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Bundeskartellamt: Büros von Fluggesellschaften durchsucht

Vier große Ferienfluggesellschaften sind ins Visier der deutschen Wettbewerbshüter geraten. Bei Durchsuchungen von Büros ging das Kartellamt dem Verdacht der illegalen Absprache nach - zu Unrecht, wie Air Berlin behauptet.

Das Bundeskartellamt hat am Dienstag die Geschäftsräume von vier großen Ferienfluggesellschaften durchsuchen lassen. Anlass der Durchsuchungen sei der Verdacht der verbotenen Absprachen bei Verträgen mit Reisebüros, sagte Kartellamtssprecherin Anja Scheidgen. Dabei gehe es um eine gemeinsame Kündigung der Verträge und Provisionszahlungen, heißt es dazu in einer Stellungnahme des Kartellamtes. Mit der Absprache verfolgten die Fluggesellschaften offenbar das Ziel, die Provisionen, die den Reisebüros für den Vertrieb von Charterflugreisen gezahlt werden, zu streichen oder abzusenken, berichtete Deutschlands oberste Wettbewerbsbehörde. Zu den betroffenen Unternehmen machte die Behörde zwar keine Angaben, aber der Reiseveranstalter Thomas Cook bestätigte ebenso wie die Fluggesellschaft Air Berlin, dass Ermittlungen in den Geschäftsräumen stattgefunden haben.

"Wir haben nichts zu befürchten

Hintergrund der Ermittlungen sind brachenübliche Regelungen. In der Reisebranche werden einmal im Jahr die Provisionsregelungen für die Reisebüros überarbeitet, in der Regel zum neuen Wintergeschäft. In diesem Jahr habe Air Berlin etwa die Verträge mit den Reisebüros zum Beginn des Winterflugplans am 1. November gekündigt und statt der bisherigen Provision eine neue Regelung mit Servicegebühren und Sonderzahlungen vorgeschlagen, sagte ein Sprecher. Die Verträge für das neue Provisionsmodell, das zum 1. November in Kraft treten soll, wurden nach eigenen Angaben Ende vergangener Woche an die Reisebüros herausgeschickt. Nach den Worten von Air-Berlin-Sprecher Peter Hauptvogel sieht es für die Reisebüros einen Wechsel vom Handelsvertreterstatus zum Maklerstatus vor. Dies heiße, dass die Reisebüros künftig den Preis selbst bestimmen könnten, für den sie die Flüge anböten. Der Wechsel zum neuen Modell sei "von der Branche mit moderaten Tönen aufgenommen worden", sagte Hauptvogel weiter. Außer Air Berlin habe aber noch kein anderer Ferienflieger das neue Provisionsmodell mit Gültigkeit für den Winter vorgestellt, wie es in Branchenkreisen hieß.

Der jetzt aufgekommen Verdacht der kartellwidrigen Absprache stütze sich nach Angaben des Bundeskartellamtes auf verschiedene Hinweise von betroffenen Reisevermittlern und auf Berichte in der Fachpresse. Hauptvogel hält die Vorwürfe für absurd. "Von Absprachen kann keine Rede sein. Wir haben nichts zu befürchten." Dass die Airlines in der letzten Aprilwoche die Verträge mit den Reisebüros gekündigt hätten, sei ein völlig üblicher Vorgang.

AP/DPA / AP / DPA