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Cerberus: Fahrtziel erreicht

Mit der Chrysler-Übernahme ist Cerberus der spektakulärste Deal der Firmengeschichte gelungen. Ihren Erfolg verdanken die Finanzinvestoren ihrem prominenten Personal - und dessen exzellenten Verbindungen in Wirtschaft und Politik.

Es wäre so etwas wie ein später Triumph gewesen: Scheinwerfer, Blitzlichtgewitter, Reporterfragen. Und mittendrin Wolfgang Bernhard, der schillernde Manager, der nach seinem demütigenden Abschied aus der Autobranche an seine alte Wirkungsstätte zurückkehrt. An der Seite seines früheren Vorgesetzten, DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche. Als später, aber strahlender Sieger.

Kein Auftritt als strahlender Sieger

Doch Bernhard musste sich noch zurückhalten. Und so nahm am Montag in der Stuttgarter Konzernzentrale zur Rechten Zetsches stattdessen John Snow Platz und verkündete die Übernahme der amerikanischen Daimler-Tochter Chrysler. Der Chairman des amerikanischen Finanzinvestors Cerberus hat sich bei dem Deal von Bernhard beraten lassen, der den US-Autobauer aus dem Effeff kennt: Von 2001 bis 2004 hat der ehrgeizige Produktionsspezialist als zweiter Mann hinter dem damaligen Chrysler-Chef Zetsche das Unternehmen schon einmal saniert.

Nun darf er es noch einmal versuchen. Bernhard wird den heutigen Chrysler-Chef Tom LaSorda bei der neuerlichen Rettung beaufsichtigen. Da trifft es sich, dass die beiden enge Freunde sind. "Die beiden werden gut zusammenarbeiten, wie sie das auch in der Vergangenheit getan haben", freute sich Snow.

Bernhards Verpflichtung war clever

Gute Beziehungen sind das Fundament, auf denen Cerberus seine Geschäfte aufbaut. Die spektakuläre Übernahme von 80 Prozent der Chrysler-Anteile haben die Amerikaner nicht zuletzt ihrer geschickten Personalpolitik und ihrem brillanten Networking zu verdanken. Im Board und in Beratungsgremien haben sie zahlreiche Persönlichkeiten versammelt, die direkten Zugang zu wichtigen Entscheidungsträgern in Politik und Wirtschaft haben. Leute wie der ehemalige US-Finanzminister John Snow. Und Leute wie Wolfgang Bernhard.

Die Verpflichtung Bernhards war ein cleverer Schachzug der Amerikaner. Auch andere Investoren hatten um die Dienste des Deutschen gebuhlt, darunter die nunmehr unterlegene US-Beteiligungsgesellschaft Blackstone. Schließlich kennt Bernhard Chrysler wie kein Zweiter. "Als Cerberus Bernhard anheuerte, war hier klar, dass sie das Rennen machen", sagt Peter DeLorenzo, Berater und Herausgeber des Branchendiensts "Autoextremist".

Kein Hinweis auf künftige Strategie

John Snows Tätigkeit für Cerberus scheint dagegen eher politischer Natur zu sein. Den Eindruck vermittelte der Chef zumindest am Montag. Den Ex-Finanzminister über die künftige Strategie für Chrysler zu befragen brachte nicht viel ein. Er beließ es bei Allgemeinplätzen, sagte ausführlich, dass die Sanierung von Unternehmen abseits der Börse ohne den Druck der Quartalsberichterstattung leichter zu bewerkstelligen sei, und lobte den Verkäufer Dieter Zetsche:"Dank der Arbeit, die Sie geleistet haben, sind wir gut positioniert, Chrysler an die Spitze zurückzuführen."

Bei Cerberus wissen die Verantwortlichen ganz genau, was die richtigen Kontakte wert sind. So lädt die Firma seit der Eröffnung ihres Büros vor vier Jahren in Frankfurt regelmäßig Politiker in Berlin zu "parlamentarischen Abenden" ein. Chef des Büros ist David Knower, ein früherer Personalberater und in der Frankfurter Finanzszene als Lebemann bekannt: "Knowers Hauptjob war es, sich in der Wirtschaft und Politik zu vernetzen", sagt einer, der die Verhältnisse kennt. Diese Arbeit zeigte Erfolg: Auf Cerberus' Payroll steht inzwischen nicht nur der vormalige amerikanische Botschafter in Deutschland, Daniel R. Coats, sondern auch Ex-Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD).

von Angela Maier (Frankfurt), Heike Buchter und Michael Gass / FTD