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Tierwohl im Check Kühlregal oder Frische-Theke: Wo Sie besseren Aufschnitt und Fleisch bekommen

Wo gibt es mehr Tierwohl: Abgepackt im Kühlregal oder an der Wurst-Theke?
Wo gibt es mehr Tierwohl: Abgepackt im Kühlregal oder an der Wurst-Theke?
© Picture Alliance
Abgepackte Wurst und eingeschweißter Schinken gegen frischen Aufschnitt und Schweinefilet: Wo bekommen Kunden mehr geboten? Und wo müssen Kunden einkaufen, wenn sie mehr Tierwohl fordern?  Der "NDR" hat den Test gemacht.

Schnitzel und Steaks, Hackfleisch, Braten und Grillfleisch – dazu appetitlich arrangierter Aufschnitt: Die Frische-Theke im Supermarkt vermittelt den Eindruck: Diese Produkte sind qualitativ hochwertig. Und dieser Eindruck gilt auch für das Tierwohl. Wer Fleisch frisch kauft, tut auch etwas für bessere Haltungsbedingungen der Tiere. Oder?

Der "NDR" hat in seiner Verbrauchersendung "Markt" den Test gemacht und in verschiedenen Supermärkten eingekauft. Die dort gekauften Produkte soll der Fleischermeister Florian Lerch, der als Berater für Fleischereien arbeitet, genauer unter die Lupe nehmen. 

Den Anfang macht Rewe, dort kauften die Tester Schweinefilet und Aufschnitt, alles von der Marke Wilhelm Brandenburg. Der große Unterschied sei die Halbbarkeit, so Lerch. "Der Vorteil von abgepacktem Fleisch ist die längere Haltbarkeit", so der Experte. Wer an der Frische-Theke einkaufe, müsse die Produkte schnell verarbeiten. Er legt die beiden Schweinefilets, eines abgepackt, das andere frisch gekauft, nebeneinander. Die Farbe ist tatsächlich gut zu erkennen. Der Fleischexperte erklärt, dass das Filet von der Frische-Theke tatsächlich auch sehr frisch sei. Bei beiden Fleischstücken handelt es sich allerdings um Fleisch der Haltungsstufe 1, also Stallhaltung. Die bei Rewe gekaufte Lyoner-Wurst stammt aus Fleisch der Haltungsform 2.

Schlechte Kennzeichnung von Fleisch und Aufschnitt

Für Greenpeace wenig verwunderlich. Dabei würden Kunden gerade an der Frische-Theke mehr fordern: Drei Viertel der Supermarkt-Kundschaft (77 Prozent) erwartet nach einer repräsentativen Umfrage von Kantar an Bedientheken eher ein Fleischangebot aus artgerechter Tierhaltung als im Selbstbedienungsregal, so Greenpeace. Das Problem sei die mangelnde Kennzeichnung im Frische-Bereich, kritisieren die Umwelt- und Tierschützer. Nur 22 von 99 besuchten Edeka-, Kaufland- und Rewe-Filialen kennzeichneten überhaupt Produkte in den Bedientheken mit der Haltungsform. Und: Die schlechteste Haltungsform wird lieber gar nicht erst gekennzeichnet. "Die meisten Supermärkte bieten immer noch Fleisch aus der tierschutzwidrigen und umweltschädlichen Haltungsform 1 und 2 an”, sagt Christiane Huxdorff, Landwirtschaftsexpertin von Greenpeace. 

Tatsächlich finden die Tester die meisten Produkte aus dem besseren Haltungsformen, also beispielsweise in Bio-Qualität, in abgepackter Form. Bei Edeka kaufen die Tester Hack, einmal aus dem SB-Bereich und einmal frisch von der Theke. Bei der Konsistenz kann das frische Hack punkten. Doch das kostet auch: 11,96 Euro pro Kilo. Das industriell verarbeitete Hack kostet hingegen nur 8,49 Euro pro Kilo. Und: Das abgepackte Hack hat die bessere Haltungsklasse 3. Diese sei aus "Produktionsgründen noch nicht an der Frischetheke erhältlich", lässt Edeka mitteilen.

Konkurrenten schaffen dies schon. So lässt Kaufland wissen, dass bereits seit 2019 das Fleisch von Schweinen, Puten und Hähnchen an den Bedientheken ausschließlich der Haltungsform 3 entstammt. Dafür kann Kaufland nicht beim abgepackten Fleisch punkten: Dort finden die Tester schlechtere Haltungsformen. So kaufen sie Schweinebraten der Stufe 3 frisch (7,99 Euro/Kilo), doch im SB-Bereich gibt es lediglich die Haltungsform 2 (6,29 Euro/ Kilo).

Fazit: Die Kennzeichnung bei abgepackter Ware ist besser. Tatsächlich entdecken die Tester immer wieder identische Ware, die im SB-Bereich günstiger verkauft wird. Die Händler rechtfertigen dies durch Beratung und Portionierung. Allerdings vermuten die Tester auch, dass an der Frische-Theke ein Image mitbezahlt wird. Dabei würde man an vielen Bedientheken eines vergeblich suchen: Bio-Produkte. Nur in wenigen Filialen von Edeka und Kaufland entdecken die Testkäufer kleine Bio-Bereiche an der Frische-Theke. Rewe lässt mitteilen, dass man einen nationalen Testlauf starten wolle, in Märkten mit "bio-affiner Kundschaft". 

Das Urteil der Tester: Das Fleisch an der Theke ist oftmals frischer und saubere zugeschnitten, dafür aber nicht sehr lange haltbar und stammt meist aus schlechteren Haltungsklassen. Wer wert auf Bio-Produkte und bessere Haltungsformen legt, greift derzeit besser noch ins SB-Regal.

Den NDR-Beitrag können Sie in der Mediathek abrufen. 

kg

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