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Handelsstreit eskaliert: Wertet China sein Geld künstlich ab? USA beschimpfen Peking als "Währungsmanipulator“

Bisher waren es vor allem Sticheleien von Donald Trump – jetzt brandmarken die USA China offiziell als ein Land, das den Kurs seiner Währung manipuliert. Der Yuan fällt tatsächlich auf einen sehr tiefen Stand.

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Die USA beschuldigen China jetzt offiziell der Währungsmanipulation – und verschärfen damit die Wirtschaftsstreitigkeiten zwischen den beiden Ländern. US-Finanzminister Steven Mnuchin wurde am Montag in einer Pressemitteilung seiner Behörde mit den Worten zitiert, China sei ein "Währungsmanipulator". Er werde sich an den Internationalen Währungsfonds (IWF) wenden, um die "unfairen Wettbewerbsvorteile zu beseitigen", die China sich verschafft habe.

Zuvor war der chinesische Yuan auf den tiefsten Stand seit rund einem Jahrzehnt gesunken: Er überschritt am Montag die symbolische Marke von sieben Yuan pro Dollar. US-Präsident Donald Trump beschuldigte China daraufhin im Kurzbotschaftendienst Twitter, seine Währung künstlich abzuwerten, um den USA ihre "Unternehmen und Fabriken zu stehlen". Der Yuan wird von der chinesischen Zentralbank reguliert, die jeden Tag einen neuen Wechselkurs festlegt.

Trump hat China immer wieder vorgeworfen, seine Währung künstlich abzuwerten, um die eigene Wirtschaft zu stärken - ein schwächerer Yuan begünstigt chinesische Exporte. Die US-Regierung hatte Peking aber bislang nicht formell der Währungsmanipulation beschuldigt. Das änderte sich am Montag.

Erbitterte Feinde im Handelskrieg: US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping (r.)

Erbitterte Feinde im Handelskrieg: US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping (r.)

AFP

China reagiert erbost über den Vorwurf aus den USA

Chinas Zentralbank wies den Vorwurf der Währungsmanipulation prompt entschieden zurück. Die US-Seite ignoriere die Fakten und hefte der Volksrepublik in "unangemessener Weise" das Etikett eines Währungsmanipulators an, teilte die Zentralbank am Dienstag mit. "Die chinesische Seite ist entschieden dagegen."

Die beiden Wirtschaftsmächte liefern sich seit über einem Jahr einen Handelsstreit, seitdem überzogen sie sich gegenseitig mit Strafzöllen. Erst in der vergangenen Woche verschärfte sich der Konflikt weiter, als Trump neue Strafzölle gegen China ankündigte.

Die USA wollen demnach Anfang September zusätzliche Strafzölle von zehn Prozent auf Waren im Wert von insgesamt 300 Milliarden Dollar erheben. Trump begründete dies damit, dass Peking in den Handelsgesprächen gemachte Zusagen nicht eingehalten habe.

Die Verschärfung des Handelsstreits führte am Montag zu den größten Kursverlusten an der Wall Street in diesem Jahr. Am Dienstag gab es Kursverluste auch an den asiatischen Börsen.

Der Ökonom Marcel Fratzscher sieht die jüngste Eskalation im Handelsstreit zwischen den USA und China mit großer Sorge. "Dies könnte der Anfang eines unumkehrbaren Handelskriegs zwischen den beiden Ländern sein", sagte der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) der dpa. China habe immer schon seine Währung manipuliert. "Diese Manipulation aber nun durch den Handelskonflikt zu rechtfertigen, muss zwingendermaßen zu einer Eskalation mit den USA führen."

Werten andere asiatische Länder ihre Währungen ebenfalls ab?

Fratzscher befürchtet, dass andere asiatische Länder ihre Währungen ebenfalls abwerten könnten, um im globalen Wettbewerb mithalten zu können. Das könnte zu einem stärkeren Euro führen, damit würden Waren "Made in Germany" außerhalb des Euroraumes teurer. "Die Folge werden wohl geringere deutsche Exporte und damit ein schwächeres Wachstum in Deutschland sein. In Zeiten, in denen sich die deutsche Wirtschaft in einer milden Rezession befindet, ist die Eskalation im globalen Handelskonflikt das letzte, was wir brauchen", mahnte Fratzscher.

anb / AFP / DPA