HOME

Kräuterlikör: Luxus-Schnaps statt Party-Fusel: So will Jägermeister sein Image aufpeppen

Keine Junggesellenabschiede, keine Abi-Party ohne Jägermeister: Der traditionsreiche Kräuterlikör ist zum Party-Schnaps verkommen. Das beschert dem Unternehmen zwar satte Umsätze - aber auch ein fieses Image. Das soll sich jetzt ändern.

Jägermeister: Luxus-Schnaps statt Party-Fusel

Jägermeister will eine neue Zielgruppe erobern

Aus den Spitzen des Geweihs sprühen Feuerfontänen, aus den Nüstern tritt Rauch. 17 Meter schraubt sich der Koloss in den Himmel über dem Festivalgelände des Wacken Open Air. Und er ist ein Menschenmagnet. Im Inneren wird auf drei Stockwerken gefeiert, getanzt, gesoffen. Wenn das Holzgerüst durch ein blecherndes Röhren aus den Boxen ertönt, gibt es kostenlos Schnaps für alle. Ein trojanischer Party-Hirsch, gesponsort von

Der Kräuterlikör ist dort, wo die Sause steigt: Junggesellenabschiede zwischen Flensburg und Bodensee knallen sich die kleinen Fläschchen in die Birne, gemischt mit Softdrinks wird aus dem dickflüssigen Gebräu ein anerkannter Longdrink. Abi-Party, Schützenfest, Spring Break: Jägermeister ist international bekannt als Feier-Fusel, der zwar schnell in den Kopf, aber nicht ins Geld geht.

Der Holzhirsch von Jägermeister auf dem Wacken Open Air

Der Holzhirsch von Jägermeister auf dem Wacken Open Air


Und Jägermeister fördert dieses Bild mit allerlei Promotionaktionen - wie auf dem Wacken. So zieht das Holzungetüm seit Jahren über die größten Festivals , Fans bekommen Merchandise wie Bettwäsche, Regenschirme oder Hoodies in Quietsch-Orange mit dem Hirsch-Logo und bei Events zapfen mobile Getränkeverkäufer aus einem Jumbo-Rucksack eisgekühlten "Hörner-Whisky".

Jägermeister wächst gegen den Trend

Jägermeister besetzt die Nische als Party-Schnäpschen seit Jahren perfekt. Denn der Markt für Kräuterliköre ist in Deutschland eigentlich rückläufig, 2016 verlor das Segment zwei Prozent zum Vorjahr. Doch Jägermeister trotzt der Entwicklung, seit Jahren. Der Umsatz lag 2015 bei rund 568 Millionen Euro, der Gewinn bei 90 Millionen Euro. 

Doch Jägermeister scheint mit dem Fusel-Image nicht zufrieden zu sein. "Viele unserer Fans wissen gar nicht, welche Qualität und welche Sorgfalt in unserem Produkt stecken", heißt es dazu fast wehmütig von Jägermeister auf stern-Anfrage. Dass der Likör nicht als Premiummarke wahrgenommen wird, sei "unsere Leidensgeschichte", sagt Berndt Finke, Laborleiter bei Jägermeister, kürzlich zu "Lufthansa Exclusiv". Eine über 80-jährige Rezeptur, 56 Kräuter, ein aufwendiges Verfahren und einjährige Lagerung - und dann stürzt das angetrunkene Party-Volk den Likör einfach nur runter.

Jägermeister setzt nun zum Gegenangriff an und hat "Manifest" auf den Markt gebracht. Grundlage ist das überlieferte Jägermeister-Rezept, das weiter veredelt wurde. Doch Manifest soll eine neue Kundenschicht ansprechen. Weniger Junggesellenabschied, mehr gehobene Genusstrinker. Mit einem Alkoholgehalt von 38 Prozent hat Manifest etwas mehr Umdrehungen als der normale Jägermeister (35 Volumenprozent). Die Flasche kommt edler daher, das bekannte Orange und Grün sucht man vergebens. Und selbst das Einschenken wird mit einem Ritual begangen: Auf dem Glas steckt ein Metallaufsatz mit Eiswürfeln, über die der Likör ins Glas tropft. Manifest-Kunden seien "erwachsen", so Jägermeister. Menschen, die Premiumprodukte schätzen und bewusst auf Markenprodukte setzen. Im Handel kostet eine der 60.000 limitierten Flaschen rund 30 Euro.

Jägermeister ist bekannte Marke

Luxus-Likör von Jägermeister - kann das funktionieren? "Jägermeister will das gehobene Segment ansprechen. Diese Kundenschicht ist kaufkräftig und nicht so flüchtig wie die jungen Wilden", sagt Markenexperte Karsten Kilian. Er glaubt nicht, dass die Marke verbrannt ist vom Party-Image. Im Gegenteil: Jägermeister würde von der eigenen Bekanntheit profitieren. Laut einer Befragung des Marktforschungsunternehmens Mafo kennen über 99 Prozent die Marke Jägermeister. Kilian glaubt, dass könnte ein Vorteil sein.

Jägermeister Manifest

Jägermeister Manifest soll eine neue Kundengruppe ansprechen.

"Marken verändern sich" sagt, Kilian. "Und vielleicht entwickelt sich Jägermeister zurück zum edlen Stöffchen." Tatsächlich war das Wolfenbüttler Gebräu das "Getränk der alten Herrschaften", so Kilian. Ruhig, gesetzt, traditionell. Erst Günter Mast, Neffe des Jägermeister-Erfinders Curt Mast, änderte die Verkaufe des Halbbitters. Heiße Mädels, die Likör als Shot trinken - das entstand in seiner Ära. Mit Manifest könnte das Unternehmen an die alten Traditionen anknüpfen - und braucht dafür keinen dampfschnaubenden Hirschen mit Feuergeweih.