausgefallen. Die GDL-Lokführer wollen im Nahverkehr den ganzen Tag streiken.

Millionen Bahnreisende sind an diesem Freitag von dem bundesweiten Streik der Lokführer betroffen. Ein Teil der Nahverkehrszüge ist jedoch trotzdem unterwegs, weil nicht alle Lokführer der GDL angehören und viele als Beamte nicht streiken dürfen. Wie schlimm die Lage an den Bahnhöfen im Laufe des Tages noch wird, war zunächst nicht abzusehen.

Besonders schwer von dem Streik sind unter anderem die S-Bahnen in München, Stuttgart und im Großraum Halle-Leipzig betroffen, teilte die Bahn mit. Bei der Berliner S-Bahn sei nur die Hälfte der Züge unterwegs. Auch in Bayern stehe jeder zweite Regionalzug. Erhebliche Störungen gebe es auch im Regionalverkehr in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Bei Frankfurter S-Bahnen wollte die Bahn einen Betrieb im Ein-Stunden-Takt schaffen. Ein bundesweiter Schnitt oder eine Gesamtzahl der ausgefallenen Züge ließen sich zunächst nicht beziffern, hieß es. Befürchtete Behinderungen für den Fernverkehr wurden zunächst nicht gemeldet. Auch die GDL hatte am Morgen keine Angaben über das bundesweite Ausmaß des Streiks.

Die Bahn empfiehlt, sich über die Lage im Internet unter www.bahn.de/aktuell sowie über die kostenlose Service-Hotline 08000 99 66 33 zu informieren. Sie war in den frühen Morgenstunden allerdings schwer zu erreichen. Die Bahn setzt aber zusätzlich 1000 Service-Mitarbeiter an den Bahnhöfen ein. Kunden aus dem Ausland können sich telefonisch bei der Service-Hotline +49 1805 33 44 44 informieren.

Schienenersatzverkehr mit Bussen

Die Bahn betonte, wegen der kurzfristigen Ankündigung des Streiks sei es nicht möglich gewesen, Ersatzfahrpläne aufzustellen. Man bemühe sich, verstärkt Beamte in den Schichten einzusetzen und einen Schienenersatzverkehr mit Bussen aufzubauen. Sowohl die Bahn als auch die GDL empfehlen den Reisenden, andere Verkehrsmittel zu nutzen.

Viele Pendler stiegen auf das Auto um. ADAC-Sprecherin Maxi Hartung sagte im ZDF-Morgenmagazin, der Berufsverkehr habe die Straßen viel früher gefüllt als gewöhnlich. Ein Hamburger Radiosender verloste unter seinen Zuhörern Taxi-Fahrten.

Seit 2.00 Uhr stehen die Züge

Die GDL-Lokführer begannen ihren Streik wie angekündigt um 2.00 Uhr. Der Ausstand hatte zunächst kaum Auswirkungen, weil um diese Zeit praktisch keine Regionalzüge und S-Bahnen fahren. Allerdings sei der frühe Zeitpunkt extra gewählt worden, damit die Züge gar nicht erst die Depots verlassen, sagte GDL-Sprecherin Seibert. Damit solle verhindert werden, dass stehengebliebene Nahverkehrszüge auch ICE- und Intercity-Züge aufhalten. Die GDL-Lokführer dürfen nach einem Gerichtsbeschluss den Fernverkehr nicht bestreiken. Die GDL kritisierte, dass die Bahn versuche, die Streikenden mit "fingierten Notdienstausweisen" zum Arbeiten zu zwingen.

Bahnchef Hartmut Mehdorn kündigte am Abend nach einem dreistündigen Spitzengespräch in Berlin ein neues Angebot an die Lokführer für Montag an. Er gehe davon aus, dass mit dem neuen Angebot bis Monatsende Friedenspflicht herrsche, sagte Mehdorn. GDL-Chef Manfred Schell sagte, der Streik am Freitag sei wenige Stunden vor Beginn nicht mehr abzuwenden. Er betonte, dass seine Gewerkschaft nur dann auf weitere Streiks verzichten werde, wenn das Angebot der Bahn akzeptabel ausfalle. Am kommenden Montag und Dienstag werde es zunächst aber keinen Streik geben. Die GDL- Lokführer wollen einen eigenständigen Tarifvertrag und ein höheres Einkommen durchsetzen.

Die Bahn hatte zuletzt Einkommenserhöhungen von 4,5 Prozent angeboten, wie mit den Gewerkschaften Transnet und GDBA vereinbart. Mit Mehrarbeit könnten die Lokführer netto auf etwa zehn Prozent mehr Geld kommen, erklärte die Bahn. Die GDL lehnt dieses Angebot ab.

DPA


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