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Insolvente Modekette Prominentes Opfer der Coronakrise – Adler Modemärkte finden Retter in Berlin

Eine Frau mit Mund-Nase-Bedeckung geht an einem Schild des Unternehmens Adler Modemärkte an einem Einkaufszentrum vorbei
Die Adler Modemärkte sind Arbeitgeber für mehr als 3300 Menschen. Diese Filiale befindet sich in Berlin
© David Hutzler / DPA
Die Modekette Adler hat es offenbar geschafft: Ein Investor ist in Sicht, der das bayerische Unternehmen retten will. Dieser kam schon einmal bei der Air-Berlin-Pleite zum Einsatz.

Die Adler Modemärkte sind eines der prominentesten Opfer der Corona-Lockdowns. Vor der Pandemie war das Unternehmen aus Haibach bei Aschaffenburg laut Vorstandschef Thomas Freude kerngesund. Dann kam der Lockdown, die Läden mussten schließen, verloren Hunderte Millionen an Umsatz. Adler meldete im Januar Insolvenz an, um sich in Eigenverwaltung zu sanieren. Eine schlimme Zeit für die mehr als 3300 Mitarbeiter.

Nun gibt es Hoffnung: Am späten Montagabend gab die Adler Modemärkte AG in einer Ad-Hoc-Mitteilung für die Börse bekannt, dass ein Investor gefunden sei. Man befinde sich "in fortgeschrittenen Verhandlungen" mit der Zeitfracht-Gruppe.

Zeitfracht ist ein Berliner Logistikunternehmen, besteht aus mehreren Dutzend Unternehmen aus den Bereichen Spedition, Transport und Logistik und erregte deutschlandweit schon einmal bei einer prominenten Insolvenz Aufmerksamkeit:  Bei der Air-Berlin-Pleite kaufte Zeitfracht 2019 die Luftfahrtgesellschaft Walter (LGW),  eine Tochter der zahlungsunfähigen Fluglinie. Während der Coronakrise musste Walter jedoch seinen Betrieb einstellen.

Für die Adler Modemärkte wäre Zeitfracht der Retter in der Not

Adler setzt große Hoffnungen in Zeitfracht. Man sei zuversichtlich, "zeitnah ein unwiderrufliches Angebot zum Abschluss einer Investorenvereinbarung von Zeitfracht zu erhalten", hieß es in der Mitteilung. "Dieser Schritt wird ein wichtiger Meilenstein für die Sanierung des Unternehmens sein."

Für die Anleger, die Adler-Aktien halten, kam die Nachricht allerdings einem Desaster gleich: Die Adler-Aktie stürzte bis Dienstagmittag um fast 80 Prozent ab auf nur noch 29 Cent. Der Grund ist, dass durch den Einstieg des Investors die Aktien "aller Voraussicht nach vollständig wertlos" werden, wie es in der Mitteilung hieß.

Denn die Annahme eines Angebots der Zeitfracht Logistik Holding GmbH setze die Eröffnung des Insolvenzverfahrens voraus. Adler gehe davon aus, dass die Investorenvereinbarung unmittelbar nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens unterzeichnet werden könne. Diese sein für 1. Juli geplant, und Ziel sei es, sodann einen Insolvenzplan bei Gericht einzureichen.

Lockdown wegen der Pandemie trieb Adler in die Insolvenz

Der Insolvenzplan soll den Angaben zufolge nach derzeitiger Planung Ende Juli 2021 der Gläubigerversammlung zur Abstimmung vorgelegt werden. Er werde voraussichtlich unter anderem einen Kapitalschnitt in Form einer Herabsetzung des Grundkapitals der Adler Modemärkte AG auf Null sowie eine anschließende Zuführung neuen Eigenkapitals im Zuge einer Kapitalerhöhung durch die Investoren vorsehen, die damit alleinige Aktionäre von Adler würden.

Die Adler Modemärkte AG setzte 2019 rund 495,4 Millionen Euro um und beschäftigte Ende September 2020 rund 3350 Mitarbeiter. Derzeit betreibt die Gruppe nach eigenen Angaben 171 Modemärkte, davon 142 in Deutschland, 24 in Österreich, drei in Luxemburg, zwei in der Schweiz sowie einen Online-Shop.

Vor den Pandemie hatte das Unternehmen nach eigenen Angaben keinerlei Bankverbindlichkeiten (der stern berichtete). Auf den Online-Handel in großem Stil umzustellen, war keine Option, denn die Kernzielgruppe 50 plus kaufe lieber in einem Laden ein als im Internet, wie Vorstandschef Freude im Mai erläutert hatte.

Quellen: Ad-Hoc-Mitteilung von Adler, T-Online, "Börse Online", "Der Aktionär", dpa, "Aerotelegraph.com"

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anb

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