VG-Wort Pixel

Die Folgen der Katastrophe Tsunami zerstört Aufschwungshoffnung


Maues Wachstum, hohe Schulden, vergreiste Bevölkerung: Japans Volkswirtschaft hat ohnehin schon gravierende Probleme. Erdbeben und Tsunami zerstören nun Hoffnungen auf den Aufschwung.

Es mag angesichts von mindestens Hunderten von Toten, angesichts großflächiger Zerstörungen und vieler menschlicher Tragödien für den ein oder anderen eher nebensächlich anmuten, aber die wirtschaftlichen Folgen der Katastrophe für Japan sind vor allem im Norden des Landes verheerend. Erdbeben und Tusnami treffen ein ohnehin von jahrelangem schwachem Wachstum, zunehmender Überalterung und hoher Verschuldung gebeuteltes Land, das weit entfernt ist von der wirschaftlichen Kraft der 80er und 90er Jahre. Und sie treffen das Land zu einem Zeitpunkt, als sich nach einem hoffnungsvollen 2010 mit fast vier Prozent Wachstum wieder Hoffnung breit machte.

Bereits in den ersten Stunden verursachten die Naturgewalten enorme Schäden:

- Mehrere Atomkraftwerke und Ölraffinerien wurden abgeschaltet. - Sony, einer der größten Exporteure des Landes, schloss sechs Fabriken.

- Alle Häfen in Japan wurden geschlossen.

- Flug- und Bahnverkehr wurde teilweise lahmgelegt, es gibt verheerende Schäden an Flughäfen und Bahnstrecken.

Die Aussagen von Experten stimmen skeptisch, dass Japans Wirtschaft die Katastrophe schnell verdauen kann. Yasuo Yamamoto, Volkswirt von Mizuho Research, sagte der Nachrichtenagentur Reuters: "Im Norden des Landes gibt es Auto- und Halbleiterwerke, deshalb werden die Schäden wirtschaftliche Folgen haben. Der Konsum wird voraussichtlich fallen, dies könnte vorübergehend die Wirtschaftsleistung drücken." Sein Kollege von Tsutomu Yamada von Kabu.com Securities sieht schwarz: "Für die nordjapanische Wirtschaft sieht es schrecklich aus. Die Regierung muss schnell handeln und Hilfspakete ankündigen, die Zentralbank sollte mehr Geld in die Wirtschaft pumpen. Dieses Beben könnte Japans Gesamtwirtschaft genau in dem Moment belasten, als sie erste Anzeichen einer Erholung zeigte."

Andere Beobachter schöpfen aus der Tatsache Hoffnung, dass Japans Wirtschaftszentrum Tokio weit weniger von der Katastrophe betroffen ist als der Norden des Landes.

Yamamoto erwartet, dass das Beben die Regierung "sicherlich zu einem Nothaushalt veranlassen wird". Das Problem für die Zentralbank: In Japan sind die Zinsen schon so niedrig, dass sie nicht weiter gesenkt werden können, um die Wirtschaft zu stützen.

Gebeutelte Versicherer

Der japanische Finanzminister Yoshihiko Noda hat dennoch trotz der hohen Verschuldung des Landes bereits grundsätzliche Handlungsbereitschaft signalisiert. Japan mit seinen knapp 128 Millionen Einwohnern war in den vergangenen Jahrzehnten die dominierende Wirtschaft Asiens. 42 Jahre lang lag das Land hinter den USA weltweit auf Rang zwei in Sachen Wirtschaftsleistung. 2010 verdrängte China den regionalen Konkurrenten auf Rang drei.

Während sich die Verluste an den Börsen in Grenzen hielten und von einem Kurseinbruch nicht gesprochen werden konnte, werden die großen Rückversicherungskonzerne von der Katastrophe in Nippon schwer getroffen. Die Munich Re (früher Münchner Rück) und Hannover Rück verdauen noch die die Auswirkungen des Erdbebens in Neuseeland und der Überflutungen in Australien, da richtete der Erdstoß in Japan neuerliche Milliardenschäden an. Die deutschen Rückversicherer haben etliche Kunden in der Region, wie Unternehmenssprecher bestätigen. Konkretere Angaben zu Schäden wollen sie aber noch nicht machen.

Die Aktien der Versicherer litten denn auch am stärksten unter dem Beben. Papiere von Munich Re und Hannover Rück verloren bis zum Nachmittag fast fünf Prozent an Wert und auch die Allianz büßte ein.

Weitere deutsche Unternehmen waren nach ersten Erkenntnissen nur in geringem Umfang betroffen. Der Chemiekonzern BASF etwa berichtete von kleineren Schäden an seinen Werken. Beim Daimler-Konzern mit rund 12.800 Beschäftigten und Standorten in Tokio und Kawasaki sind nach ersten Erkenntnissen keine Mitarbeiter zu Schaden gekommen. Und der Handelskonzern Metro will seine Märkte in Tokio sogar am Samstag schon wieder öffnen.

ben/Reuters/DPA DPA Reuters

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker