Deutsche Bank Ackermanns Victory-Day


Vertrag verlängert, Bank saniert und eine Eigenkapitalrendite von 26 Prozent: Josef Ackermann ist am Tag der Bilanz-Pressekonferenz der erfolgreichste deutsche Banker. Mannesmann-Affäre und der Abbau tausender Stellen sind da nur "Peanuts".

Es war der Tag des Josef Ackermann. Anfeindungen und Kritik hatte der Deutsche-Bank-Chef in Deutschland im vergangenen Jahr ertragen müssen - von Kleinanlegern bis zu den Richtern des Bundesgerichtshofs, die seinen Freispruch im Mannesmann- Prozess aufhoben und Ackermann vorwarfen, die Bodenhaftung verloren zu haben. Am Donnerstag konterte der 57-jährige Schweizer Manager und präsentierte in Frankfurt die besten Zahlen der Deutschen Bank seit den Höhenflügen zu Zeiten der New Economy.

Finanzmärkte schätzen Ackermann

Tags zuvor hatte der Aufsichtsrat seinen Vertrag bis zum Jahr 2010 verlängert. Der Aktienkurs legte kurz nach der Meldung um einen Euro zu: Rechnerisch bedeutet dies, dass Ackermann den Finanzmärkten rund eine halbe Milliarde Euro wert ist. Außerdem gewährte das Kontrollgremium dem Manager noch ein weiteres Privileg: Zum ersten Mal in der Geschichte der Bank ist ihr Chef ab sofort nicht mehr Vorstandssprecher, sondern Vorstandsvorsitzender. Ackermanns berühmter Vorgänger von Hermann Josef Abs bis Alfred Herrhausen standen noch ganz in der Tradition des Hauses und waren stolz darauf als Sprecher des Vorstands der "Erste unter Gleichen" zu sein.

Fachleute halten die Umbenennung für eine Geste von hohem symbolischen Wert, weisen aber zugleich auf deren geringe praktische Bedeutung hin. Denn bereits seit seinem Amtsantritt 2002 ist Ackermann der mächtigste Deutsche-Bank-Chef aller Zeiten. Im vierköpfigen, vom Aufsichtsrat kontrollierten Vorstand sind seither vor allem administrative Aufgaben wie Finanzen, Personal und IT angesiedelt, die wahre Macht liegt bei den Managern des Group Executive Committee, das ganz auf Ackermanns Bedürfnisse zugeschnitten wurde.

Im Ausland erfolgreich, im Inland gescholten

Im Ausland werde die Rolle des "Sprechers" einer deutschen Bank nicht verstanden, erklärte Ackermann. Symbolisch ist die Änderung der Bezeichnung daher vor allem deshalb, weil die Deutsche Bank sich grundsätzlich immer weniger um deutsche Gepflogenheiten kümmert. International ist die Bank erfolgreich, zählt im Investmentbanking zu den ganz Großen, heimst Preise ein - und in Deutschland? Dort hagelt es Kritik von allen Seiten vor allem wegen des Stellenabbaus in Deutschland in Verwaltung und Abwicklung trotz hoher Gewinne, der historisch einmaligen Schließung eines offenen Immobilienfonds und nicht zuletzt wegen Ackermanns Rolle im Mannesmann-Prozess.

Vielleicht auch wegen dieser Empörung will die Deutsche Bank nun - entgegen früheren Ankündigungen - nun doch sämliche Aktionäre für entstandene Verluste aus der des offenen Immobilienfonds entschädigen. Dafür wurden laut Ackermann 200 Millionen Euro im Jahresabschluss zurückgelegt. Ursprünglich sollten nur Anleger, die in den zwei Jahren vor der Schließung Anteile erworben hatten, einen Ausgleich erhalten. Die Fonds-Immobilien werden derzeit neu bewertet, eine Wiederöffnung des Fonds "grundbesitz-invest" ist angeblich in Planung.

Proteste der Arbeitnehmer

Dennoch protestierten am Donnerstag in Frankfurt ver.di-Mitglieder gegen den vor einem Jahr begonnenen Stellenabbau der Bank. Die Streichungen von 6400 Stellen weltweit ist nach Konzernangaben wie geplant vorangeschritten. Demnach sollte 2005 mit 5500 Mitarbeitern Vereinbarungen über ihr Ausscheiden getroffen werden. Bis Ende September war mit 4600 Beschäftigten eine Einigung erzielt worden. Das Festhalten an dem Stellenabbau bei gleichzeitig hohen Gewinnen hatte bei der Bilanzvorlage vor einem Jahr öffentliche Empörung ausgelöst.

Für den Deutsche-Bank-Chef ist dieses gespaltene Image ärgerlich. In einem Interview mit der "Bild"-Zeitung versuchte er zuletzt, Kritik an zu hohen Manager-Gehältern zu entkräften und für sich und seine Bank Sympathie zu wecken. Am Donnerstag erklärte er, dass er auf eine Abfindung verzichten werde, wenn er im Verlauf des Mannesmann-Prozesses - also etwa im Fall einer Verurteilung - zu einem Rücktritt gezwungen sei. Doch am Ende bleibt auch Bitterkeit. "Es wäre schöner, wenn man ein bisschen mehr Rückenwind aus dem eigenen Lande bekäme", meinte er nach der Vorlage des beeindruckenden Zahlenwerks.

Kein Nachfolger in Sicht

Die Möglichkeit eines Rücktritts von Ackermann, die nach seiner eigenen Äußerung an diesem Tag vielleicht deutlicher als je zuvor im Raum stand, führt das eigentliche Dilemma der Deutschen Bank vor Augen: Kann ein Nachfolgekandidat die unterschiedlichen Welten der Bank - ihre historischen Wurzeln als "das" deutsche Finanzhaus auf der einen und das globale, englischsprachige Geschäft der Kapitalmärkte auf der anderen - überhaupt noch vereinen? Eine solche Person ist derzeit nirgends in Sicht. "Der Aufbau eines geeigneten Nachfolgers ist jetzt Ackermanns größte Aufgabe", meint ein Branchenkenner.

DPA DPA

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