DaimlerChrysler-Hauptversammlung Heilsbringer mit Schnauzbart


Der neue Konzernchef Dieter Zetsche wird von Investmentfonds und Kleinaktionären unterstützt. Sein Vorgänger Jürgen Schrempp wurde dagegen ausgebuht. Eine seiner Projekte belastet auch Zetsche: das Milliardengrab Smart.

Mit dem neuen Konzernchef Dieter Zetsche sehen Investmentfonds und Kleinaktionäre Deutschlands größtes Industrieunternehmen endlich wieder auf dem richtigen Kurs. "Wir glauben an das Unternehmen und wir glauben - wieder - an die Führung des Unternehmens", brachte Thomas Neiße von der Fondsgesellschaft Deka die Stimmung vieler Anleger bei dem Aktionärstreffen in Berlin auf den Punkt. Allerdings müsse die von Zetsche verordnete "Fitnesskur" weitergehen.

Die einflussreichen Fondsmanager und auch die Aktionärsschützer brachten Zetsche eine Menge Vorschusslorbeeren entgegen. "Jetzt müssen Sie sich diese noch verdienen", erklärte Susan Levermann von der Fondsgesellschaft DWS. Mit dem von Zetsche für 2007 vorgegebenen Ziel einer Umsatzrendite von 7 Prozent bei der Mercedes-Gruppe gab sich die Managerin nicht zufrieden. "Das muss mehr sein", erklärte sie und verwies auf den Erzrivalen von Mercedes: BMW.

Smart sollte ganz eingestellt werden

Für Kritik - und Sorgen - sorgt weiter die defizitäre Kleinwagenmarkte Smart. Es sei zwar positiv, dass die Konzernführung endlich die Produktion des Viersitzers Smart ForFour stoppe, sagte Levermann. "Doch warum nutzt man die Chance nicht und gibt die Baureihe - auch den Zweisitzer - komplett auf?" "Das kleinste Auto macht die größten Probleme", erklärte Aktionärsschützer Hans Richard Schmitz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Der Winzling dürfte einen Verlust von bislang vier Milliarden Euro angehäuft haben, in diesem Jahr komme vermutlich noch einmal eine Milliarde hinzu, sagte Schmitz und forderte, einen "Schlussstrich unter das Debakel" zu ziehen.

Deutliche Rückenstärkung erhielt Zetsche von der Fondsgesellschaft Union Investment. "Wir unterstützen den eingeschlagenen Weg und tragen die Entscheidungen als Investoren mit", sagte Fondsmanagerin Pia Hellbach und stellte weitere Zukäufe von DaimlerChrysler-Aktien in Aussicht. Die langfristigen Perspektiven von DaimlerChrysler seien positiv, Sorge bereite aber weiterhin Smart. Auch sie forderte den neuen Konzernlenker auf, mit seinem Reformeifer nicht nachzulassen. "Wir erwarten verstärkte Restrukturierungsmaßnahmen und einen Ruck, der durch das Unternehmen geht," sagte Hellbach.

Schrempp zeigt sich Kritikern

Auf der Hauptversammlung im vergangenen Jahr war die Geduld vieler Aktionäre, auch der Fonds, mit dem damaligen Konzernchef Jürgen Schrempp erschöpft. Sie warfen "Mr. Welt AG" den teuren Rückzug aus der Mitsubishi-Beteiligung vor und beschuldigten ihn, auf die Ertragsprobleme bei Mercedes zu spät reagiert zu haben und mit dem Festhalten an der defizitären Tochter Smart den Konzern in die Sackgasse gesteuert zu haben. Rund ein viertel Jahr später warf Schrempp das Handtuch. Überraschenderweise zeigte sich Schrempp am Mittwoch auf der Versammlung im Berliner ICC. Eine Geste, die ihm die Achtung auch langjähriger Kritiker einbrachte. "Dass Sie heute hier sind, finde ich menschlich in Ordnung", erklärte Aktionärsschützer Lars Labryga von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Dennoch müsse er Schrempp ein "schlechtes Abschlusszeugnis" ausstellen.

Buhrufe und Pfiffe

Von den Rängen ertönten laute Buhrufe und Pfiffe, als Aufsichtsratschef Hilmar Kopper Schrempp für dessen Tätigkeit dankte. Kopper reagierte erbost. "Ein bisschen Anstand sollte man schon wahren", rief er den Schrempp-Kritikern zu. Über Forderungen, es seinem langjährigen Vertrauten nachzutun und selbst den Hut zu nehmen, ging Kopper hinweg.

Michael Bauer/AP


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