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Blockupy-Randale in Frankfurt: Wenn Argumente verrauchen

Statt Missstände zu kritisieren und gegen Banken zu demonstrieren, fackeln Randalierer die Stadt ab. So schießt sich die Blockupy-Bewegung selbst ins Aus. Und untergräbt die nötige Kritik an der EZB.

Von Katharina Grimm

Frankfurt brennt: Die Proteste der Blockupy-Bewegung sind in Gewalt umgeschlagen.

Frankfurt brennt: Die Proteste der Blockupy-Bewegung sind in Gewalt umgeschlagen.

Rauchschwaden ziehen über die Bankentürme von Frankfurt. Dazwischen brennt allles, was sich in Brand stecken lässt. Die Polizei setzt Tränengas und Wasserwerfer ein, Demonstranten attackieren Polizisten. Zur Eröffnung des neues EZB-Towers sind tausende Aktivisten angereist. Sie demonstrieren gegen die "Verarmungspolitik der EZB". Doch das ist nur ein Teil der Blockupy-Bewegung: Auch gewalttätige Aktivisten sind da. Und legen Frankfurt in Schutt und Asche. Die schweren Krawalle sind das schlimmste, was Blockupy passieren konnte - denn "Gewalt birgt immer ein Element der Verzweiflung", wie Thomas Mann sagte. Gewalt verwässert Argumente.

Blockupy scheitert an sich selbst

Die Proteste gegen die EZB sind nicht unbegründet. Nach der Finanzkrise scheinen die Banken ihre alten Spiele wieder aufzunehmen: An den Märkten wird gezockt, die Investmentabteilungen spekulieren sich wieder satte Gewinne zusammen. Im Gegenzug wird Europa kaputt gespart. Und all das auf dem Rücken einer von Arbeitslosigkeit und Angst vor Altersarmut geprägten Generation. Blockupy hat eine Menge Missstände, gegen die sie demonstrieren kann. Und Blockupy könnte es schaffen, dass manch europäische Schieflage in den Fokus der Gesellschaft rückt - und somit das Nischendasein links-identitärer Gruppen verlässt. Heute in Frankfurt zeigt sich leider: Blockupy scheint an sich selbst zu scheitern. Denn es fällt unendlich schwer, sich mit den Zielen und Argumenten zu beschäftigen oder gar zu identifizieren, wenn Rauchschwaden die Sicht vernebeln.

Kampf geht im Netz weiter

Natürlich ist es unfair, nun alle Demonstranten über einen Kamm zu scheren. Neben den brennenden Müllcontainern gibt es viel bunten und kreativen Protest. Doch längst hat die Randale das Ostend in Frankfurt verlassen. Inzwischen zoffen sich Blockupy-Befürworter und ihre Kritiker auf den sozialen Netzwerke. Spätestens bei Facebook und Co. schwingen vor allem die Kritiker, die bei Schlagstockeinsätzen der Polizei applaudieren, die Keule. Die sich freuen, dass es das "nichtsnutzige Pack" trifft. Auf der anderen Seite wird zurückgefeuert: All jene, die die Gewalt vor Ort als üblen Verrat an dem wichtigen demokratischen Vehikel der Meinungsäußerung empfinden, werden in die neo-liberale Schublade gestopft. Der Ring ist eröffnet, die Schlacht geht im Netz weiter.

Und zeigt dort eine altbekannte Fratze: Die Argumente, welche die Pegidasten in Dresden oder Leipzig gerne aus der Gosse fischen, finden auch hier reichlich Einsatz. Die "Lügenpresse", die bei den linken Gewaltverherrlichern natürlich nicht so heißt, berichte ja gar nicht objektiv. Und überhaupt: Wer jetzt die Art und Weise des Protestes kritisiert, sei ja eh Banken-Faschist. es scheint, als ob bei den Demos nur Gläubige bekehrt werden dürfen - Kritik wird nicht gerne gesehen. Ausgerechnet die Blockupy-Antikapitalisten funktionieren da nicht unähnlich wie die Rechtspopulisten.

Dogmatismus - oder auch: Wer nicht für uns ist, ist gegen uns - vernebelt den Geist und lässt von den eigentlichen Themen abrücken. Und das ist in diesem Fall ärgerlich, denn die EZB-Politik und die gesamte thematische Peripherie bieten reichlich Stoff zur Diskussion.