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Vor dem Mammut-Bahnstreik: Dobrindt rüffelt die GDL und mahnt zur Verhältnismäßigkeit

Der längste Streik der Geschichte der Deutschen Bahn wirft seine Schatten voraus. Es hagelt Kritik für die GDL und Claus Weselsky. Politiker sind empört, auch der Verkehrsminister meldet sich zu Wort.

Nach dem Aufruf der Lokführergewerkschaft GDL zum längsten Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn hat Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) Verhältnismäßigkeit angemahnt. Die öffentliche Akzeptanz für Tarifkonflikte dürfe "nicht über Gebühr strapaziert werden", sagte er der "Bild"-Zeitung vom Mittwoch. Zwar seien derlei Auseinandersetzungen sowie Streiks ein elementarer Bestandteil der Tarifautonomie. Jedoch sollten die Tarifparteien mit diesem "hohen Gut sehr verantwortungsvoll umgehen", sagte Dobrindt. Dazu gehöre in diesem Fall, die Auswirkungen auf Bahnkunden möglichst gering zu halten.

Die GDL hatte am Dienstag zu einem Streik von Mittwochnachmittag bis Montagmorgen aufgerufen. Im Personenverkehr müssen sich Reisende ab Donnerstag auf Verspätungen und Zugausfälle einstellen. Die GDL streitet mit der Bahn über mehr Lohn, sie will außerdem künftig nicht nur für die Lokführer verhandeln, sondern für das gesamte Zugpersonal. Die Bahn bezeichnete die neue Streikankündigung als "Schikane".

"Sie schaden Wirtschaft und Verbrauchern"

Auch der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann, sagte der "Bild"-Zeitung, bei derart langen Streiks stelle sich die Frage der Verhältnismäßigkeit. "Sie schaden Wirtschaft und Verbrauchern gleichermaßen."

Ähnlich kritisch äußerten sich Vertreter der SPD in der "Rheinischen Post" vom Mittwoch. "Die GDL hat jedes Maß verloren. Das hat mit Tarifpolitik nichts mehr zu tun", sagte SPD-Vize Thorsten Schäfer-Gümbel. Er forderte die Gewerkschaft zudem auf, die Verhandlungen mit der Bahn wieder aufzunehmen. Der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Torsten Albig (SPD), nannte den Streik einen "Schlag ins Gesicht von Millionen Menschen, die ohne die Bahn nicht zur Arbeit, Schule oder Hochschule kommen". Eine "verantwortungsvolle Gewerkschaft" würde sich anders verhalten.

feh/AFP / AFP