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Bundesverband deutscher Banken: Zurück in die Zukunft

Überraschung, Überraschung: Der Bundesverband Deutscher Banken möchte den Handel mit Kreditverbriefungen wiederbeleben, notfalls mit Staatsgarantien. Angeblich beherrschen die Deutschen das Geschäft. Ein Ortstermin.

Von Dorit Kowitz

Der Bundesverband Deutscher Banken, der diese Woche in Berlin seine Aussichten mitteilte, hat einen Chefvolkswirt, der heißt Bernd Brabänder und hat eine Gabe. Er nimmt seine Zuhörer nicht für sich ein, aber spricht so (wenn auch wenig schnell), dass man versteht, was er sagen will, ob zur Konjunktur im Jahr 2010 oder den Schulden, der Ethik in den Banken oder was der Staat alles zu tun habe nach der Wahl.

Das muss nicht so sein. Sein Kollege Uwe Angenendt zum Beispiel, Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschafts- und Währungspolitik im Verband, flüchtet sich vor der Presse in Vokabeln, die für Banker und höhere Finanzbeamte gedacht sind und darum gar nicht schön. Dass es bald noch viel mehr Arbeitslose geben wird, der Krise geschuldet, beschreibt Angenendt so: "Die große Kluft zwischen dem Produktionspotenzial und der tatsächlichen Produktion macht Anpassungen erforderlich." Konkret heißt dies: weiterer Beschäftigungsabbau.

Die Sache mit den "Verbriefungselementen"

Brabänder dagegen tut sich gar nicht schwer damit zu fordern, dass der Markt der "Verbriefungselemente" unbedingt wiederbelebt werden solle und außerdem eine neue Bundesregierung Schulden abbauen müsse und zwar nur auf der Ausgabenseite. Neue Steuern wären ganz schlecht für die Konjunktur.

Das ist nicht überraschend, das mit den Elementen schon.

Verbriefungen, das weiß mittlerweile vermutlich sogar jemand, der nur ein Giro-Konto besitzt und sonst arm wie eine Kirchenmaus ist, sind jene "Produkte" des Finanzmarktes, die durch das Zerstückeln, Auslagern, Verkaufen und Handeln von Krediten - zum Beispiel für US-Immobilien - entstehen und zum Zusammenbruch des Finanzmarktes vor einem Jahr geführt haben. Aus vielen faulen Krediten waren viele verheißungsvolle Wertpapiere gemacht worden, und aus denen wurden wieder faule. Darum gibt es, sehr kurz gesagt, heute die vielen neuen Arbeitslosen, von denen Angenendt sprach.

Natürlich benötigt: Staatsgarantien

Die Verbriefungen sollen trotzdem wieder her, sagt Obervolkswirt Brabänder, und der Grund sei natürlich ein hehrer: Nur so käme der Mittelstand wieder an Kapital, das er dringend benötige. Wenn einen diese Ansage schon wunderte, weil man dachte, dass der Staat die Banken seit Monaten darum mit Milliarden-Garantien und Beteiligungen stützt, damit sie wieder Kredite an den Mittelstand vergeben, für den wurde es noch wundersamer. Denn Brabänder fuhr fort: Wenn es den Banken nicht gelänge, den Verbriefungsmarkt aus eigener Kraft zu beleben, müsse "man überlegen", ob der Staat dafür Garantien übernehmen könne, um den Handel in Schwung zu bringen.

Nur ein Journalist fragte nach, der Mann des Branchendienstes "Fuchsbriefe"; er informiert den Mittelstand: "Ist es nicht auch mal gut?" Mit den Verbriefungen, meine er.

Deutsche Banken wollen besser können

Ja, sagt Brabänder, durch den Zusammenbruch des Marktes sei viel Vertrauen verloren gegangen. Die deutschen Banken müssten darum neue "Premiumprodukte" anbieten, in denen alles transparent sei, von wem was komme und wie die Produkte sich entwickelten. "Wir können das besser, als das die Kollegen da vom anderen Ende des großen Teiches getan haben." Das sagt er so leicht- und selbstverständlich dahin, als hätte in den vergangenen zehn Jahren nie ein deutscher Banker mit den ruinösen "Credit Default Swaps" gehandelt, die übrigens in den USA, am anderen Ende des großen Teiches erfunden worden sind.

In die schnellen Nachrichten findet all das, was Brabänder da so unverblümt wünscht und fordert, nicht. Im Deutschlandfunk am Abend und in die FAZ vom nächsten Tag findet nur die Nachricht, dass der Bankenverband zuversichtlich in die Zukunft blicke. Er rechne mit einem zaghaften Wachstum. Einskommafünf Prozent plus.

Dorit Kowitz ist Redakteurin im Berliner stern-Büro.

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