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Neuer Präsident Jair Bolsonaro: Ein Faschist als "Wunschkandidat"? Deutsche Bank erklärt umstrittenen Brasilien-Tweet

Verharmlosung eines Faschisten? Ein Tweet der Deutschen Bank zur Brasilien-Wahl sorgt im Netz für einen Shitstorm. Die Bank erklärt, wie es zu dem Tweet kam.

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Der umstrittene Rechtspopulist Jair Bolsonaro ist am Sonntag in Brasilien zum Präsidenten gewählt worden. Der Mann gilt als rassistisch, homophob, frauenfeindlich und antidemokratisch (mehr zu Bolsonaros Aussagen hier). In das Entsetzen über die Wahl Bolsonaros mischte sich bei manchen Beobachtern hierzulande auch Wut auf einen mehr als drei Wochen alten Tweet der Deutschen Bank, der sich am Montag zu einem gehörigen Shitstorm auswuchs.

Was war passiert? Am 5. Oktober, kurz vor der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen, schrieb die Deutsche Bank auf Twitter: "Brasilien: Präsidentschaftswahlen gehen in die erste Runde - der neoliberale Jair Bolsonaro ist Wunschkandidat der Märkte". Dazu war die brasilianische Flagge mit einem symbolischen Chart steigender Aktienkurse abgebildet. 

Diesen Tweet interpretierten manche Nutzer so, als ob der Rechtspopulist Bolsonaro auch der "Wunschkandidat" der Deutschen Bank sei, was zu wütenden Reaktionen führte. Mancher Twitter-Nutzer erklärte gar, er werde nun sein Konto bei der Bank schließen.

Cem Özdemir und Dietmar Bartsch kritisieren Deutsche Bank

Nachdem Bolsonaro am Sonntag tatsächlich gewählt wurde, poppte der Tweet erneut hoch. Auch prominente deutsche Politiker arbeiteten sich an ihm ab. So schrieb Cem Özemdir von den Grünen, die Deutsche Bank verharmlose einen rechtsextremen Rassisten, Waffennarr, Frauen- und LGBTQ-Hasser. "Bei Werten geht es nicht nur um Assets im Depot. Menschenrechte sind nicht verhandelbar." 

Der Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag, Dietmar Bartsch, pöbelte sogar noch lauter: Er schrieb, die "Nieten in Nadelstreifen bei der Deutschen Bank, die mit ihren Kumpels die Welt fast an den Abgrund gezockt haben", jubelten hier über einen Faschisten, Frauen- und Schwulenfeind sowie Folterbefürworter. 

So reagiert die Deutsche Bank

Die Deutsche Bank reagierte am Montag via Twitter mit einem Statement auf die Vorwürfe, in dem es heißt, bei dem Tweet handle es sich "ausdrücklich um eine faktische Beschreibung und nicht um eine inhatliche Würdigung des politischen Programms des künftigen brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro". Die Aussage beziehe sich darauf, wie zahlreiche Investoren die wirtschatspolitische Agenda von Bolsonaros Berater Paulo Guedes beurteilten. "Die Deutsche Bank wollte hier auf keinen Fall Partei ergreifen. Es gehört zu den Werten der Deutschen Bank, dass sie als Unternehmensbürger für Demokratie, Menschenwürde und Diversität eintritt."

Bereits am 15. Oktober hatte die Bank das Missverständnis aufgeklärt: Ein via Twitter veröffentlichter Textauszug zeigt, in welchem Zusammenhang der Begriff "Wunschkandidat" gefallen war. In einem Analystenkommentar der Bank heißt es: "Der Markt scheint seinen Wunschkandidat bereits gefunden zu haben", da das Umfragehoch Bolsonaros mit steigenden Kursen am Aktienmarkt einhergehe. 

 

bak