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Edelsteine: Diamanten sind die besten Freunde der Frau - und kommen jetzt aus dem Labor

Diamanten stehen wie keine anderen Edelsteine für Luxus. Zumindest noch, denn der Diamantenkonzern De Beers verkauft nun künstlich hergestellte Diamanten, die deutlich billiger sind. Ein überraschender Strategieschwenk nach jahrelanger Kritik.

Diamant-Ring

Farbige Diamanten sind selten und erzielen bei Versteigerungen regelmäßig Rekord-Summen. Das könnte sich bald ändern.

Getty Images

Wenn man sich heute die Karriere des französischen Staatsmanns Jules Mazarin ansieht, müsste man ihn für seine Bilderbuchkarriere beglückwünschen. Erst diente er Papst Urban VIII., ab 1643 kümmerte er sich um die Erziehung Ludwig XIV., dem Sonnenkönig. Kardinal, regierender Minister, Patenonkel des Königs - solche Posten bringen neben Macht auch eine Menge Geld mit sich. Und das steckte Mazarin in seine Diamantensammlung, die er nach seinem Tod der Krone vermachte - unter einer Bedingung: Ein besonders prachtvoller Stein solle seinen Namen tragen. Und so kam es, dass das Auktionshaus Christie's 2017, knapp 350 Jahre nach dem Tod des Kardinals, den "Grand Mazarin" versteigerte. Der pinkfarbene Stein mit 19,07 Karat wechselte für satte 12,3 Millionen Euro den Besitzer.

Es gibt wenig auf der Welt, dass so sehr für Luxus steht, wie der Diamant. Seit Jahrhunderten schmücken sich die Superreichen mit den makellosen Edelsteinen, die aus der Tiefe der Erde geschürft werden müssen - oder zumindest mussten. Denn künstliche Diamanten läuten eine Zeitenwende ein, die Diamanten deutlich erschwinglicher werden lassen.

Diamanten aus dem Labor

Um einen Diamanten künstlich zu erzeugen, rieselt ein Gemisch aus Mikrowellenstrahlen und Wasserstoff und Methan auf einen Träger, meist einen kleinen Rohdiamanten, und das bei hoher Hitze und starkem Druck. So entsteht Schicht um Schicht ein lupenreiner Diamant. Lange waren künstliche Diamanten durch ihren milchig-gelben Farbton zu erkennen und fanden vor allem als Schneidwerkzeuge in der Industrie Anwendung. Doch neue Verfahren machen die künstlichen Steine auch für die Schmuckindustrie interessant.

Rund 20 Autofahrminuten südlich von Oxford befindet sich das Element Six Innovation Center, ein tellerrunder, silberner Bau, der sehr an eine fliegende Untertasse erinnert. Hinter den Mauern entsteht aus Druck und Temperatur das, was in der Natur mehrere Millionen Jahre braucht: Perfekte Diamanten. Betrieben wird das Labor von dem Diamantenkonzern De Beer. Der Konzern hatte lange Zeit gegen die künstlichen Klunker gewettert - in dieser Woche hat das Unternehmen die neue Marke "Lightbox" auf den Markt gebracht, die ausschließlich synthetische Diamanten zu einem Bruchteil des Preises der Natur-Steine vertreibt. 


"Unsere umfassende Forschung hat uns gezeigt, dass die Verbraucher Diamanten aus dem Labor schätzen - als ein hübsches Produkt, das nicht so viel kostet", so der Chef der De Bee Group, Bruce Cleaver, in einem Statement. "Obwohl es im Vergleich zu unserem Kerngeschäft mit Diamanten ein kleines Geschäft sein wird, glauben wir, dass die Marke Lightbox bei den Verbrauchern gut ankommen wird und eine neue, kommerzielle Möglichkeit für die De Beers Group bietet." 

Kampfpreise für synthetische Diamanten

Der weltweite Markt für Diamanten wird auf 80 Milliarden Dollar beziffert, die Nachfrage nach Rohdiamanten wird bis 2023 weiter steigen. Vor allem farbige Diamanten in blassem Blau oder zartem Rosa waren in der jüngsten Vergangenheit der Renner - allerdings ohne dass es neue Funde gegeben hat. Steigende Nachfrage bei begrenztem Angebote, das ist eine Chance für die künstlichen Steine - vor allem weil De Beer den Markt mit Kampfpreisen entern will. Ein Karat des Labor-Diamanten soll rund 800 Dollar kosten, natürliche Diamanten von De Beer kosten etwa das Zehnfache, berichtet "CNN Money". Andere Hersteller wie Diamond Foundry in den USA oder New Diamond Technology in Russland verlangen für künstliche Diamanten normalerweise 30 bis 40 Prozent weniger als für ihre natürlichen Gegenstücke. De Beer unterbietet die Konkurrenz um etwa 75 Prozent.

Dieser Schritt überrascht, denn De Beer hatte eine klare Haltung zu synthetischen Diamanten: "De Beers konzentriert sich auf natürliche Diamanten", sagte Simon Lawson, Leiter von Forschung und Entwicklung bei De Beers, zu "Bloomberg" im Jahr 2015. "Wir würden nichts tun, was diese Industrie kannibalisieren würde."


Kunden wollen günstigere Diamanten

Nun kommt der Strategieschwenk - auch weil die Kunden es so wollen.  Noch spielen Diamanten aus dem Labor nur eine kleine Rolle, der Marktanteil lag 2016 bei rund einem Prozent. Doch laut Berechnungen der US-Bank Morgan Stanley könnten die synthetischen Steine bis 2020 einen Anteil von 7,5 Prozent bei großen Diamanten und 15 Prozent bei kleinen Diamanten ausmachen. "Die großen Minen-Firmen hatten Bedenken, was das Wachstum des Marktes für synthetische Diamanten angeht", sagt Paul Zimnisky, ein unabhängiger Analyst und Berater der Branche zur "NY Times". Doch die verbesserten Produktionsformen hätten die Qualität der Steine steigen und gleichzeitig die Preise für deren Herstellung fallen lassen. "Die Verbraucher interessieren sich für die synthetischen Steine", sagte Zimnisky. "Dies ist kein Markt, der einfach wieder verschwindet." 

Reiches Paar auf Yacht