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Dosenpfand: Handel baut eigene Pfand-Systeme auf

Verbraucher müssen sich beim Start des Dosenpfands auf eine Vielzahl verschiedener Pfandsysteme oder den Verzicht auf Getränkedosen einstellen.

Zwei Wochen vor Inkrafttreten des Dosenpfands haben mehrere große Einzelhandelsketten angekündigt, ein eigenes Pfandsystem einzuführen. Führende Einzelhandelsketten wollen bis spätestens zum 1. Oktober 2003 ein bundesweit einheitliches Pfandsystem einführen und bis dahin eine Übergangslösung anbieten.

Einzellösungenbei Metro und Spar

Dazu teilte die Metro mit, dass künftig Kunden der Ketten Metro Cash&Carry, Real, Extra und Kaufhof Kassenbons erhalten, auf denen der Pfandbetrag gesondert ausgewiesen wird. Das Pfandgeld wird bei Rückgabe des Leerguts gegen Vorlage des Belegs erstattet. In den 3.000 Spar-Läden und 350 Filialen von Intermarche und Eurospar werden nach der Spar AG zufolge Pfandmarken für Einweggetränke ausgegeben. Die Rückgabe ist bei Spar nur in dem Laden möglich, in dem das Getränk gekauft wurde. Bei Metro wird das Leergut dagegen bundesweit in der allen Filialen einer Kette angenommen. Weder Metro noch Spar planen den Angaben zufolge, Einweg aus dem Sortiment zu streichen. Im Einzelhandel war die "Insellösung" als aufwendig und verbraucherunfreundlich kritisiert worden. Mehrweglobby und Umweltverbände erwarten einen starken Zuwachs beim Mehrweg.

Einweg bleibt in den Regalen

"Die Pfandmarken sind individuell so gekennzeichnet, dass ganz klar ist, von welcher Filiale die Pfandmarke kommt", sagte ein Spar-Sprecherin. Verpackungen können nur in dem Laden zurückgegeben werden, wo sie verkauft wurden. "Das ist die kleine Pfandlösung. Wir setzen grundsätzlich weiter darauf, dass es ein übergreifendes System geben wird", sagte die Sprecherin. Spar will jedoch keine Einweggetränke aus dem Sortiment nehmen.
Nicht so bei Edeka: Dort erden in einem Teil der 10.000 Läden Einweggetränke ganz oder teilweise aus den Regalen genommen.

Bei Metro bundesweite Rücknahme

Ein Metro-Sprecher bestätigte, dass bei Metro die Einweg-Rücknahme in allen Filialen der jeweiligen Kette möglich ist. Wenn etwa eine Cola-Dose bei einem Extra in Potsdam gekauft wird, kann das Pfand gegen Vorlage des Kassenbons bei einem Extra in Berlin rückerstattet werden. Die Lösung ist als Übergang gedacht: "Unser Interesse ist weiter, ein bundesweit einheitliches System zu bekommen." Auch bei Metro sind derzeit keine Auslistungen von Einweggetränken geplant.

Auch andere kochen eigenes Süppchen

Zuvor hatten bereits Karstadt, Tengelmann und Kaiser’s eigene Rücknahmesysteme für Dosen und Einwegflaschen angekündigt. Die Marktkauf-Kette nimmt zum 1. Januar Getränke in Einweg-Verpackungen komplett aus den Regalen. Offen ist unter anderem noch, wie Plus mit den Pfandregeln umgehen wird.

