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Kredit gegen Käse Alles nur Käse? Warum in Italien Parmesan in Banktresoren lagert und nun auch die Deutsche Bank auf das essbare Gold setzt

Parmesankäse
In den Depots der italienischen Bank Credito Emiliano lagern Hunderttausende Laib Käse.
© Florian Schuh/ dpa Themendienst / Picture Alliance
In einem Banktresor erwartet man Geld und Gold, aber nicht unbedingt Käse. Genau den lagern italienische Banken aber seit Jahrzehnten ein - unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen. 

Gestapelt in riesigen Regalen vom Boden bis zur Decke glänzen sie gülden, die Prachstücke im Tresor der italienischen Bank Credito Emiliano (Credem). Aber es ist nicht alles Gold, was hier glänzt. Die Bank setzt seit mehr als einem halben Jahrhundert auf ein anderes kostbares Gut - Käse.

Zwischen Parma und Modena gelegen, findet sich das kleine Montecavolo die Quattro Castella. Dort steht eine Lagerhalle der Credem-Bank, die gerne auch als Fort Knox des Parmesans bezeichnet wird. Unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen reifen dort Hunderttausende Laib Käse. Dahinter steckt ein lukratives Geschäftsmodell, denn die Bank gewährt den Herstellern Kredite und nutzt den Käse als Sicherheit. 

Käse als Darlehen

Die Idee dahinter ist schlicht. Die Hersteller bringen ihren Käse zur Bank, wo er als Sicherheit eingelagert wird. Im Gegenzug zahlt die Bank den Herstellern einen Kredit. Das Geld ermöglicht diesen, neue Investitionen zu tätigen. In den Hallen der Banken lagern die Parmesanlaibe und reifen dort meist zwei Jahre, manchmal auch drei. Ist der Käse verkaufsbereit, können die Hersteller diesen auslösen, indem sie den Kredit zurückzahlen.

Können sie das Geld nicht aufbringen, verkauft die Bank den Käse. Das Risiko ist für beide Seiten gering. Das Modell des Käse-Kredits schauten sich daher bereits vor Jahren Wirtschaftswissenschaftler der Eliteuniversität Harvard genauer an.  "Banking on Cheese" heißt die Fallstudie von Nikolaos Trichakis, sie sich mit dem Konzept dahinter befasst. 

Der Parmesanraub 

Seit den 1950er-Jahren arbeitet das Credem-Kreditinstitut mit Käse und die Hersteller nehmen das Angebot gern an. Denn es ermöglicht ihnen nicht nur liquide zu bleiben, es gibt ihnen auch die Möglichkeit, ihren Käse unter optimalen Bedingungen und ständiger Kontrolle reifen zu lassen. Eine Aufgabe, die gerade kleine Unternehmen allein oftmals nicht bewältigen können. Dazu kommt der Sicherheitsaspekt. Die Hürden in eine Bank einzubrechen sind weitaus höher als bei einer Käserei auf dem Land. 

Welchen Wert der Käse hat, wissen auch Diebe. Immer wieder werden die Käsereien von Banden geplündert. Viele Hersteller nutzen daher die Depots der Kreditinstitute. Eine 100-prozentige Sicherheit gibt es aber auch dort nicht. Im Jahr 2003 brachen sie in ein Gebäude einer Tochtergesellschaft von Credem ein und erbeuteten eine Million Euro in Form von 2500 Käselaiben. Jeder von ihnen war etwa 400 Euro wert.

Deutsche Bank setzt auf Käse

Allein in den Tresoren der Credem-Bank aus der Emilia-Romagna lagern Hunderttausende Parmesanlaibe. Weitere Banken in Norditalien arbeiten im kleineren Umfang ebenso mit Käse-Krediten. Jetzt ist auch die Deutsche Bank auf den Geschmack gekommen. Das Institut nimmt sich die Italiener zum Vorbild und steigt ins Käse-Business ein.

So gab die Deutsche Bank Anfang der Woche bekannt, dass das Institut im Tausch gegen einen 27,5 Millionen Euro schweren Kredit 125.000 Käselaibe akzeptierte. Das Unternehmen Ambrosi will mit dem Geld eine neue Reifeanlage bauen. 

tpo

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