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Börsen: Dax überspringt kurzzeitig 5000er-Marke

Positive Nachrichten vom Börsenparkett: Der Dax ist erstmals seit zwei knapp zwei Monaten wieder über die Marke von 5000 Punkten geklettert - zumindest zeitweise. Vor allem der Wert des angeschlagenen Chip-Herstellers Infineon legte kräftig zu. Analysten warnten aber vor allzu viel Optimismus. Die Wende zum Besseren sei dies noch nicht.

Allen finsteren Konjunkturprognosen zum Trotz hat der Deutsche Aktienindex (Dax) am zweiten Handelstag des neuen Jahres zeitweise die Marke von 5000 Punkten überschritten. Das wichtigste deutsche Börsenbarometer kletterte kurz nach Handelsbeginn am Montag um mehr als ein Prozent bis auf fast 5.035 Punkte. Zuletzt hatte der Dax am 10. November 2008 die 5000er-Marke genommen. Im weiteren Verlauf rutschte der Index aber wieder unter 5000 Punkte und notierte zu Handelsschluss mit 4984 Punkten 0,2 Prozent höher als am Freitag. Für den M-Dax mittelgroßer Werte ging es um 1,6 Prozent auf 5846 Zähler nach oben. Der Tec-Dax stieg um 2,2 Prozent auf 537 Punkte.

Infineon plus 14 Prozent

Mit Abstand gefragtester Wert war Infineon mit einem Plus von knapp 10 Prozent auf etwas über einem Euro. "Offenbar werten Anleger die mögliche Kapitalerhöhung als einen Schritt zur Sanierung des Unternehmens", sagte ein Börsianer. Daher belaste die Aussicht darauf die Papiere auch nicht wie sonst üblich. Der angeschlagene Chip-Hersteller will von seinen Aktionären die Erlaubnis, in den kommenden fünf Jahren das Kapital um bis zu 450 Millionen Euro erhöhen zu dürfen. Die Aktionäre entscheiden am 12. Februar über den Antrag der Konzernleitung. Eine Kapitalerhöhung dürfte aber nicht unmittelbar bevorstehen. Infineon hatte zuletzt erklärt, dieser Schritt sei bei einem Aktienkurs unter zwei Euro nicht möglich, da das Papier dann unter seinem Buchwert notiere.

Auch in Asien ging es aufwärts: In Tokio stieg der Nikkei 225 Index während eines verkürzten Handelstages um 2,1 Prozent auf 9043 Punkte. Damit schließt der japanische Leitindex erstmals seit dem 10. November über der 9000-Punkte-Marke. Der Hongkong Hang Seng Index legte 1,9 Prozent auf 15.327 Zähler zu.

Analysten: Nicht die große Wende

Analysten bewerteten die Entwicklung als typisch für einen Jahreswechsel. "Das ist das klassische Jahresende/Jahresanfang-Muster", sagte Andreas Wex von der Dresdner Bank in Frankfurt am Main. Traditionell würden in den ersten ein bis zwei Wochen eines Jahres vor allem die großen Fonds neu justiert. Beispielsweise werde ein über das Vorjahr unter den angepeilten Wert gesunkener Aktienanteil durch Zukäufe wieder angehoben. Außerdem müssten neue Gelder angelegt werden, die über die Ferientage liegen geblieben seien. Um die Lage am Aktienmarkt beurteilen zu können, müsse man zunächst abwarten, bis dieser Effekt ausgelaufen sei, meinte Wex. "Das sind Bewegungen, die nicht unbedingt durch die Nachrichtenlage getrieben sind." Er glaube nicht, "dass das jetzt schon die große Wende zum Besseren ist".

Auch Klaus Schrüfer von der SEB Bank in Frankfurt am Main sieht vor allem technische Gründe für die positive Entwicklung des Dax. Es sei aber auch "sicher einiges an Fantasie drin", sagte er. Er erwarte, dass es in den nächsten Wochen wieder deutlich nach unten gehen werde, bevor es in der zweiten Jahreshälfte aufwärts gehen könne.

Optimistischer äußerte sich Marco Cabras von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) in Düsseldorf. Der Grund für den Anstieg sei "einfach, dass die Börse die Wirtschaftsentwicklung der Zukunft widerspiegeln soll", erklärte er. Jetzt zeige sich der Stand, den die Wirtschaft in einem dreiviertel Jahr erreicht haben werde. Die Anleger erwarteten, dass der Abschwung nicht länger als ein Jahr dauern werde. Im ersten Halbjahr dürfte es "richtig schlecht gehen, mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit und drastisch sinkenden Konjunkturdaten", sagte Cabras voraus. Die Anleger erwarteten aber auch, dass es dann wieder aufwärts gehe, denn die Konjunkturprogramme und auch die letzte Leitzinssenkung könnten erst in etwa einem halben Jahr greifen.

AP/Reuters/DPA / AP / DPA / Reuters