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BIERMARKT: Durstige Belgier schlucken zwei deutsche Brauereien

Der Biermarkt stagniert und Schuld hat angeblich das schlechte Wetter zum Sommeranfang. Da werden aus Brauereien leicht Übernahmekandidaten.

Beck's hisst die belgische Flagge. Die Bremer Brauerei, die den flaschengrünen Großsegler »Alexander von Humboldt« zur Melodie »Sail Away« über die Fernsehbildschirme kreuzen lässt, soll Teil der internationalen Interbrew-Flotte werden. Damit hat der Brüssler Konzern gleich zwei deutsche Brauhäuser in nur zehn Tagen »geentert«. Der erste Streich gelang am Niederrhein, wo der Kauf von 80 Prozent am Altbier-Brauer Diebels gelang. Jetzt sind sich die Belgier auch mit Beck & Co einig. Andere Kaufinteressenten, zu denen vor allem der Weltmarktführer Anheuser-Busch und der Beck's-Vertriebspartner Scottish & Newcastle zählen sollen, boten weniger. Ausgerechnet Beck's-Chef Dieter Ammer, der Präsident des Deutschen Brauer-Bundes ist, rolle »Multis« den Teppich aus, meinen Kritiker.

Erst fünf Brauereien in ausländischer Hand

Nach Aussagen einer Sprecherin des Deutschen Brauer-Bunds in Bonn, befinden sich bisher nur drei von 1.270 deutschen Brauereien in ausländischer Hand. Das sind die Mittweidaer Löwenbräu GmbH (thailändische B.B Group) und die Darguner Brauerei GmbH (dänische Harboes Bryggeri) in Ostdeutschland sowie die Hannen-Brauerei GmbH Mönchengladbach (dänische Carlsberg-Gruppe) in Nordrhein-Westfalen. Diebels und Beck's hinzugerechnet wären es dann gerade einmal fünf Unternehmen. Doch so gelassen sehen es nicht alle Einheimischen. »Beck's ist der erste Griff nach dem Tafelsilber der deutschen Brauwirtschaft«, meint Ulrich Biene, Sprecher von Veltins. Der Bremer Gerstensaft zählt zu den zehn stärksten deutschen Marken. Das sauerländische Unternehmen warnt vor einem neuen Preiskampf.

Droht neuer Preiskampf?

Die Situation gleicht der nach dem Mauerfall, »als jeder dachte, er muss sein Glück im Osten versuchen«, zitiert das Getränke-Markt -Magazin »inside« einen anderen Branchenkenner. Der Einstieg des niederländerischen Heineken-Konzerns bei der Schörghuber-Gruppe in München gilt als Signal für andere internationale Brauereiriesen, jetzt ebenfalls in den deutschen Markt einzusteigen. »Klotzen und nicht Kleckern« scheint dabei die Devise zu lauten. Heineken-Chef Karel Vuursteen erklärte bereits vollmundig im Interview der »Wirtschaftswoche«: »Wir wollen in Deutschland Marktführer werden«. Deshalb traut hier zu Lande auch jeder Interbrew weitere Bier-Übernahmen zu. Interbrew-Chef Hugo Powell glaubt, dass der Konzernansatz der lokalen Marken die Belgier zu einem bevorzugten Partner macht.

Reinheitsgebot bleibt - noch

Für die deutschen Biertrinker soll sich trotz Eigentümerwechsel nichts am Geschmack ändern. Das Deutsche Institut für Reines Bier wies am vergangenen Freitag darauf hin, »in Deutschland gebrautes Bier enthält nur Hopfen, Hefe, Malz und Wasser und sonst nichts«. Daran ändert auch ein Eigentümerwechsel nichts. Die Deutschen lieben ihr Bier, wie die Vielfalt von 5.000 Marken bundesweit zeigt. Immer mehr Unternehmen setzten bei einem tendenziell leicht rückläufigen Bierkonsum aber auf Allianzen, um im Wettbewerb weiter bestehen zu können. In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres ging der Bierabsatz in Deutschland um 4,3 Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres zurück. Der Brauer-Bund sieht dabei als eine Ursache das regnerische Wetter.

Volker Danisch