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Claus Weselsky: Immer mehr Kritik nach Behinderten-Äußerung von GDL-Chef

"Wenn zwei Kranke ein Kind zeugen, kommt von Beginn an was Behindertes raus" - für diese Entgleisung entschuldigte sich der Vorsitzende der Lokführergewerkschaft. Doch die Empörung reißt nicht ab.

Hat sich mit seinen Worten mächtig Ärger eingehandelt: Claus Weselsky

Hat sich mit seinen Worten mächtig Ärger eingehandelt: Claus Weselsky

Auch nach der Entschuldigung für seinen unpassenden Behinderten-Vergleich reißt die Kritik am Vorsitzenden der Lokführergewerkschaft GDL, Claus Weselsky, nicht ab. "Die Gewerkschaft sollte sich überlegen, ob jemand mit dieser Geisteshaltung als oberster Repräsentant weiterhin tragbar ist", teilte die Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Verena Bentele, auf ihrem Facebook-Auftritt mit. "Auch in Momenten emotionaler Erregung sind polemische Äußerungen wie diese nicht zu tolerieren."

Auf einem Aktionstag der GDL zum aktuellen Tarifkonflikt hatte Weselsky am Mittwoch gesagt: "Wenn sich zwei Kranke miteinander ins Bett legen und ein Kind zeugen, da kommt von Beginn an was Behindertes raus."

Am Freitag hatte sich Weselsky dafür mit den Worten entschuldigt: "Ich bedaure, dass ich nicht die richtigen Worte gewählt habe."

GDL: Thema ist mit Entschuldigung erledigt

Weselsky wollte nach GDL-Angaben damit ausdrücken, dass durch die Vereinigung der beiden Bahngewerkschaften Transnet und GDBA zur Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) im Jahr 2010 keine starke Gewerkschaft entstanden sei.

"Wenn sich zwei schwache Gewerkschaften zusammenschließen, wird noch lange keine starke Interessenvertretung daraus. Der GDL und selbstverständlich mir persönlich liegt nichts ferner, als Behinderte in irgendeiner Weise zu diskriminieren", fügte der GDL-Chef hinzu. In Gewerkschaftskreisen hieß es am Wochenende, das Thema sei für die GDL mit Weselskys Entschuldigung erledigt.

"Empört und stinksauer"

Für Empörung sorgte der GDL-Vorsitzende auch bei der Konkurrenzgewerkschaft EVG. "Die Aussage von Herrn Weselsky hat mich auch persönlich schwer getroffen. Ich habe selber einen Sohn, der behindert zur Welt kam und in der Folge starb", sagte der EVG-Vorsitzende Alexander Kirchner der "Bild am Sonntag". "Mit Menschen einer solchen Gesinnung, die zudem auf Polarisierung und Spaltung der Belegschaft setzen, kann ich nicht an einem Tisch sitzen und über eine Tarifkooperation verhandeln."

Der Vertrauensmann für Schwerbehinderte bei der Deutschen Bahn, Gerhard Schimm, sagte dem Blatt: "Wir sind empört und stinksauer". Das sei ein Schlag ins Gesicht der 13.000 behinderten Kollegen bei der Bahn. "Ich würde Herrn Weselsky die rote Karte zeigen", sagte Schimm.

Die Deutsche Bahn befindet sich derzeit in einem verfahrenen Tarifstreit mit der GDL. Dabei geht es nicht nur ums Geld für die Beschäftigten, sondern auch um die Form der Zusammenarbeit der GDL mit der EVG. Die Auseinandersetzung gestaltet sich besonders wegen eines Machtkampfs zwischen beiden Seiten kompliziert. Es geht darum, wer für welche Mitarbeitergruppe die Verhandlungen führen darf. So will die Lokführergewerkschaft auch für andere Bahn-Beschäftigte verhandeln und damit der mitgliederstärkeren EVG Konkurrenz machen.

kis/DPA / DPA