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Chronologie: EM.TV: Vom milliardenschweren Wert zum Penny Stock

Mit teuren Übernahmen und hochfliegenden Versprechungen haben die Haffa-Brüder die kleine Merchandising- und Rechtefirma EM.TV zum Riesenkonzern aufgebläht.

Mit viel zu teuren Übernahmen und hochfliegenden Versprechungen hatten Thomas und Florian Haffa aus der kleinen Merchandising- und Rechtefirma EM.TV einen Konzern gemacht, der in der Hochphase des Neuen Markts mehr als 16 Milliarden Euro wert war. Inzwischen ist die skandalgebeutelte Medienfirma zum «Penny Stock» geworden.

Juni 1989:

Thomas Haffa gründet die EM Entertainment München, Merchandising, Film und Fernseh GmbH. Das Unternehmen vermarktet die Merchandising-Rechte von «Alfred J. Kwak» und erwirbt die TV-Rechte für die «Teenage Mutant Hero Turtles». In den Folgejahren wird der Rechte-Stock kontinuierlich ausgebaut.

1997

geht das Unternehmen an den Neuen Markt. Der Ausgabepreis der Aktien beträgt umgerechnet etwa 0,35 Euro. In der Spitze kostet die Aktie 120 Euro.

Dezember 1998:

EM.TV und die KirchGruppe gründen das Gemeinschaftsunternehmen Junior TV. Im Rahmen des Geschäfts gibt EM.TV der KirchGruppe eine Finanzspritze von gut 255 Millionen Euro.

Im Jahr 2000

beginnt der Niedergang. EM.TV übernimmt zu überhöhten Preisen den «Muppetshow»-Produzenten Jim Henson (rund 660 Mio Euro) und 50 Prozent an der Formel 1 (1,7 Mrd Euro).

August 2000: EM.TV veröffentlicht in einer Ad-Hoc-Meldung Zahlen für das erste Halbjahr 2000. Die Meldung wird später Gegenstand des Strafprozesses vor dem Münchner Landgericht.

Oktober 2000:

Die Halbjahreszahlen müssen nach unten korrigiert werden. EM.TV spricht von einer «reinen Phasenverschiebung ohne Auswirkungen auf Umsatz- und Gewinnziele».

Dezember 2000:

EM.TV korrigiert die Gewinnprognose vor Steuern und Zinsen für 2000 nun doch von gut 300 auf nur noch gut 25 Millionen Euro nach unten. Auch diese Vorhersage wird nicht zu halten sein. EM.TV-Konzernvize Florian Haffa erklärt seinen Rücktritt.

13. Dezember 2000:

Die Staatsanwaltschaft nimmt Ermittlungen gegen die Haffa-Brüder auf. - März 2001: Mehr als 400 EM.TV-Aktionäre fordern Schadenersatz in Höhe von etwa 10 Millionen Euro von EM.TV.

1. April 2001:

EM.TV gibt für das Jahr 2000 einen Verlust in Höhe von etwa 1,4 Milliarden Euro bekannt.

25. Juli 2001:

Thomas Haffa tritt zurück. Nachfolger wird «Spiegel»- Manager Werner E. Klatten. Er will den Konzern durch eine Konzentration auf das Kerngeschäft sanieren.

April 2002: EM.TV legt auch für 2001 tiefrote Zahlen vor. Der Verlust betrug 374 Millionen Euro.

4. November 2002:

Vor dem Münchner Landgericht beginnt der Prozess gegen Thomas und Florian Haffa. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen Kursbetrug vor.

18. Februar 2003:

EM.TV verliert die letzten Anteile an der Formel 1. Das 16,7-Prozent-Paket wird zum eher symbolischen Preis von 8,5 Millionen Euro an die Bayerische Landesbank verkauft.

8. März:

Weiterer Rückschlag für das Unternehmen: Der Verkauf der Jim Henson Company ist erst einmal geplatzt.

31. März:

EM.TV hat auch 2002 tiefrote Zahlen geschrieben. Vor allem wegen hoher Abschreibungen summierte sich der Fehlbetrag auf mehr als 310 Millionen Euro.

08. April:

Das Münchner Landgericht verurteilt die Haffa-Brüder wegen unrichtiger Darstellung ihrer Unternehmensverhältnisse zu hohen Geldstrafen. Thomas Haffa muss 1,2 Millionen Euro, Florian Haffa 240.000 Euro Strafe zahlen.