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Wer lügt?: Bahn und HR-Info zoffen sich um Bahncard-Meldung

Eine "dreiste Falschmeldung" nannte die Bahn eine Meldung von HR-Info. Es geht um die Bahncard. Gibt es Pläne zur Abschaffung oder zum Umbau? HR-Info zitiert auf Twitter aus einem Geheim-Papier.

Der Zoff um die Meldung zur Abschaffung der Bahncard eskaliert. Der Radiosender HR-Info bleibt bei seiner Darstellung, der Bahncard stehe ein tiefgreifender Umbau bevor. HR-Info zitiert nun sogar öffentlich aus dem geheimen Schreiben. Die Bahn hatte zuvor von einer "dreisten Falschmeldung" gesprochen.

Auch gegenüber dem Medienportal "Meedia.de" betonte HR-Info, bei seiner Darstellung zu bleiben. "HR-Info hat ein Papier der Deutschen Bahn vorliegen, das als Vorlage für die nächste Aufsichtsratssitzung der Bahn am 10. Dezember dient. Darin ist von den in unserer Pressemeldung genannten Plänen zum tiefgreifenden Umbau der Bahncard die Rede. Wir halten die Quelle für zuverlässig."

HR veröffentlicht Auszüge auf Twitter

DPA: Aufsichtsrat berät über Änderungen

Auch die Deutsche Presse Agentur hat Informationen, wonach der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn am kommenden Mittwoch über mögliche Änderungen am Geschäftsmodell für den Fernverkehr beraten will. Das Kontrollgremium wolle in der turnusmäßigen Sitzung aber keinen Beschluss zu Änderungen an der Preisstruktur fassen. Die DPA spricht von "zwei zuverlässigen Quellen".

Dem Bahn-Aufsichtsrat liegt nach DPA-Informationen eine 33-seitige Unterlage des Managements vor. Darin werden verschiedene Szenarien für Änderungen an der Preisstruktur und am Zugangebot dargestellt. Der "Zwischenbericht" solle als Diskussionsgrundlage dienen. Der Bahn-Vorstand habe den Auftrag, bis zur nächsten Aufsichtsratssitzung im März 2015 einen Abschlussbericht mit konkreten Vorschlägen zu erarbeiten, hieß es.

Früher Bahncard, künftig Kundenkonto?

HR-Info hatte zuvor unter Berufung auf eine vertrauliche Vorlage für den Aufsichtsrat berichtet, dass auch die Streichung aller Nachtzüge im Gespräch sei. Die Abschaffung der Bahncard wolle sich das Management bei der Sitzung des Gremiums in der nächsten Woche genehmigen lassen. Sie solle zu einem Kundenkonto umgewandelt werden, das nur noch "Rabatte gemäß Auslastung eines Zuges und individuelle Rabatte nach Kundenumsatz" garantiere, also für Großkunden und Vielfahrer. Damit reagiere die Bahn auf Qualitätsmängel im Fernverkehr und auf die erstarkte Konkurrenz durch Fernbusse.

Der Staatskonzern will dem Bericht zufolge im Fernverkehr drastisch sparen und die Kosten bis 2019 um 1,5 Milliarden Euro senken. Unwirtschaftliche Linien sollten eingestellt und die Nachtzüge nur noch "abhängig vom Optimierungspotential" weitergeführt werden. Der Umsatzverlust durch die Fernbus-Konkurrenz werde mit mittelfristig 240 Millionen Euro pro Jahr beziffert. 2014 seien es rund 120 Millionen.

feh/anb/DPA/Reuters / DPA / Reuters
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