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Daimler und BMW: Kein Stern-Tag

Ein schwarzer Tag für Deutschlands Automobilindustrie: Daimler meldet einen dramatischen Gewinneinbruch, Konkurrent BMW geht es ähnlich schlecht. Selbst schuld: Viel zu lang haben beide Konzerne eine vertiefte Kooperation und Investitionen in umweltfreundliche Technologien verschlafen.

Ein Kommentar von Hans Peter Schütz

Auf der einen Seite steht der überaus herbe Gewinneinbruch des Autobauers Daimler AG. Für Beschäftigte, deren Boni kräftig zusammen gestrichen, und Aktienbesitzer, deren Dividende von zwei Euro auf 60 Cent gekappt werden, ist das eine schmerzliche, wenngleich erwartbare Botschaft. Auf der anderen sind die tröstlichen Töne einer kommenden engeren Kooperation der Autobauer Daimler und BMW zu hören. Zusammen genommen könnten alle Betroffenen sich mit dem Gedanken trösten, dass ihre Bosse sich unterm Druck der Wirtschafts- und Finanzkrise ernsthaft auf den Weg zu wieder höheren Renditen gemacht haben. Dass sie gekonnt und energisch Krisenbekämpfung praktizieren.

Unfähig zur strategischen Kooperation

Ganz so leicht sollten die Mitarbeiter und die Aktionäre es den Führungen der beiden Autokonzerne sich allerdings nicht trösten und ablenken lassen. Die Krise hat sie nämlich deshalb so böse erwischt, weil in der Vergangenheit und lange vor der jüngsten Entwicklung erhebliche Fehler von den Führungen der beiden Konzerne gemacht worden sind. Sie saßen träge in ihren gut gepolsterten Edelkarossen, blickten von oben herab auf die Konkurrenz und waren unfähig zur strategischen Kooperation. Das Ergebnis sind jetzt Aktionärsversammlungen, die alles andere als Stern-Tage sind. Ganz speziell gilt dies für die Daimlers. Dass die Stuttgarter mit ihrem Smart heute noch immer ordentlich Geld verdienen, ist weit mehr Zufall als das Ergebnis einer weitsichtigen strategischen Entscheidung für dieses Auto. Ganz zu schweigen vom Griff nach den Rostlauben von Chrysler.

Vorbild Volkswagen

Wie man es weit besser machen kann, dürfen die Stuttgarter wie die Münchner bei der Konkurrenz besichtigen. Volkswagen, Audi und Porsche praktizieren längst schon eine Kosten sparende Kooperation, die sie jetzt in der Krise bedeutend besser aussehen lässt und deutlich weniger anfällig macht. Denn dank ihrer engen marktpolitischen wie entwicklungspolitischen Kooperation können sie heute den gesamten Automarkt bedienen. Das ist ein überaus wertvoller Vorteil auf einem Markt, dessen Wettbewerbsbedingungen sich derzeit aus ökonomischen wie ökologischen Gründen dramatisch verändern. Sicherlich hatten es die VW-Marken, die ja unter ein und demselben Konzerndach arbeiten, leichter als die süddeutschen Edelproduzenten. Trotzdem: Wolfsburg hat erfolgreiche Kooperation und strategische Weitsicht vorexerziert. Nur ein Beispiel für die von Daimler wie BMW lange verschlafene Zukunft: Es wurde viel zu wenig Energie der Entwicklungsabteilungen auf geringeren Benzinverbrauch und weniger CO2-Ausstoß gelegt. Mit den Spitzenmodellen von Audi fährt man heute eindeutig billiger und umweltfreundlicher.

Dienstfahrt nach Wolfsburg

An eine Fusion von BMW und Daimler muss überhaupt nicht gedacht werden. Es genügte ja, wenn im konstruktiven Bereich und im Bereich der Zulieferung endlich effektiv kooperiert würde. Darüber ist in der Vergangenheit immer mal wieder ein bisschen geredet worden, geschehen ist absolut nichts. Die Konkurrenz, die japanische voran, ist Daimler wie BMW auf dieser Straße weit davon gefahren. Und weil im Autobau neuerdings gerne von gemeinsamen "Plattformen" geredet wird, wenn es um die Zukunft geht: Höchste Zeit, dass die Vorstandsvorsitzenden sich endlich auf die Plattform einer vernünftigen Kooperation stellen. Wie man das macht und was das bringt? Eine Dienstfahrt nach Wolfsburg macht schlauer. Man darf dort durchaus in der S-Klasse oder im 7er-BMW vorfahren.

  • Hans Peter Schütz