Das Pfandsystem ab 1. Januar

Kleine Dosen

25 Cent Pfand

Wegwerfflaschen

25 Cent Pfand

Flaschen ab 1,5 Liter

50 Cent Pfand

* betrifft zunächst Bier, Mineralwasser, Limo + Cola

* bei Rückgabe gibt's das Pfand zurück

Aldi startet Abverkauf von Dosen

Aldi wird bundesweit bis auf weiteres keine Getränke in Dosen mehr verkaufen. Das Essener Unternehmen wird nur noch Limonade und Mineralwasser in PET-Flaschen anbieten, und dafür ab dem 2. Januar ein Pfand von 25 Cent kassieren. Zur Rücknahme des Leerguts wird bundesweit ein eigenes Pfandsystem eingeführt. Dazu werden die pfandpflichtigen Einweggetränke mit einem speziellen Pfand-Etikett gekennzeichnet. Vorläufig werden Aldi Nord und Süd ausschließlich eigene Getränke-Verpackungen zurücknehmen, die mit diesem Etikett versehen sind. Zusätzlich können die Kunden am Preisschild erkennen, auf welche Getränke Pfand erhoben wird.
Um bis zum Jahreswechsel die Lager von Dosengetränken geräumt zu haben, hat sich Aldi etwas sehr erfreuliches für die Kunden einfallen lassen: Die Eigenmarken beim Dosenbier (Karlsquell) wird für 10 Cent billiger abverkauft

Starker Zuwachs bei Mehrweg erwartet

Die Einführung des Pfands ist seit Monaten umstritten und hat im Handel große Unsicherheit ausgelöst. Rewe-Händler hatten am Montag in Karlsruhe einen Eilantrag und Verfassungsbeschwerde gegen das Pfand eingereicht, der aber abgelehnt wurde. Der Vorsitzende des Bundesverbands mittelständischer Privatbrauerein, Roland Demleitner, rechnet kurzfristig mit einem Anstieg der Mehrwegquote bei den betroffenen Getränkearten um 15 Prozent. Bei Bier soll so der Mehrweganteil damit von derzeit 68 auf über 80 Prozent steigen. Das Pfand auf Cola, Limonaden, Mineralwasser und Bier in Einwegdosen beträgt je nach Flaschengröße 25 oder 50 Cent und ist damit deutlich höher als das Mehrweg-Pfand.

Pfandrücknahme: Was geht wo?

Metro Cash&Carry, Real, Extra, Kaufhof

bundesweit gegen Vorlage des Kassenbons

Spar, Intermarche, Eurospar

Pfandmarken, Rück-nahme nur wo gekauft wurde

Testkäufe und Klagen angedroht

Umweltverbände und Mehrweg-Lobby haben für Anfang Januar 4.000 Testkäufe bei Supermärkten und Tankstellen angekündigt und bei Verstößen mit Wettbewerbsklagen gedroht. Demleitner sagte nun, die Testkäufe würden sich auf die großen Firmen konzentrieren, die sich als Pfand-Gegner positioniert hätten. Der Kiosk oder die Imbissbude an der Ecke seien kaum betroffen.

Coca-Cola füllt weniger in Einweg ab

Wegen des erwarteten Umsatzeinbruchs zum 1. Januar hat der Coca-Cola-Konzern die Produktion bei Getränkedosen und Wegwerfflaschen zurückgefahren. Ein Sprecher des Abfüllers Coca-Cola Erfrischungsgetränke AG in Berlin sagte dazu, dass in einigen Unternehmensteilen Kurzarbeit angemeldet worden ist. Gleichzeitig würde jedoch mehr in Mehrwegflaschen abgefüllt, um den Bedarf zu decken.

Rückgänge bei Einweg befürchtet

Wie stark die Nachfrage nach Getränken in Einwegverpackungen zurückgehen wird, ist noch nicht zu beziffern, sagte der Sprecher. Die Einzelhändler ließen jedenfalls bei Bestellungen Vorsicht walten. Alle Marktteilnehmer sind wegen des Dosenpfands verunsichert.
Auf Einwegverpackungen müssen ab 1. Januar 25 Cent (für kleine Dosen oder Wegwerfflaschen) oder 50 Cent (für Flaschen ab 1,5 Liter) Pfand erhoben werden; bei Rückgabe der leeren Behältnisse gibt es das Geld zurück.