BELGIEN Das Aus für Sabena


Jetzt ist es fix: Die Sabena-Anwälte haben den Konkursantrag eingereicht, die 12.000 Mitarbeiter sollen zu Hause bleiben. Auch die letzte Krisensitzung brachte nichts.

Anwälte von Sabena haben am Mittwochmorgen vor einem Brüsseler Handelsgericht den Konkurs der belgischen Fluggesellschaft angemeldet. Es wurde erwartet, dass die Richter das Ersuchen noch im Laufe des Tages bestätigen und einen Konkursverwalter einsetzen würden. Unterdessen befand sich der letzte Sabena-Flug von Benin aus auf dem Weg zum Brüsseler Flughafen Zaventem. Der Verwaltungsrat der traditionsreichen Airline hatte am Dienstagabend den Konkurs des 78 Jahre alten Unternehmens beschlossen.

Schon fast alle Flüge eingestellt

Zuvor hatte die Fluggesellschaft bereits nahezu alle Flüge eingestellt. Die meisten der 12.000 Beschäftigten wurden aufgefordert, zu Hause zu bleiben. Viele andere Airlines leiteten ihre Flüge nach Brüssel teilweise um oder sagte sie ab, weil Sabena-Beschäftigte damit gedroht hatten, den Flugbetrieb zu stören.

Kommt kleine Ersatz-Airline?

Hauptanliegen der belgischen Regierung, die 50,5 Prozent der Sabena-Anteile hält, ist nun die Rettung von Arbeitsplätzen. Ministerpräsident Guy Verhofstadt rief dazu eine Sondersitzung des Kabinetts ein. Ziel der Regierung ist es, Teile des Sabena-Vermögens samt eines Großteils der Beschäftigten in das Tochterunternehmen Delta Air Transport (DAT) zu überführen und daraus eine kleinere Fluggesellschaft zu gründen.

Kein Investor in Sicht

Doch dafür muss ein Investor gefunden werden, der bislang nicht in Sicht ist. Verhandlungen mit dem Billiganbieter Virgin Express haben bislang nicht zu Ergebnissen geführt. Sabena-Chef Fred Chaffart sagte am Dienstagabend, dass die Verhandlungen andauern. Chaffart bezeichnete die Chancen für die Gründung eines neuen Unternehmens als »sehr hoch«. Damit könnten etwa die Hälfte der Sabena-Arbeitsplätze gerettet werden.

SAir Group keine Hilfe

Die restlichen 49,5 Prozent der Sabena-Anteile sind noch im Besitz der Schweizer SAir Group, zu der auch die Swissair gehört. Die ohnehin angespannte Lage der Sabena hatte sich verschärft, nachdem die Schweizer wegen der eigenen Schwierigkeiten ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen hatten können.

Liberalisierung verstärkte Niedergang

Die 1923 gegründete Sabena galt als ein Aushängeschild Belgiens. Mit Beginn der Liberalisierung der Branche in den 80er Jahren setzte auch der Niedergang von Sabena ein. Insgesamt weist das Unternehmen einen Schuldenberg von rund zwei Milliarden Euro (vier Milliarden Mark) auf.

»Le Soir«: Swissair ist nicht allein Schuld

Die Brüsseler Tageszeitung »Le Soir« analysiert die Gründe, die zum Konkurs der belgischen Fluggesellschaft führten, folgendermaßen: »Die Sabena ist tot. Wir stehen heute vor der größten sozialen Katastrophe, die unser Land je erlebt hat. Es wäre nutzlos, die Schuld daran allein der Swissair zuzuschieben. (...) Jahrelang hat der Staat versucht, die Führung der Sabena loszuwerden und gleichzeitig eine nationale Luftfahrt zu behalten. (...) Nun sollte er den verbliebenen Rest seiner Ehre retten, indem er alles unternimmt, den geopferten Beschäftigten einen würdigen Sozialplan anzubieten und die Voraussetzungen für einen Erhalt - oder eine Umstrukturierung - der Luftfahrt-Aktivitäten in Belgien zu schaffen.«

Gewerkschaften brachten Sabena zu Fall

Eine andere Meinung vertritt die »Neue Zürcher Zeitung«: »Der Sabena ist der Todesstoß am Dienstag von den militanten Gewerkschaften versetzt worden, die noch vor der Konkurseröffnung einen wilden Streik vom Zaune brachen. (...) Auffallend ist weiter, dass das Grounding der nationalen 'Flag Carriers' Sabena und Swissair zwar ein Top-Medienereignis darstellt, aber nur innerhalb der jeweiligen Landesgrenzen. Einiges spricht dabei jeweils dafür, dass das Blickfeld durch nationale Scheuklappen begrenzt wird. So muss bezweifelt werden, dass die Herausforderungen, die auf den regulierten europäischen Luftverkehrsmarkt zurollen, mit der nötigen Tiefenschärfe wahrgenommen werden.«


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