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True Cost Accounting: Lebensmittel sind viel zu billig: Was unser Essen wirklich kostet

Lebensmittel sind spottbillig, genauer: viel zu billig. Denn die wirklichen Kosten übersteigen die Supermarktpreise um Längen. Zahlen müssen die Rechnung bislang die Umwelt und Menschen, die sich für die Billig-Produktion ausbeuten lassen.

Was unser Essen wirklich kostet: True Cost Accounting

Beim True Cost Accounting wird nachgerechnet, was unser Essen wirklich kostet. 

Pünktlich zum Wochenbeginn trommeln die Supermarktketten wieder für ihre Sonderangebote. Penny lockt mit einem halben Kilo Pfirsichen für einen Euro. Edeka bietet das Kilo Rispentomaten für nicht mal 2,50 Euro an. Und bei Rewe kostet eine Gurke nur 39 Cent - und Kiwi gerade mal 11 Cent.

Wer glaubt, dass die ertragreiche, konventionelle Landwirtschaft zu solchen Schleuderpreisen produzieren kann, irrt. Gurken für nicht einmal 40 Cent in den Handel zu bringen, kann nicht funktionieren. Der Anbau des Gemüses hat bereits Kosten verursacht, die sich im Endpreis nicht wiederfinden.

Lebensmittelkosten: Verschmutze Gewässer und übernutzte Böden

Eine Bewegung aus den USA, die nun auch von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) aufgegriffen wurde, will über die wahren Kosten von Lebensmitteln aufklären. "True Cost Accounting" zählt auch Kosten für die Herstellung mit dazu, die bislang nirgendwo auftauchen: Übernutzung der Böden, Verschmutzung der Gewässer, Aussterben von Tier- und Pflanzenarten, Klimaveränderungen und soziale Ausbeutung spiegeln sich in den Beträgen, die Kunden an der Kasse zahlen, nicht wieder. Laut der FAO belaufen sich die jährlichen Kosten für Umweltschäden weltweit auf rund 2100 Milliarden Dollar, die für soziale Ausbeutung sogar auf 2700 Milliarden Dollar.

"Den wahren Preis zahlt der Verbraucher indirekt", sagt Volkert Engelsman, Geschäftsführer von Eosta, der die Kampagne "Was unser Essen kostet" mit ins Leben gerufen hat. Diese Kampagne will über die wahren Kosten der Lebensmittelproduktion aufklären - und zeigen, dass Bio-Produkte der Umwelt oder den Menschen eben keine Kosten  aufbürdet. "Bei konventionellen Lebensmitteln fließen ökologische, soziale und Gesundheitskosten nicht in den Preis an der Ladentheke ein." 

Bei Bio-Produkten sind Kosten schon eingerechnet

Bei Bio-Produkten sei das anders. Hier würden Umweltverschmutzung und Co. schon durch andere Anbauverfahren umgangen, Treibhausgase werden gebunden und der verantwortungsvolle Umgang mit Mensch und Tier berücksichtigt. Das ist teurer - und die Kosten finden sich in den erhöhten Preisen an der Supermarktkasse wieder. Kurz: Bio rechnet entstandene Kosten mit ein, bei konventioneller Herstellung blieben sie häufig außen vor. "Somit sind Bio-Lebensmittel nicht zu teuer, sondern konventionelle Lebensmittel sind schlicht zu billig", sagt Engelsman. 

Bio oder nicht? Verbraucher haben es in der Hand

Um Verbraucher auf dieses Ungleichgewicht aufmerksam zu machen, hat die Kampagne "Nature & More" auf ihrer Webseite für einige Lebensmittel die wirklichen Kosten berechnet. Das ist nicht ganz einfach, da die Ausbeutung von Mensch und Umwelt Folgekosten entstehen lassen, die nur schwer beziffert werden können. Auf der Grundlage eines FAO-Berichts konnte ein Modell kreiert werden, das eine konkrete Kostenrechnung für natürliche Ressourcen ermöglicht.


Eines der Beispiele: Birnen. Greift man statt zur konventionellen Variante zur Bio-Birne spart das beim Klima rund 602 Euro, beim Wasser 268 Euro und beim Boden (durch den Verzicht auf chemische Dünger und Schädlingsbekämpfungsmittel) sogar 1417 Euro. Und der Preis? Beispielsweise bei der "Bauerntüte", einem Anbieter von gemischten Obst- und Gemüsekisten im Westen Deutschlands, kosten Bio-Birnen aus der Region rund 3,20 Euro pro Kilo. Allerdings gibt es sie aktuell nicht, denn die Birnen-Saison ist vorbei. Bei den großen Supermärkten ist das egal. Diese Woche bietet Kaufland die 1-Kilo-Schale Birnen für 1,29 Euro an. Aus Südafrika.  

Naschen, auspacken, umtauschen: Das sollten Sie sich im Supermarkt besser nicht erlauben
Sie entrümpeln mal wieder ihren Geldbeutel. Und zwischen all den alten Kassenzetteln finden Sie auch einen Pfandbon. Spitze - aber kann man den Wochen später noch eintauschen?   Ja, das geht. Bis zu drei Jahre müssen Supermärkte den Bon noch annehmen. Allerdings können Sie den Bon nur in der Filiale abgeben, in der er auch ausgestellt wurde.

Sie entrümpeln mal wieder ihren Geldbeutel. Und zwischen all den alten Kassenzetteln finden Sie auch einen Pfandbon. Spitze - aber kann man den Wochen später noch eintauschen?

Ja, das geht. Bis zu drei Jahre müssen Supermärkte den Bon noch annehmen. Allerdings können Sie den Bon nur in der Filiale abgeben, in der er auch ausgestellt wurde.