EINZELHANDEL Mit Luxus aus der Krise


Die Galeries Lafayette hat in Berlin Probleme: Sechs Jahre nach der Eröffnung des ultramodernen Baus macht die französische Kaufhauskette in Deutschland immer noch Miese.

Bei den Berliner Münzsammlern gilt das Kaufhaus Galeries Lafayette als Geheimtipp. An keinem anderen Ort in der Hauptstadt sind so viele fremdländische Euro-Münzen im Umlauf wie in dem französischen Konsumtempel an der Friedrichstraße. Vor allem in der Gourmet-Abteilung, wo sich Touristen aus aller Welt mit Essbarem versorgen, wird von Euro-Liebhabern gern aufs Rückgeld geachtet. Abgesehen von Münzsammlern und Touristen fehlt es der Berliner Niederlassung jedoch erheblich an Kunden.

Nur die Feinkostabteilung brummt

Sechs Jahre nach der Eröffnung des ultramodernen Baus macht die französische Kaufhauskette in Deutschland immer noch Miese. Mit Ausnahme der Feinkost-Abteilung ist es auf den fünf Etagen häufig recht leer. »Wenn die Hotels voll sind, geht es rund«, sagt Monika Gossing vom Betriebsrat. »Aber sonst passiert hier nicht viel.« Deshalb wird in diesem Herbst wieder einmal spekuliert, wie lange Galeries Lafayette in Berlin noch durchhalten wird.

Keine Geld-, sondern Geduldsfrage

Bei einem Konzernumsatz von 2,6 Milliarden Euro und 37,7 Millionen Nettogewinn im ersten Halbjahr 2002 mangelt es dem Handels-Riesen nicht an Geld. »Die Frage ist, ob die Geduld reicht«, sorgt sich die Branche. Dabei haben die Franzosen an der Spree ohnehin schon länger Geduld als üblich. Der Prunkbau mit riesigem Glaskegel im Inneren ist mittlerweile ihre einzige Auslandsfiliale. Aus Metropolen wie Tokio, Moskau oder New York haben sich die »Galeries« längst verabschiedet.

Eigentlich nur drei-Jahres-Frist

Drei Jahre darf es normalerweise dauern, bis ein Kaufhaus rentabel ist. In Berlin ist diese Grenze längst überschritten: 2001 wurde wieder mit sechs Millionen Euro im Minus abgeschlossen, das Umsatz- Plus sackte von 14 auf 2 Prozent. Dieses Jahr dürfte es nicht viel besser aussehen. Der Berliner Einzelhandel hat schwer zu leiden: »Teuro«-Debatte und Wirtschaftsflaute haben die Umsätze um 6,8 Prozent einbrechen lassen, noch höher als im Rest der Republik.

Bei Galeries Lafayette sieht es nicht ganz so schlimm aus - aber von schwarzen Zahlen ist man noch weit entfernt. Zu allem Überfluss warb der innerstädtische Konkurrent Kaufhaus des Westens (KaDeWe) jetzt auch noch Direktor Patrice Wagner ab. Nachfolger Thierry Prévost, der am Dienstag die Arbeit aufnimmt, kommt aus der französischen Provinz. Immerhin hat er schon Erfahrung mit Berlin.

Unter Leitung des 39-Jährigen soll die Niederlassung umgebaut und neu ausgerichtet werden. Aus dem Kaufhaus, das ohnehin schon als teuer gilt, soll eine Luxus-Adresse mit noch mehr Nobel-Marken werden. Kosten: Zwei Millionen Euro.

Friedrichsstraße noch keine Einkaufsmeile

An einigen grundsätzlichen Problemen wird dies aber nichts ändern. Als Einkaufsmeile hat sich die Friedrichstraße noch immer nicht etabliert. An den französischen Konfektionsgrößen ist schon mehr als eine Berlinerin gescheitert. Und die schicke Architektur kostet ihren Preis. Die Verkaufsfläche ist mit 8.000 Quadratmetern eindeutig zu klein. Der große Konkurrent KaDeWe hat 60.000 Quadratmeter. In der Branche gilt der Wandel zum Luxus-Haus deshalb als letzte Chance, bevor über Schließung oder Verkauf entschieden wird.

Belegschaft wird unruhig

Auch in der Belegschaft wächst die Unruhe. »Wir haben schon einige Diskussionen hinter uns«, sagt Betriebsrätin Gossing. »Vielleicht steht irgendwann ein anderer Name über dem Eingang.« Allen Sorgen zum Trotz hat sich die Pariser Zentrale entschieden, zunächst einmal gar nichts mehr zu sagen. Auf Nachfragen zur Zukunft gibt es derzeit keine Antwort mehr.


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