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Sanierungspläne: Die Post macht die Aktionäre froh - doch viele DHL-Kunden sind sauer

Die Deutsche Post will das Porto erhöhen und die eigenen Kosten senken, um wieder mehr Gewinn zu machen. Das freut die Aktionäre. Und die Kunden? Die wünschen sich ganz andere Dinge, wie zahlreiche Zuschriften von verärgerten stern-Lesern zeigen.

DHL-Paketboten sind eigentlich immer in Zeitnot

DHL-Paketboten sind eigentlich immer in Zeitnot

In der Brief- und Paketsparte der Deutschen Post ist zuletzt einiges aus dem Ruder gelaufen. Obwohl die Konzerntochter DHL immer mehr Pakete ausliefert, verdiente sie damit deutlich weniger: Im abgelaufenen Quartal brach der Gewinn um mehr als 500 Millionen Euro ein. Der verantwortliche Vorstand Jürgen Gerdes wurde schon vor Monaten gefeuert, seine Aufgaben hat Konzernchef Frank Appel selbst übernommen.

Bei der Vorstellung der Quartalszahlen am Dienstag kündigte Appel an, die kriselnde Sparte konsequent zu sanieren. So soll das Briefporto im kommenden Jahr deutlich erhöht werden, um mehr Geld in die Kassen zu spülen - der Standardbrief könnte dann 80 statt 70 Cent kosten. Pakete sollen ebenfalls teurer werden. Auch Großkunden wie Amazon müssen möglicherweise mehr bezahlen, entsprechende Rabatte stünden auf dem Prüfstand, erklärte Appel. Zudem will der Post-Chef die Personalkosten senken.

Den Aktionären gefielen die Ankündigungen: Trotz der schwachen Zahlen stieg der Kurs der Post-Aktie deutlich an. Für die Kunden dagegen bedeuten die Sparpläne eher keine guten Nachrichten. Denn wenn ein Unternehmen Kosten sparen will, kann es selten gleichzeitig seinen Service verbessern. Dabei sind schon jetzt viele Kunden vom Service bei der Zustellung genervt.

DHL sorgt bei vielen Kunden für Ärger

Als Reaktion auf einen Artikel über Paketdienste haben uns viele Leser in den vergangenen Tagen ihre Probleme geschildert. Der Ärger trifft zwar genauso auch andere Paketdienste. Aber allein die Erfahrungen mit DHL würden reichen, ein kleines Büchlein zu füllen. "Ich habe mit DHL dieses Jahr sehr schlechte Erfahrungen gemacht", schreibt etwa Leserin Saskia S.. "Es wird ohne zu Klingeln behauptet, man sei nicht zu Hause, obwohl ich zu Hause war und mir extra zum Empfang der Pakete frei genommen habe. Die Pakete gingen dann immer direkt zu einer Postfiliale."

Von solchen Problemen berichten viele Leser. So schreibt Dieter H., der ein Mehrfamilienhaus in Berlin Wilmersdorf bewohnt: "Die Zusteller läuten nicht an der Haustür, hinterlassen keine Benachrichtigung im Briefkasten (haben vermutlich wegen der erheblichen Parkprobleme gar keine Zustellung versucht) und behaupten anschließend […], der Empfänger oder ein Nachbar sei nicht erreichbar gewesen." Zudem würden nicht zugestellte Sendungen häufig nicht beim DHL-Shop in der Nachbarschaft deponiert, sondern bei dem erheblich weiter entfernt liegenden Postamt.

Pakete über'n Zaun geworfen und im Hochhaus verschollen

Bei anderen Kunden werden die Pakete zwar abgeliefert, allerdings auf zweifelhafte Art und Weise. So berichtet Peter G. von Paketen, die einfach "übern Gartenzaun" geworfen werden. Bei Heike B. legt der Bote sie regelmäßig auf den Briefkasten. "Die Briefkästen befinden sich außerhalb des Hauses und somit für jeden zugänglich und jeder kann sich das Päckchen mitnehmen."

Und wenn das Paket bei einem Nachbarn abgegeben wird, wäre es natürlich gut zu wissen, bei welchem, wie Frank H. bemerkt. "In meinem Briefkasten befand sich eines Abends eine Benachrichtigungskarte mit dem Vermerk 'Paket wurde bei einem Hausbewohner abgegeben'. Das Problem hierbei war, dass ich in einem Hochhaus mit ca. 300 Wohnungen lebe und schlecht bei allen fragen konnte."

"Sinksauer auf Unternehmensleitung, nicht auf die Fahrer"

Steve aus Mannheim kritisiert, dass der DHL-Bote seine Pakete häufig nicht bei der nächstgelegenen Annahmestelle hinterlegt. "Nein, er fährt die Post einen Stadtteil weiter und steckt sie dann dort in eine Packstation, anstatt sie in das DHL-Kiosk in meinem Stadtteil zu bringen! […] Wenn das so läuft kann man seine Post auch selbst im Verteilzentrum Mannheim abholen!"

Viele Kunden realisieren aber auch, dass der Fehler häufig nicht beim Paketfahrer liegt, sondern im System steckt. So wie Bernd aus Berlin-Charlottenburg, der eine schwere Weinsendung aus dem nächsten Späti abholen musste, nachdem er das DHL-Auto ohne Halt an seiner Wohnung vorbeifahren sah. Er sagt: "Ich bin dem Fahrer nicht böse, aber stinksauer auf die Unternehmensleitung der DHL, die so sehr die Fahrer einsparen, dass diese gar nicht mehr klingeln." Post-Chef Frank Appel täte gut daran, Lösungen zu finden, die nicht nur den Aktionären gefallen, sondern auch den Kunden. 

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