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Luxus-Getränk in der Krise: Läuft nicht beim Champagner

Kaum ein anderes Getränk verkörpert Luxus so sehr wie Champagner. Doch das Image ist angekratzt, denn die Deutschen kaufen den Prickelwein vor allem bei Aldi, Lidl und Co. Doch Discounter sind nicht das einzige Problem für den Champagner - die Briten sind es.

Champagner vom Discounter

Champagner in der Krise: In Deutschland punkten vor allem Discounter beim Verkauf.

Der Dezember ist der Lieblingsmonat für die Weinbauern in der Champagne. Zu Weihnachten und zum Jahreswechsel decken sich die Menschen weltweit mit ihrem einmaligen Erzeugnis ein. Prosecco, Cava, Sekt und Co. gibt es viele - aber nur einen  Prickelwein aus der Champagne, den Champagner.

Dieses geografische Alleinstellungsmerkmal sicherte den Herstellern jahrzehntelang fantastische Einnahmen. Kein Getränk stand so für mondänen Luxus. Wer Champagner kaufte, konnte sich mit der Investition gefühlt ein bisschen in den Kreis der Reichen und Schönen süffeln. Doch die Finanzkrise setzte dem Edelgetränk hart zu, denn die gewinnverwöhnten Banker und Unternehmer zogen den Gürtel enger. Keine gute Voraussetzung für die Branche.

Champagner von Aldi, Lidl und Co.

Doch die Zeiten haben sich gebessert, beim Champagner wird wieder zugegriffen. Allerdings nicht mehr im teuren Feinkostgeschäft, sondern bei Aldi, Lidl und Co. Seit Jahren verkaufen die Discounter günstigen Champagner. Die Flaschen von Aldi Nord und Aldi Süd landen dabei am häufigsten im Einkaufswagen. Beim Discounter bekommen Kunden Champagner schon für etwas mehr als zehn Euro. Laut den Meinungsforschern von Nielsen entfielen mehr als 45 Prozent des Absatzmenge und über 40 Prozent der Umsätze im vergangenen Jahr mit dem prickelnden Schaumwein (Sekt und Champagner) auf die Billgheimer. "Die Discounter setzen zu den Feiertagen auf den kleinen Luxus und bieten zum Fest auch Sekt oder auch Champagner besonders stark an - und punkten dabei bei den Verbrauchern", sagt ein Nielsen-Handelsexperte der "Lebensmittelzeitung". Insgesamt wurden 2016 im deutschen Lebensmittelhandel und in Drogerien rund 341 Millionen Liter Sekt und Champagner verkauft. 

Kein Champagner in der Wirtschaftskrise 

Ein gutes Ergebnis - vor allem für den Champagner läuft es wieder. In den Krisenjahren ab 2008 brachen die Verkäufe ein. 2009 sank der Umsatz um 15 Prozent. Das lag vor allem an den eingebrochenen Exportzahlen. Während die Franzosen selbst ihren edlen Tropfen weitertranken, war den Briten, Russen und Amerikanern die Lust auf Champagner vergangen. Seit 2012 geht es wieder bergauf. Im Februar 2016 feierten die Hersteller einen Rekorderlös: 4,75 Milliarden Euro hatte der Champagner in die Kasse gespült - so viel wie nie zuvor.

Dass die Branche diesen Erfolg wiederholen oder gar toppen kann, ist allerdings unwahrscheinlich. Denn vor allem das Europa-Geschäft ist zäher geworden, so die "Welt". Branchenkenner sollen berichtet haben, dass die Verkäufe bis Ende Oktober 2016 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 21 Prozent eingebrochen seien. Vor allem Deutschland und Großbritannien seien dafür verantwortlich. 

Prosecco statt Champagner

Großbritannien ist für die Champagnerhersteller neben Frankreich der wichtigste Markt. Und ausgerechnet dort kaufen die Kunden inzwischen häufiger Prosecco als den Luxus-Schaumwein. Edel-Prosecco für Preise zwischen zehn und 20 Euro laufen dem Champagner den Rang ab. Laut der "Welt" will die Unternehmensberatung IRI herausgefunden haben, dass zwischen Oktober 2015 und Ende September 2016 Champagner für 333 Millionen Euro auf der Insel verkauft wurde - die Prosecco-Verkäufe lagen dort bei 600 Millionen Euro. "Während sich das Wachstum von Champagner in Europa signifikant abzuschwächen scheint, auch wenn es in der restlichen Welt steigt, wächst Prosecco weiterhin in allen Märkten bis auf die Niederlande", sagt IRI-Strategiechef Tim Eales zur "Welt".


Champagner: Preiskampf in England

Die Champagnerhersteller mussten reagieren - und haben den Kampf gegen andere Schaumweine aufgenommen. Sie verramschen das Luxus-Getränk zu Schleuderpreisen in England. Pünktlich zum Jahreswechsel konnten Kunden Champagner für weniger als acht Pfund - umgerechnet weniger als zehn Euro - in Supermärkten kaufen. Zwar hüten die Hersteller Infos über Herstellungskosten und Margen, doch die benötigten Trauben für eine 0,75-Liter-Champagnerflasche kosten schon deutlich mehr als sieben Euro. Die Billig-Aktion zu Silvester ist für die Hersteller also ein ruinöses Geschäft, dem sie wohl bald ein Ende machen. Laut der "Welt" erwarten Branchenkenner, dass die Preise (währungsbedingt) für Champagner in England deutlich steigen werden. Doch dieser Schritt könnte die Champagnerhersteller hart treffen, denn erwartbar ist, dass das rasante Wachstum von Prosecco in Europa (Wachstumsrate von 24 Prozent) dadurch deutlich anziehen wird.

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