HOME

Automarkt Brasilien: Weltmarkt am Zuckerhut

Rund um den Zuckerhut gehen die Uhren nicht nur im Karneval anders. Während andere Länder über den Benzinpreise stöhnen, setzen die Brasilianer durch einen Mix aus Ethanol, Benzin und Erdgas auf Unabhängigkeit.

Führen Flex-Fuel-Modelle von Ford, Volvo oder Saab in unseren Breiten kaum mehr als ein müdes Schattendasein, so sind in Brasilien über 90 Prozent der neu zugelassenen Fahrzeuge FlexFuel-Modelle. So können sie ganz nach Tankstellenlage ein beliebiges Mischungsverhältnis von Benzin und Alkohol zu sich nehmen. Diesel spielt in Südamerika und insbesondere abseits der Nutzfahrzeuge keine Rolle.

Das Gros des brasilianischen Marktes teilt sich zwischen den drei Marken Fiat, VW und GM auf. Die Nummer eins im Land ist Fiat. Der norditalienische Hersteller gilt in Brasilien mit einem Marktanteil von knapp 26 Prozent seit Jahren als große Nummer. Modelle wie die Stufenhecklimousine Siena, der kompakte Bruder Palio oder der Kompakt-Pick-Up Strada mit einem Segmentanteil von 52 Prozent drücken dem Straßenbild ebenso ihren Stempel auf wie Volkswagen mit dem Kleinwagen-Doppel Gol und Fox oder dem alten VW-Transporter T2.

Der rundliche Bully wird in den Brasilien bis heute weiterproduziert und gilt gemeinhin als günstiger und beliebtester Lastesel. Volkswagen glänzt Dank lokaler Produktionen mit einem Marktanteil von 22,3 Prozent, knapp gefolgt von General Motors mit rund 21 Prozent.

Im Vergleich zu vielen anderen Industrieländern ist Brasilien weit weniger von der Erdölindustrie abhängig. Seit den 70er Jahren wird in großen Mengen Zuckerrohr angebaut. Besonders in der Region von Salo Paulo befinden sich einige der weltweit größten Zuckerrohrplantagen. "Ein Prozent der brasilianischen Landesfläche werden derzeit mit Zuckerrohr bepflanzt. Das sind rund 3,4 Millionen Hektar", sagt Marcos S. Jank, Präsident der brasilianischen Zuckerrohrindustrie UNICA. "Diese Fläche reicht aktuell aus, um den Ölanteil in Kraftstoffen um fast die Hälfte zu reduzieren." Zwischen 2003 und 2008 wurden seit der Einführung der FlexFuel-Technik in Brasilien markenübergreifend mehr als 5,3 Millionen solcher Fahrzeuge zugelassen.

Die Kritik, dass der Anbau von Energiepflanzen wie Zuckerrohr, die Lebensmittelpreise erhöhe und den Regenwald gefährde, weist Jank vehement zurück: "Die Anbauflächen befinden sich fast ausschließlich im Staat Sao Paulo. Der tropische Regenwald ist zwischen 2.000 und 2.500 Kilometer in Richtung Norden entfernt. Hier würden die Zuckerrohrpflanzen überhaupt nicht wachsen. Es kann keine Rede davon sein, dass es in Brasilien einen Kampf Nahrung gegen Kraftstoff gibt."

Italien in Südamerika

Von Mitte der 70er bis Ende der 80er Jahre gab es in Brasilien fast nur Ethanolfahrzeuge. In Zeiten hoher Ölpreise steht der Saft des Zuckerrohrs nach einem Abschwung in den 90er Jahren wieder ganz oben. Über 90er Prozent der Neufahrzeuge fahren nach dem Flexfuel-Prinzip. Die Triebwerke vertragen ein beliebiges Mischungsverhältnis von Benzin und dem deutlich günstigeren Ethanol. Während ein Liter Benzin in Brasilien umgerechnet gut einen Euro kostet, liegt der Literpreis des Ethanols gerade einmal bei der Hälfte.

