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Einnerung an Uni-Schießerei Modekette Urban Outfitters nimmt Blut-Shirt aus den Läden


Ende einer Geschmacklosigkeit: Ein Sweatshirt der Modekette Urban Outfitters erinnerte mit seinem Blut-Motiv an eine Tragödie an einer US-Universität. Das Unternehmen nahm es jetzt vom Markt.

Die US-Modekette Urban Outfitters hat ein Sweatshirt aus dem Verkauf nehmen müssen, das die Erinnerung an eine Schießerei mit vier Toten und neun Verletzten an einer US-Universität wachruft. Der Pulli mit Löchern und roten Spritzern, die wie Blutflecken aussehen, und der Aufschrift Kent State University war für 129 Dollar (knapp 100 Euro) in der Damenabteilung zu haben. Urban Outfitters ist schon mehrfach wegen geschmackloser Kleidungsstücke kritisiert worden.

Die Kent State protestierte am Montag, das Unternehmen "nutzt unseren Schmerz, um Werbung und Profit zu machen". 1970 hatten Studenten der Uni gegen die Vietnam-Politik des damaligen Präsidenten Richard Nixon demonstriert; die Nationalgarde von Ohio eröffnete das Feuer auf die unbewaffneten Demonstranten. Crosby, Stills, Nash and Young setzten den Studenten mit ihrem Song "Ohio" ein Denkmal; bekannt ist auch ein Pulitzer-Preis gekröntes Foto eines Mädchens, die neben der Leiche eines erschossenen Studenten kniet.

Urban Outfitters entschuldigt sich

Urban Outfitters entschuldigte sich "ernstlich", sollte das weatshirt für "Ärger" gesorgt haben. Es sei niemals die Absicht gewesen, mit dem Kleidungsstück an die Schießerei zu erinnern. Der Pullover sei Teil der "sonnengebleichten Retro-Linie". Es sei kein Blut auf dem Sweatshirt; die roten Spritzer seien "Verfärbungen", und die Löcher Folge "normaler Abnutzung".

"Jenseits von schlechtem Geschmack", urteilte die Kent State. Das Sweatshirt verharmlose den Verlust von Menschenleben, der die Gemeinschaft an der Universität immer noch schmerze. Der 64-jährige Dean Kahler, damals junger Student an der Kent State und bei der Schießerei so getroffen, dass er seitdem gelähmt ist, erklärte laut FoxNews.com, das zeige nur die "niedrigen ethischen Standards", die bei Urban Outfitters immer noch gelten würden.

Verharmlosung der Tragödie

In diesem Jahr musste die Modekette, die auch in Deutschland sechs Filialen hat, bereits T-Shirts mit der Aufschrift "Depression" aus dem Verkauf nehmen. 2012 sorgten T-Shirts zum St. Patrick's Day, die alle Iren als Trinker darstellte, für Boykottaufrufe. Jüdische Gruppen haben das Unternehmen mehrfach für Kleidungsstücke mit einem sechs-zackigen Stern kritisiert, weil sie an den Judenstern der Nationalsozialisten erinnerten. Palästinensertücher verkaufte die Kette als "Anti-Kriegs"-Tücher.

Urban Outfitters mit Sitz in Philadelphia hat rund 400 Filialen weltweit, die meisten davon in Nordamerika und in Großbritannien. Zielgruppe sind junge Großstädter.

lie/AFP AFP

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