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Bahn-Streik: Transnet will kein Streikverderber sein

Bei allen Differenzen zwischen den Bahngewerkschaften Transnet und GDL: Den geplanten Streik der Lokomotivführer will die Transnet nicht durchkreuzen. Trotz der zu erwartenden Personalnöte will die Deutsche Bahn keine unerfahrenen Lokführer einsetzen.

Die Bahngewerkschaft Transnet hat einen Streikbrecher-Einsatz ihrer Mitglieder bei einem Streik der Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL) ausgeschlossen. Der Transnet-Vorsitzende Norbert Hansen sagte im NDR: "Gezielte Anweisungen durch den Arbeitgeber, streikendes Personal der GDL zu ersetzen, kommen für unsere Mitglieder nicht in Frage." Noch sei unklar, was geschehe, wenn Mitglieder der Transnet an der Arbeit gehindert würden, sagte Hansen. Seine Gewerkschaft sei mit dem Vorstand der Bahn sehr intensiv im Gespräch, auch um eventuelle Überstunden zu regeln.

Der für Donnerstag angekündigte Streik der GDL werde erheblichen Schaden verursachen, sagte Hansen. Im Bereich des Güterverkehrs hätten bereits mehrere Großkunden signalisiert, ihre Verträge mit der Bahn beenden zu wollen. Das gehe aus Gesprächen mit dem Vorstand der Deutschen Bahn und dem Vertrieb hervor, erklärte er.

Private Bahnunternehmen prüfen wegen des angekündigten Streiks Regressforderungen gegen die Lokführergewerkschaft GDL. "Sind die Schienen blockiert, können auch wir nicht fahren", sagte der Geschäftsführer des Netzwerks Privatbahnen, Arthur-Iren Martini, dem "Tagesspiegel". Kleine Unternehmen seien deshalb in ihrer Existenz bedroht. Das Netzwerk vertritt nach eigenen Angaben 23 Firmen, darunter überwiegend Güterverkehrsunternehmen. Mehr Aufträge durch den Streik erhoffen sich dagegen die Lkw-Spediteure: "Wenn die Nachfrage durch den Streik bei der Bahn noch steigt, wird das helfen, die Preise mal nach oben zu drücken", zitierte die Zeitung Frank Wylezol, Geschäftsführer beim Hamburger Verband Straßengüterverkehr und Logistik. Die Transportpreise könnten im deutlich einstelligen Prozentbereich steigen.

Keine unerfahrenen Lokführer

Auch Bahn-Personalvorstand Margret Suckale hat der GDL Schadenersatzforderungen bei einem Streik angedroht. Sie sagte in einem Interview des Deutschlandfunks: "Auch das wird geschehen, natürlich, denn es ist hier kein Spiel mehr, was betrieben wird." Das Arbeitsgericht Chemnitz habe die Auffassung der Deutschen Bahn bestätigt. "Und wenn hier gestreikt wird, werden wir auch die GDL auf Schadenersatz in Anspruch nehmen", sagte Suckale.

Das Arbeitsgericht in Chemnitz hatte am Montag auf Antrag der DB Regio Netzverkehr eine einstweilige Verfügung erlassen, mit der ein Streik bei bestimmten Regionalbahnen verboten wird.

Zwei Tage vor dem wahrscheinlichen Beginn des Streiks hat der Konzern eine Gefährdung durch den Einsatz unerfahrener Lokführer ausgeschlossen. "Es wird kein Mensch auf einer Lok fahren, der die entsprechenden Nachweise nicht hat", sagte der Chef der Bahn-Tochter DB-Region, Ulrich Homburg, im ARD-"Morgenmagazin". Die Lizenzen der Lokführer, die während des Streiks eingesetzt werden sollten, müssten regelmäßig aufgefrischt werden: "Sie können davon ausgehen, dass wir keinerlei Sicherheitsrisiko eingehen werden", erklärte Homburg.

AP / AP