Brasilien setzt nicht nur auf Zuckerrohr sondern ist der wichtigste Automobilstandort in Südamerika. Zahlreiche Firmen lassen ihre Fahrzeuge für die lokalen Märkte zwischen Rio des Janeiro, Sao Paulo und Recife produzieren, einige importieren die Modelle aus Brasilien in die ganze Welt.

So befindet sich das weltweit größte Werk des Marktführers Fiat nicht in seinem Heimatland Italien, sondern in Belo Horizonte. Pro Jahr laufen 800.000 Fahrzeuge vom Band; dazu kommen mehr als eine Million Motoren. Doch auch Honda, GM, Volkswagen, Mercedes oder Renault stellen seit Jahren Fahrzeuge "made in Brasil" her.

Ebenso umkämpft wie der PKW-Markt ist dabei das Lastwagensegment, in dem VW und Mercedes fest dominieren. Auch die Zulieferbetriebe haben rund um die Autofabriken längst Entwicklungszentren und Produktionsstätten in Brasilien platziert: Magneti Marelli, Bosch oder VDO sind da keine Ausnahme.

Mercedes CLC do Brasil

Mercedes-Benz als bedeutendster Luxushersteller unterhält zum Beispiel Produktionswerke für Pkw und Nutzfahrzeuge in Sao Bernardo do Brasil und Juiz de Fora, wo seit Februar auch das neue Sportcoupé vom Band läuft. Bereits seit April 2007 fertigte das Werk das C-Klasse Sportcoupé und ist seitdem einziger Produktionsstandort. Bis Januar 2007 produzierte es im Bundesstaat Minas Gerais die C-Klasse für den nordamerikanischen Markt, zuvor wurde von 1999-2005 die A-Klasse gefertigt.

Die Zahl der Neuzulassungen steigt in Brasilien seit Jahren deutlich an. Waren es 2006 noch knapp zwei Millionen Fahrzeuge, so erwartet man kurzfristig bereits 2,5 Millionen Zulassungen. Spätestens im Jahre 2015 will man die Drei-Millionen-Marke durchbrochen haben. Ebenso wie auf den anderen Boommärkten in China oder Indien zeigt auch Brasilien, dass eine lokale Fertigung für einen Markterfolg unumgänglich ist.

Traditionell ist auch der GM-Konzern in Südamerika und speziell in Brasilien stark vertreten. Im vergangenen Jahr verkaufte der US-Hersteller unter dem Chevrolet-Label fast 500.000 Fahrzeuge, ein Anstieg um über 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. So wurde Brasilien der drittstärkste Weltmarkt hinter den USA und China. "97 Prozent unserer Fahrzeuge verkaufen wir in Brasilien als FlexPower-Modelle", sagt GM-Sprecher Christoph Birringer: "Seit 80 Jahren ist GM auf dem Markt vertreten."

Hinter den drei großen Marken Fiat, Volkswagen und Chevrolet spielen japanische und französische Marken ebenfalls eine wichtige Rolle. Die Stufenheckversionen von Peugeot 307 und Citroen C4 werden in Europa gar nicht angeboten. In Brasilien sind sie ebenso wie in China in den Verkaufsräumen.

Und während der europäische Markt auf das neue Sparmobil Dacia Sandero noch wartet, ist dieser auf dem brasilianischen Markt bereits als Renault Sandreo auf dem Markt. Produziert wird die günstige Alternative zum Renault Clio Stufenheck seit Ende 2007 im brasilianischen Werk in Curitiba. Fast 90 Prozent der Teile kommen aus lokalen Zulieferbetrieben. Seit knapp einem Jahr wird auch der Logan in Brasilien angeboten. Ingesamt verkauften die Franzosen über die 1997 gegründete Importfirma Renault do Brasil Automoveis mehr als 57.000 Fahrzeuge.

Stefan Grundhoff / pressinform / PRESSINFORM

Wissenscommunity

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.