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Einzelhandel: Die Milch wird billiger

Auf Druck des Einzelhandels wird der Milchpreis sinken. Die Lebensmittelhändler wollen den Bauern bis zu zehn Cent weniger für den Liter zahlen. Dagegen aber wollen sich die Hersteller nun wehren und drohen damit, ihre Milchlieferungen zu stoppen.

Die Milchbauern machen mobil und fordern einen moderaten Anstieg der Milchpreise. Bauernpräsident Gerd Sonnleitner warnte den Einzelhandel anlässlich einer Protestaktion vor dem Brandenburger Tor in Berlin vor Preissenkungen. "Wenn die Milchbauern ökonomisch nicht überleben, wird der Verbraucher zeitversetzt explodierende Preise für Nahrungsmittel bekommen", sagte er. Die Milchbauern drohen mit einem Lieferstopp: Sie fürchten, dass der Lebensmitteleinzelhandel in den Verhandlungen mit Molkereien wieder niedrigere Einkaufspreise durchsetzt. Das Agrarministerium stellte sich hinter die Forderungen der Bauern.

Allen Bauernprotesten zum Trotz will der Discounter Aldi nach Informationen der "Lebensmittel Zeitung" den Preis für Milch senken. In Branchenkreisen sei die Rede von bis zu zehn Cent pro Liter, berichtete die Zeitung in ihrer Online-Ausgabe. Die neuen Preise sollen angeblich bereits ab Montag kommender Woche gelten, hieß es laut der Zeitung in den Branchenkreisen. Erste Lieferverträge zu den neuen Bedingungen sollen schon unterschrieben sein. Aldi äußerte sich auf Anfrage zunächst nicht. Der Discounter gilt als Vorreiter für die Preisentwicklung bei Milchprodukten.

Der Bauernpräsident warf dem Einzelhandel "Raubtierkapitalismus" vor. "Unsere Milchbauern sind in allerhöchster Sorge." Futtermittel koste 70 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Handel wies den Vorwurf zurück. Er rechnet mit leicht sinkenden Verbraucherpreisen für Milch und Milchprodukte. Er gehe davon aus, dass nach Butter auch der Preis für Milch und weitere Milchprodukte nachgeben werde, sagte der Sprecher des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels, Hubertus Pellengahr. Hintergrund ist, dass derzeit das Angebot größer als die Nachfrage ist.

Die Milchbauern, die im Bundesverband Deutscher Milchviehhalter zusammengeschlossen sind, sprachen sich mit großer Mehrheit für einen Lieferstopp aus, wenn der Einkaufspreis sinken sollte. Bei einer Umfrage hätten rund 88 Prozent dafür gestimmt, teilte der Verband in Freising mit. Darin sind bundesweit rund 33.000 Milchbauern organisiert. Nach einem Einkaufspreis von 37 Cent pro Liter im Durchschnitt 2007 fordern die Milchbauern für dieses Jahr mindestens 43 Cent. Der Verband der privaten Milchwirtschaft erwartet wegen derzeitiger Überproduktion einen Preis von 35 bis 37 Cent.

Agrarstaatssekretär Gert Lindemann sagte vor Milchbauern: "Wir fordern mit ihnen gemeinsam als Ministerium einen existenzerhaltenden Preis." Eine Rückkehr zu niedrigeren Preisen wie 2006 könne am Ende tödlich für die Milchwirtschaft sein.

Butter bis zu 50 Prozent teurer

Einzelhandelsunternehmen verhandeln regelmäßig über Einkaufspreise für Milch. Sie stiegen 2007, was auch an Verbraucher weitergegeben wurde. Die Bundesbürger mussten vergangenen Sommer um bis zu 50 Prozent mehr für Butter zahlen. Inzwischen kostet ein Päckchen nach Angaben des Bauernverbands wieder soviel wie damals. Auch Milch und andere Milchprodukte sind nach einer Verteuerung teils günstiger.

DPA / DPA