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DaimlerChrysler: Schrempp und seine Vision einer "Welt-AG"

Fünf Jahre nach der Fusion zum neuen Konzern DaimlerChrysler gibt es noch imemr vielen Baustellen - und die US-Sparte ist noch längst nicht endgültig über den Berg.

Fünf Jahre nach der Fusion von DaimlerChrysler ist Konzernchef Jürgen Schrempp von seiner Vision einer "Welt-AG" noch meilenweit entfernt. Mit einer gewissen Wehmut mag er an jenen 7. Mai 1998 zurückdenken, als die Fusionsgespräche zwischen der Daimler-Benz AG und Chrysler von den Unternehmen auf einer Pressekonferenz offiziell bestätigt wurden: Groß war damals der Jubel über die zu diesem Zeitpunkt weltgrößte Fusion der Industriegeschichte. Doch inzwischen hat sich Ernüchterung breit gemacht.

US-Markt immer noch Sorgenkind

Die Sanierung von Chrysler kommt zwar voran, doch dem amerikanischen Patienten machen weiterhin die Rabattschlachten mit General Motors und Ford auf dem US-Markt ernste Sorgen. Die US-Sparte des Konzerns konnte nur mit Hilfe eines massiven Personalabbaus und starker Kosteneinsparungen wieder flott gemacht werden. Im ersten Quartal dieses Jahres lag der operative Gewinn zwar schon wieder bei 152 Millionen Euro, nach einem Verlust von 187 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Doch das Unternehmen kündigte zusätzliche Kosteneinsparungen an. Finanzvorstand Manfred Gentz räumte kürzlich bei der Vorlage der Quartalszahlen ein, es werde schwierig, das operative Gewinnziel von zwei Milliarden Dollar vor Strukturmaßnahmen zu erreichen.

Mercedes allein kann das Ergebnis nicht retten

Der Stern von Mercedes-Benz hingegen strahlte in der zurückliegenden Zeit kräftig. Die Marke sorgte in der Vergangenheit für gute Gewinne. Der Börsenwert des drittgrößte Automobilherstellers der Welt brach seit der Fusion massiv ein: Von rund 71 Milliarden Euro seit dem Zusammenschluss auf rund 29,3 Milliarden Euro bis Mitte April, wie das Unternehmen erklärte. Der Rückgang betrug 59 Prozent. Vorstandschef Schrempp wiederholte auf der letzten Hauptversammlung in Berlin fast gebetsmühlenartig, dass das Unternehmen mit dem Aktienkurs nicht zufrieden sei.

Nutzfahrzeuge machen Probleme

Nicht nur der Aktienkurs, auch der Nutzfahrzeugbereich gibt dem Konzern wenig Anlass zur Freude. Der größte Nutzfahrzeughersteller der Welt schreibt in diesem Bereich zwar keine roten Zahlen, doch auch bei der US-Lastwagentochter Freightliner waren in der Vergangenheit massive Einschnitte notwendig, damit das Geschäftsfeld in Zukunft wieder in Fahrt kommt. Auf dem wichtigen asiatischen Markt sind die Kooperationen im LKW-Bereich mit Mitsubishi Motors und Hyundai erst in diesem Jahr so richtig angelaufen.

Beiharte Sanierung von Mitsubishi

Bei Mitsubishi Motors hatte sich DaimlerChrysler im Jahr 2000 eingekauft, nachdem der Konzern zuvor aus dem Übernahmepoker bei Nissan ausgestiegen war. Bei Mitsubishi Motors hält der deutsch-amerikanische Konzern 37,1 Prozent der Anteile. Der neue Partner schleppte Milliarden-Schulden mit sich herum. Der frühere Adtranz-Chef Rolf Eckrodt musste das Steuerrad übernehmen und die von der Stuttgarter Zentrale verordnete Sanierung durchpeitschen und den japanischen Autobauer wieder in die Gewinnzone führen.

Konsequent auf Autos gesetzt

Eine Strategie hat Schrempp in den vergangenen fünf Jahren konsequent durchgehalten: Er richtete den Konzern konsequent auf das Autogeschäft aus und stieß Beteiligungen ab, die nicht dazu passten, wie unter anderem die Anteile an T-Systems. Durch die Beteiligungsverkäufe und den Arbeitsplatzabbau bei den Sanierungen vor allem bei Chrysler verringerte sich die weltweite Zahl der Beschäftigten von 441.502 im Jahr 1998 auf 365.571 Ende des Jahres 2002. In Deutschland kam es während der letzten fünf Jahre aber zu keinem nennenswerten Stellenabbau bei dem Autobauer.