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Commerzbank übernimmt Dresdner: 9000 Stellen fallen weg

Schlecht für die Mitarbeiter, gut für die Aktionäre: Nach dem Verkauf der Dresdner Bank an die Commerzbank sollen 9000 Vollzeitstellen gestrichen werden. Aktionärsschützer dagegen freuen sich über die 9,8-Milliarden-Übernahme und sehen den Standort Deutschland gestärkt.

Die Commerzbank will die jährlichen Kosten nach der Übernahme der Dresdner Bank um rund 1,9 Milliarden Euro drücken. 1,05 Milliarden Euro davon sollen im Investmentbanking eingespart werden. Dies geht aus einer Analystenpräsentation zum geplanten Kauf der Dresdner Bank hervor.

Die Aufwendungen für die angepeilte Kostensenkung bezifferte die Commerzbank auf insgesamt zwei Milliarden Euro, wovon 750 Millionen Euro im Investmentbanking anfallen sollen. Hier will die Bank bis 2011 bereits 90 Prozent der angepeilten Einsparungen erreichen. Die Commerzbank hatte am Sonntag angekündigt, insgesamt 9000 Stellen streichen zu wollen. Betriebsbedingte Kündigungen soll es bis 2011 aber nicht geben. Im Privat- und Firmenkundengeschäft sollen bis 2011 rund 70 Prozent der angepeilten Kostensynergien realisiert werden. 2012 sollen es dann schon 95 Prozent sein.

Der Verkauf wird die Allianz einem Zeitungsbericht zufolge einen hohen dreistelligen Millionenbetrag kosten. Im Zuge der Transaktion werde es zu Abschreibungen in der Größenordnung von etwa 700 Millionen Euro kommen, berichtete das "Handelsblatt" unter Berufung auf Finanzkreise. Der Münchener Versicherungskonzern habe sich dazu zunächst nicht äußern wollen. Die Commerzbank hatte sich am Sonntagabend mit der Allianz auf eine Übernahme der Dresdner Bank für knapp zehn Milliarden Euro geeinigt.

Mit der Fusion entstehe "die führende Privat- und Firmenkundenbank in Deutschland", hieß es in einer Pflichtmitteilung der Allianz. Rund 700 der knapp 1900 Filialen beider Institute bleiben auf der Strecke. Insgesamt beschäftigen die beiden Banken 67.000 Mitarbeiter. 9000 Stellen sollen gestrichen werden, 6500 davon in Deutschland. Zudem schließt die Commerzbank bis 2012 über 300 der gut 1500 Filialen. Kündigungen sollen nach Möglichkeit vermieden werden.

Aktionäre: Standort Deutschland gestärkt

Aktionärsschützer begrüßten die Übernahme als eine gute Lösung für den Standort Deutschland. Damit habe Deutschland neben der Deutschen Bank ein zweites international wettbewerbsfähiges Kreditinstitut, sagte Michael Kunert von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger der "Berliner Zeitung". Zudem sei vorerst die Gefahr gebannt, dass die Commerzbank selbst ins Visier einer Übernahme geraten könnte. Am Abbau von Arbeitsplätzen in beiden Banken führe wohl kein Weg vorbei. "Es ist nun einmal auch Sinn von Übernahmen, Synergieeffekte zu erzielen."

Die Commerzbank übernimmt zunächst 60,2 Prozent der Konkurrentin Dresdner Bank und will den Rest in einem zweiten Schritt erwerben. Abgeschlossen sein soll die Transaktion spätestens Ende 2009. Die Allianz wird mit knapp 30 Prozent größter Aktionär der neuen Commerzbank. Zudem erwirbt der Versicherungsriese die Commerzbank-Fondstochter Cominvest. Die Dresdner-Tochter Oldenburgische Landesbank bleibt in der Allianz-Gruppe.

Vereinbart wurde ein Schirm für Risikopapiere, zu dem die Allianz 975 Millionen Euro sowie die Commerzbank 275 Millionen Euro beisteuert. Die Dresdner Bank war infolge der seit Sommer 2007 tobenden Finanzmarktkrise tief in die Verlustzone gerutscht, nach letzten Zahlen türmten sich knapp drei Milliarden Euro Belastungen auf. Vor allem die Investmentbanking Sparte Dresdner Kleinwort geriet in Bedrängnis. Die Allianz hatte die Dresdner Bank 2001 für rund 23 Milliarden Euro übernommen und teuer saniert. "Aus der Integration der beiden Häuser ergibt sich ein Effizienzsteigerungs- und Synergiepotenzial, das für die Aktionäre des neuen Instituts die Chance auf erhebliche Wertsteigerungen eröffnet", erklärte die Allianz.

Der Transaktionswert von 9,8 Milliarden Euro setzt sich wie folgt zusammen: In bar zahlt die Commerzbank 2,5 Milliarden Euro an die Allianz. Mit 3,4 Milliarden sowie weiteren 3,2 Milliarden Euro werden die Aktien bewertet, die die Allianz an den neuen Institut erhält. Schließlich schlägt der Wert der Cominvest-Übertragung mit 0,7 Milliarden Euro zu Buche. Weitere Details sollten am Montag bei einer Pressekonferenz bekanntgegeben werden.

Auch bei den Filialen soll der Rotstift angesetzt werden

Das neue Institut aus Commerzbank und Dresdner Bank ist mit einer Bilanzsumme von knapp 1,1 Billionen Euro deutliche Nummer Zwei in der deutschen Bankenbranche hinter der Deutschen Bank mit einer Bilanzsumme von fast 2 Billionen Euro. Zusammen haben die beiden Institute in Deutschland nach letzten Angaben 12,3 Millionen Kunden. Damit entsteht in Deutschland jener zweite "nationale Champion", den Politiker wiederholt gefordert hatten. Eine Sprecherin von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) sagte am Sonntag: "Das ist eine Unternehmensentscheidung. Dazu werden wir uns nicht äußern."

Außer der Commerzbank war zuletzt auch die China Development Bank (CDB) als potenzieller Käufer der Dresdner Bank gehandelt worden. Im Allianz-Vorstand gab es nach Informationen aus Finanzkreisen durchaus Stimmen für eine solche Variante. Auch Arbeitnehmervertreter hatten sich für eine ausländische Lösung ausgesprochen, weil dabei nach ihrer Einschätzung weniger Jobs weggefallen wären. Allerdings gab es nach Informationen aus Finanzkreisen gegen die China-Variante Widerstand aus der Politik und unter den Kunden des Allianz/Dresdner- Bank-Konzerns.

Eingefädelt wurde der Deal von Commerzbank-Chef Martin Blessing, der Deutschlands zweitgrößte Bank erst seit Mitte Mai führt, und Allianz-Chef Michael Diekmann, dem nachgesagt wird, von Anfang an kein großer Freund der Dresdner-Übernahme 2001 gewesen zu sein. Zeitweise war auch über ein Dreierbündnis aus Commerzbank, Dresdner und Postbank spekuliert worden.

DPA/Reuters / DPA / Reuters