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Deutsche Bank sucht neuen Chef Tausche Ackermann gegen Doppelspitze


Josef Ackermann, bekanntester Banker im Land tritt bald ab - und noch fehlt der Nachfolger. Am Sonntag könnte der Fall erledigt sein. Die Deutsche Bank bekommt wohl eine Doppelspitze.

Wer wird Nachfolger von Josef Ackermann, Deutschlands bekanntestem Banker? Die Chefsuche bei der Deutschen Bank geht in die entscheidende Phase. Am Sonntag trifft sich nach Informationen der "Financial Times Deutschland" das Nominierungskomitee. Mitglieder des Ausschusses sind neben Aufsichtsratschef Clemens Börsig der Bosch-Aufsichtsrat Tilman Todenhöfer und der frühere Bayer-Chef und Eon-Aufsichtsratsvorsitzende Werner Wenning. Favorisiert wird offenbar eine Doppelspitze, zu welcher der Investmentbanker Anshu Jain gehören soll.

Zuerst soll aber die Frage geklärt werden, wer künftig den Aufsichtsrat führen soll. "Das Thema soll zuerst vom Tisch", sagte ein Eingeweihter der FTD. Dann soll über die Frage entschieden werden, wie künftig die Vorstandsspitze aussieht. "Das ist natürlich wesentlich davon abhängig, wer künftig Aufsichtsratschef sein wird. Jeder künftige Vorstandschef wird schließlich auch wissen wollen, mit wem er zusammenarbeitet." Entscheidungsgewalt über die Personalien hat nur der gesamte Aufsichtsrat. Deswegen soll nach FTD-Informationen rasch eine Sitzung des kompletten Gremiums stattfinden.

"Spiegel Online" hatte zuvor berichtet, dass sich neun der zehn Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat dafür ausgesprochen haben, dass Josef Ackermann selbst, dem laut stern-Umfrage eine Mehrheit der Bürger im Land gute Arbeit bescheinigt, umgehend an die Spitze des Gremiums wechselt. Amtsinhaber Börsig gilt als angeschlagen. Seine Kandidatensuche für den Chefposten war bislang erfolglos geblieben. Der lange Zeit als Wunschkandidat geltende Axel Weber geht zum Schweizer Konkurrenten UBS.

Nach FTD-Informationen ist Jain als Chef des wichtigen Investmentbanking in der neuen Doppelspitze gesetzt. Der 48-jährige gebürtige Inder Jain ist jedoch im politischen Berlin kaum verdrahtet und soll kaum Deutsch sprechen. Neben der Tatsache, dass er der Öffentlichkeit und den Bankmitarbeitern kaum zu vermitteln wäre, würde eine alleinige Berufung Jains eine zu große Aufwertung Londons gegenüber Frankfurt mit sich bringen.

Deshalb wird ein Co-Chef benötigt. Im Gespräch sind nach FTD-Informationen Deutschland-Chef Jürgen Fitschen und Privatkundenvorstand Rainer Neske. Zudem werden immer wieder die Namen von Finanzchef Stefan Krause und Risikovorstand Hugo Bänziger ins Spiel gebracht. Nach einem Bericht der "Welt" favorisiert Börsig Fitschen. Der in Deutschland sehr gut vernetzte Banker wird in diesem Jahr 63 Jahre alt und wäre daher allenfalls eine Übergangslösung. "Wenn man einen Generationswechsel will, ist so ein Modell sicher schwer zu vermitteln", zitiert die Nachrichtenagentur Reuters eine anonyme Quelle. Zudem gebe es dann schon bald wieder eine neue Nachfolgedebatte. Einige Aufsichtsräte seien für Bänziger, der in der Finanzkrise Seite an Seite mit Ackermann agiert und die Verluste durch einen frühzeitigen Abbau von Risikoposten eingedämmt hat. Sollte nun zeitnah eine Entscheidung fallen, ist es wahrscheinlich, dass sie auch schnell umgesetzt wird.

Die Deutsche Bank wollte die Berichte nicht kommentieren. Ein Sprecher bekräftigte lediglich, die Suche nach einem Nachfolger für Ackermann sei Aufgabe des Aufsichtsrates. Der Schweizer gibt den Posten nach bisheriger Planung spätestens zur Hauptversammlung 2013 ab.

FTD

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