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Dosenpfand: Mehrwegsystem profitiert von Zwangspfand

Das Dosenpfand wird in ökologischer Hinsicht als voller Erfolg gewertet und sorgt wahrscheinlich auch für neue Stellen. Mehrwegverpackungen boomen.

Seit Einführung des Pflichtpfands wird die Dose zum Ladenhüter. Erheblich mehr Getränke in Mehrwegflaschen werden verkauft. Beim Bier stieg der Mehrweg-Anteil von 74,7 auf 91 Prozent, bei Limonade von 50,5 auf 75,8 Prozent, wie die Deutsche Umwelthilfe am Donnerstag in Berlin berichtete. Die Pfandbefürworter sehen einen Erfolg auf ganzer Linie. Ab Oktober soll die Pfandpflicht nicht nur auf Saft ausgedehnt werden, sondern auch auf Milchgetränke.

Dies sei im Rahmen der Neufassung der Verpackungsverordnung geplant, bestätigte der Sprecher des Umweltministeriums, Jürgen Maaß. Bepfandet würden dann alle Milchgetränkeverpackungen bis auf Getränkekartons oder Milchschläuche, die als umweltfreundlich gelten und unabhängig vom Inhalt von der Pfandpflicht ausgenommen werden. Betroffen wären also zum Beispiel Einwegflaschen, aber auch Plastikbecher mit Aludeckeln.

Die Milchindustrie protestierte vehement. "Die Akzeptanz von Milch und Milchprodukten als gesunde Nahrungsmittel wäre nachhaltig gefährdet", erklärte der Milchindustrie-Verband. Auch wäre Milch diskriminiert gegenüber Wein und Schnaps, die grundsätzlich von der Pfandpflicht ausgenommen werden sollen. Maaß sagte hingegen, eine generelle Ausnahme für Milch sei nicht nötig, da der überwiegende Anteil bereits in umweltfreundlichen Kartons, Schläuchen oder Mehrwegflaschen vermarktet werde.

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Dosenpfand "großer Erfolg"

Zur bisherigen Wirkung des Pfands, das seit 1. Januar für Bier, Mineralwasser und Limonade in Dosen und Einwegflaschen gilt, sagte der Ministeriumssprecher: Die Zahlen zur Mehrwegquote "bestätigen unseren Eindruck, dass das Dosenpfand ein großer Erfolg ist." Der Geschäftsführer der Umwelthilfe, Jürgen Resch sagte, die lange angezweifelte Lenkungswirkung des Pflichtpfands sei nun bewiesen. Dies werde auch auf Dauer so bleiben, selbst wenn die Regeln für das Dosenpfand und die Rückgabe zum 1. Oktober leichter würden.

Allerdings stieg nach Zahlen, die die Umwelthilfe von der Gesellschaft für Konsumforschung ermitteln ließ, die Mehrwegquote für alle Getränke insgesamt nicht so stark wie erwartet. Die Umwelthilfe hatte mit einem Sprung von 52,2 Prozent Ende 2002 auf etwa 65 Prozent gerechnet. Tatsächlich erreicht wurden nur 61,1 Prozent. Vorgeschrieben sind laut Verpackungsverordnung sogar 72 Prozent.

Pfand sorgt für Neueinstellungen

Der geringere Anstieg liege daran, dass bei Getränkearten, bei denen das Einwegpfand nicht gilt - nämlich vor allem Saft und Wein - der Trend zum Einweg weiter anhalte, sagte Resch. Bei Saft sank die Mehrwegquote nach seinen Angaben von 18,3 auf 16,2 Prozent, beim Wein von 15,2 auf 10,9 Prozent. Deshalb warte man sehnsüchtig darauf, dass ab 1. Oktober die Pfandpflicht ausgedehnt werde.

Dem Getränkefachhandel und den mittelständischen Privatbrauereien, die jeweils vorwiegend Mehrweg vertreiben, bescherte das Pfand einen Umsatzboom. Es habe bundesweit "annähernd zweistellige Absatzzuwächse", berichtete Günther Guder, geschäftsführender Vorstand des Bundesverbands des deutschen Getränkefachgroßhandels. Wahrscheinlich könnten nun sogar neue Leute eingestellt werden. Eine Zahl wollte Guder aber nicht nennen.