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"Grottenschlechte Zahlen": Deutsche Bank streicht mehr als 7000 Stellen

2017 schrieb die Deutsche Bank zum dritten Mal in Folge rote Zahlen. Das soll sich nun ändern: Neben Strukturänderungen soll vor allem ein massiver Stellenabbau das Unternehmen aus seinem "besorgniserregenden" Zustand retten.

Die Deutsche Bank steckt in der Krise. Einen Ausweg sollen nun ein massiver Stellenabbau und die Schrumpfung des Investmentbankings bieten. Auf der Hauptversammlung kündigte der neue Konzernchef Christian Sewing an, dass die Bank mehr als 7000 Stellen streichen werde, die meisten noch dieses Jahr.

Bis Ende 2019 soll damit eine Kostensenkung von einer Milliarde Euro erreicht werden. Anlegervertreter kritisierten die "grottenschlechten Zahlen".

Sewing will betriebsbedingte Kündigungen vermeiden

Sewing sagte, die Zahl der Vollzeitstellen werde von derzeit etwas mehr als 97.000 auf "deutlich unter" 90.000 verringert. "Wir werden das alles aber auch so verantwortungsbewusst und sozialverträglich wie möglich gestalten", versicherte er. Durch freiwillige Abgänge und Einstellungsstopps "da, wo es sinnvoll ist", solle auf betriebsbedingte Kündigungen möglichst verzichtet werden.

Einschnitte gibt es vor allem im größten Geschäftsbereich, dem Investmentbanking. "Wir werden unser Zinsgeschäft in den USA deutlich verkleinern und die Bilanzsumme reduzieren", sagte Sewing. In Europa wolle die Bank hingegen unvermindert in diesem Bereich aktiv sein. Der Aktienhandel soll stärker automatisiert werden, ein Viertel der Mitarbeiter in der Abteilung muss gehen. In den vergangenen sieben Wochen hätten bereits 600 Mitarbeiter aus diesem Bereich die Bank verlassen, sagte Sewing.

Auch das Management will die Bank verkleinern. Der Vorstand sei bereits um ein Viertel eingeschrumpft, nun sind laut Sewing die nachfolgenden Führungsebenen an der Reihe. "Kleinere Gremien, weniger Hierarchie, mehr Eigenverantwortung - das ist unsere Devise". Ziel sei, Diskussionen einzudämmen und Entscheidungen schneller umzusetzen.

Deutsche Bank plant "neue digitale Plattform"

Ausbauen will Sewing hingegen Bereiche, die nicht so stark schwanken. Das ist zum einen der Vermögensverwalter DWS, den die Bank kürzlich an die Börse gebracht hatte, zum anderen das Privat- und Firmenkundengeschäft, das er bis zu seiner Beförderung an die Spitze selbst geführt hatte. Größte Maßnahme ist hier die rechtliche Fusion der Postbank mit der Deutschen Bank, die "bis zum kommenden Wochenende" abgeschlossen sein soll, wie der Unternehmenschef sagte. Sewing erhofft sich davon bereits im kommenden Jahr Einsparungen in Höhe von einer halben Milliarde Euro.

Beim Thema Digitalisierung kündigte Sewing einerseits Ausgabensenkungen in der IT an - andererseits werde es eine "ganz neue digitale Plattform" für die Kunden geben. Eine Basisversion solle in der zweiten Jahreshälfte starten. Die Deutsche Bank hatte im vergangenen Jahr das dritte Jahr in Folge Verlust gemacht. Anfang April tauschte der Konzern den Vorstandsvorsitzenden aus - der Brite John Cryan musste gehen, Sewing rückte an die Spitze.

"Zwei Milliarden Euro Boni sind einfach zu viel"

Dieser Personalwechsel sei "der letzte Schuss", sagte Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) an den Aufsichtsratsvorsitzenden Paul Achleitner gewandt. "Eine weitere Gelegenheit zum personellen Umbau wird man Ihnen nicht geben." Nieding kritisierte die "grottenschlechten Zahlen": Die Bank verliere auch in ehemals starken Bereichen an Marktanteil.

Ingo Speich von der Investmentgesellschaft Union Investment sagte: "Das Problem der Bank lässt sich einfach zusammenfassen: zu geringe Erträge, zu hohe Kosten". Der Zustand der Bank sei "besorgniserregend". Speich und Nieding kritisierten auch die hohen Bonuszahlungen an die Manager. "Zwei Milliarden Euro Boni sind einfach zuviel", sagte Speich. Die Bank zahlte trotz Verlusts für das vergangene Jahr 2,3 Milliarden Euro an Sonderleistungen aus.

Der Aktienkurs der Bank stand am frühen Nachmittag bei einem Minus von 3,5 Prozent und war damit der größte Verlierer im Dax. Seit Jahresbeginn büßte die Aktie somit etwa ein Drittel ihres Wertes ein.

fri / AFP