EADS Pentagon lässt Milliarden-Deal platzen


Rückschlag für EADS: Ein sicher geglaubter "Jahrhundertauftrag" für die Lieferung von über 179 Tankflugzeugen an die USA wird neu ausgeschrieben. Konkurrent Boeing hatte sich über die Auftragsvergabe beschwert und könnte jetzt zum Zug kommen.

Der vom europäischen Luftfahrtkonzern EADS gewonnene Auftrag der US-Luftwaffe für Tankflugzeuge im Wert von 40 Milliarden Dollar muss neu ausgeschrieben werden. Das ursprüngliche Vergabeverfahren habe Mängel gezeigt und könne daher nicht beibehalten werden, sagte US-Verteidigungsminister Robert Gates am Mittwoch in Washington. "Wir werden bei der Industrie überarbeitete Vorschläge anfordern."

Das Pentagon hatte den Mega-Auftrag - dessen potenzieller Gesamtwert auf 100 Milliarden Dollar geschätzt wird - im März nicht wie erwartet an den US-Hersteller Boeing vergeben, sondern an EADS und Northrop Grumman. Darauf hatte Boeing Beschwerde eingelegt. Später hatte der US-Rechnungshof GAO eine Neuausschreibung mit der Begründung empfohlen, bei der Auftragsvergabe an EADS und Northrop Grumman seien schwerwiegende Fehler unterlaufen, ohne die Boeing möglicherweise den Zuschlag erhalten hätte.

EADS: Unser Flugzeug ist das bessere

"Nach einer Überprüfung der GAO-Entscheidung ... bin ich zum Schluss gekommen, dass der Vertrag zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht vergeben werden kann", sagte Gates am Mittwoch. Bis zum Jahresende solle allerdings entschieden werden. "Wir werden zu einem Vertrag kommen und loslegen", sagte Gates vor Journalisten. Die Verjüngung der veralteten US-Tankerflotte sei dringend notwendig. EADS wollte sich am Mittwoch zunächst nicht äußern. "Dafür ist zunächst Northrop Grumman zuständig", sagte EADS-Sprecher Markus Wölfle. EADS sei überzeugt, dass ihr Tankflugzeug das bessere sei. Auch EADS-Partner Northrop Grumman zeigte sich optimistisch. Man sei zuversichtlich, dass die Air Force erneut das "richtige" Modell auswähle, teilte das Unternehmen mit. Die Entscheidung des Ministeriums werde nun geprüft.

Erneute Bewerbung angekündigt

EADS-Chef Louis Gallois hatte bereits nach dem Einspruch des Rechnungshofes erklärt, sich bei einer neuen Ausschreibung beteiligen zu wollen. EADS wolle mit aller Macht um den Auftrag kämpfen, der ein spektakulärer Durchbruch auf dem bisher streng abgeschirmten größten Rüstungsmarkt der Welt wäre. Der Rechnungshof hatte im Juni insbesondere moniert, die Air Force habe eigene Ausschreibungsbedingungen missachtet und eine Reihe von Fehlern gemacht. Boeing hätte sonst "eine substanzielle Chance gehabt, den Zuschlag zu bekommen", urteilte die Behörde. So sei das von EADS und Northrop Grumman angebotene Flugzeug im Unterhalt nicht - wie von der Air Force behauptet - günstiger als der Boeing-Tanker.

EADS wollte das neue Tankflugzeug nach bekanntgewordenen Plänen als militärische Variante des Airbus A330 bauen. Die Maschinen sollten in einem geplanten neuen Werk am Airbus-Standort Mobile im US-Bundesstaat Alabama gefertigt werden. So sollten auch neue Arbeitsplätze in den USA entstehen. EADS hatte den ursprünglichen Zuschlag als Durchbruch auf dem bislang weitgehend für heimische Konzerne reservierten US-Rüstungsmarkt gefeiert. Die Beanstandungen des Rechnungshofes waren von EADS intern als "eine politische Entscheidung" kritisiert worden.

Die US-Militärs hatten sich für den Airbus-Tanker vor allem wegen technischer Vorteile entschieden, verlautete nach der ursprünglichen Vergabe im März. Der Tanker KC-45 auf Basis des Airbus A330 biete einen größeren Frachtraum als die Boeing-Konkurrenz und sei als Lazarettflugzeug und für Transporte geeignet.

DPA/AP AP DPA

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