DEUTSCHE URLAUBER Lichtblick für Kenias trübe Wirtschaft


Die kenianische Wirtschaft versinkt in Korruption. Der Tourismus ist heute die einzige Einnahmequelle für das verarmte ostafrikanische Land. Spitzenreiter sind die Deutschen.

Bayerische Klänge am Indischen Ozean sind tröstende Musik in den Ohren der kenianischen Ökonomen. Die Deutschen, Spitzenreiter unter den internationalen Urlaubern an der Küste des Indischen Ozeans, ahnen kaum, dass sie der Vorsitzende des kenianischen Hotelverbands, David Osiro, als »kleine Lichtblicke« für die marode Industrie des ostafrikanischen Landes anführt. Mit rund einem Prozent Wachstum ist der Tourismus die einzige wachsende Branche einer Wirtschaft, die es nach Warnung zahlreicher Analytiker schon bald den Nullpunkt erreichen könnte.

300 Millionen US-Dollar fehlen

Mit der Absage an ein Antikorruptionsgesetz hat sich Kenia die Streichung eines großen Teils der Auslandshilfe eingehandelt. Ein Fehlbetrag von rund 300 Millionen US-Dollar reißt jetzt tiefe Löcher in das Budget. Das einst blühendste Land Ostafrikas steckt in der tiefsten Rezession seit seiner Unabhängigkeit im Jahr 1963.

»Kenia wird immer ärmer, und die Wirtschaft wird sich in Luft auflösen.« Diese Meinung des Vorsitzenden der kenianischen Handelskammer, Chris Kirubi, teilen zahlreiche Beobachter. Mit dem einstigen »Happy Valley« geht es rapide bergab. Die Hauptgeißel, daran zweifelt keiner, heißt Korruption. Nicht umsonst zählt die in Deutschland ansässige Organisation »Transparency International« Kenia zu den zehn korruptesten Ländern der Welt.

Eines der korruptesten Länder der Welt

Ein jetzt veröffentlichter Bericht einer Parlamentariergruppe zeugt von den Millionenbeträgen, die im letzten Haushaltsjahr spurlos verschwunden sind. Löhne werden nicht ausgezahlt, sondern landen in den Taschen von Politikern. Die Niedrigverdiener wiederum müssen sich ihr Geld andernorts durch Schmiergelder beschaffen. »Kito kidogo« (»Etwas Kleines«) heißt das Zauberwort in Behörden, Polizeikontrollen und an jeder Straßenecke.

»Die Leute unten haben von denen da oben gelernt wie es geht. Der Kampf gegen die alles zerstörende Korruption muss daher auch wieder von oben begonnen werden«, sagt Mbui Wagacha, Direktor am Institut für Politische Analyse und Forschung (IPAR) in Nairobi. Auf Drängen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank sagten die Kenianer im vergangenen Jahr der Korruption mit einer Kommission den Kampf an.

Doch nachdem diese ihre ersten 132 Fälle auf der schwarzen Liste hatte, wurde sie aufgelöst, weil es ihr an der Gesetzesgrundlage fehle. Das Weg bereitende Gesetz schmetterte die Opposition mit der Begründung ab, es gehe nicht weit genug. Das wiederum ging dem IWF zu weit. Er legt den ausstehenden Kredit von 199 Millionen Dollar weiter auf Eis. Andere Geber machen es ebenso. Präsident Moi antwortete am Donnerstag mit der Ankündigung einer Polizeieinheit zur Bekämpfung der Korruption.

Horrorszenarien für die Zukunft

»Für das Stopfen des dramatischsten Haushaltslochs in der kenianischen Geschichte gibt es zwei Möglichkeiten«, sagt Wagacha. »Entweder die Regierung leiht sich Geld, dann steigen die Zinsen und bremsen jeglichen Aufschwung.« Oder aber die Regierung halte ihre Pläne nicht ein. »Das bedeutet noch mehr Arbeitslose und Kürzungen im Gesundheits- und Erziehungsbereich.« Kurzum: Das Elend des Landes, in dem schon jetzt rund 59 Prozent der Bewohner unterhalb der Armutsgrenze leben, habe Hochkonjunktur. Folglich gebe es nur einen Weg: »Korruptionsbekämpfung, damit die Hilfe wieder fließt.«

Die Talfahrt der Wirtschaft erreichte inzwischen ein Minus von 0,3 Prozent. Investoren verlassen fluchtartig das Land. Indische Geschäftsleute, die tragende Wirtschaftssäule Kenias, bringen ihr Geld lieber im Ausland in Sicherheit. Der Grund: Bis zum Dezember 2002 muss in Kenia ein neuer Präsident gewählt werden. Nach 23 Jahren an der Regierung darf sich Präsident Moi keiner weiteren Wahl stellen. Horrorszenarien über einen unruhigen blutigen Wahlkampf und die neuen Machthaber lähmen jegliches Wirtschaftsengagement.

Antje Passenheim


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