HOME

Einkaufstour: Siemens wirbelt auf den Weltmarkt

Der Siemens-Konzern strebt konsequent an die Spitze des Weltmarktes für Medizintechnik. Getreu dem Motto "Nur der Erste überlebt in schwierigen Zeiten", hat er die profitable Diagnostiksparte vom Konkurrenten Bayer gekauft.

Der Siemens-Konzern baut mit der 4,2 Milliarden Euro teuren Übernahme der Diagnostik-Sparte von Bayer seine führende Stellung auf dem Weltmarkt für Medizintechnik aus. Konzernchef Klaus Kleinfeld sagte in München, Siemens werde damit zum weltweit ersten Unternehmen, das "von Prävention über Diagnostik bis hin zur Pflege" alle medizinischen Leistungen unter einem Dach anbiete. Darin liege "enormes Wachstumspotenzial", das Arbeitsplätze sichern und schaffen werde.

Siemens und Bayer hatten die Transaktion am Donnerstagabend überraschend bekannt gegeben. Bayer gewinnt durch den Milliardendeal zusätzlichen finanziellen Spielraum bei der Schering-Übernahme. Auch entspricht die Trennung von dem florierenden Geschäftsfeld nach den Worten von Bayer-Chef Werner Wenning auch der Firmenstrategie. "Wir konzentrieren uns auf Arzneimittel für Mensch und Tier sowie auf konsumentennahe Produkte", sagte der Manager. Das Geschäft mit Diagnosegeräten für Kliniken und Privatlabore passe besser zu Siemens.

Siemens-Medizintechnik weltweit Nummer zwei bei Immundiagnostik

Für Siemens-Chef Kleinfeld ist die Übernahme, nach der Einbringung der kriselnden Kommunikationssparte in ein Joint Venture mit dem finnischen Handy-Riesen Nokia, der zweite wichtige Schritt zur Neuordnung des Münchner Konzerns innerhalb von nur zwei Wochen. Mit der Übernahme steigt die Siemens-Medizintechnik weltweit zur Nummer zwei bei der Immundiagnostik auf. Die Sparte zählt seit langem zu den Gewinnbringern im Konzern und wird von Kleinfeld derzeit systematisch gestärkt. Für den Siemens-Chef gilt das Motto: Nur in Führungspositionen "kann man in schwierigem Umfeld gut überleben". Bereits im April hatte Siemens ein US-Diagnostikunternehmens gekauft.

Höhenflug für Bayer-Aktie

Die Übernahme soll im ersten Halbjahr 2007 abgeschlossen werden, die Kartellbehörden müssen noch zustimmen. Mit der Bayer-Sparte holt sich Siemens einen Gewinnbringer an Bord, der zuletzt seinen Umsatz auf 1,4 Milliarden Euro steigerte und zweistellige Ergebnismargen erzielte. Die Sparte mit Sitz in Tarrytown im US-Bundesstaat New York beschäftigt rund 5.400 Mitarbeiter, knapp die Hälfte davon in den USA, rund 250 in Deutschland. Bayer-Konzernchef Werner Wenning sagte, der Verkauf sei für alle Beteiligten eine gute Lösung: "Wir sind davon überzeugt, dass sich das erfolgreiche Geschäft mit Laborgeräten bei einem auf Medizintechnik spezialisierten Unternehmen langfristig noch besser entwickeln kann."

Bayer kommt der Verkauf zugute, weil er die Finanzierung der 17 Milliarden Euro teueren Übernahme des Schering-Konzerns erleichtert. Immerhin rechnet der Leverkusener Konzern mit einem Mittelzufluss in Höhe von etwa 3,6 Milliarden Euro. "Insgesamt reduziert dieser Verkauf unsere Verschuldung deutlich und trägt damit zur Verbesserung unserer Rating-Kennzahlen bei", sagte Wenning. So kann eine geplante Milliardenanleihe zur Finanzierung der Schering-Übernahme möglicherweise ganz entfallen und die angekündigte Eigenkapital-Aufnahme um etwa 500 Millionen Euro reduziert werden. Die Transaktion sei aber unabhängig von der Schering-Akquisition und ihrer Refinanzierung vorangetrieben worden, betonte der Manager. Die Börse reagierte differenziert auf die Übernahme. Der Kurs der Bayer-Aktie stieg bis zum Nachmittag um fünf Prozent. Die Siemens-Aktie legte lediglich um gut ein halbes Prozent zu.

AP / AP