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Einzelhandel: Spitzenzeiten für Ladendiebe

Die Wirtschaftskrise führt in Deutschland zu verstärkten Ladendiebstählen. Der so genannte Warenschwund stieg auf den höchsten Stand seit sieben Jahren. Gleichzeitig investiert der Einzelhandel zunehmend weniger in Diebstahlsicherheit.

Weggesteckt: Langfinger haben in deutschen Geschäften derzeit Hochkonjunktur

Weggesteckt: Langfinger haben in deutschen Geschäften derzeit Hochkonjunktur

Ladendiebe haben in der Krise wieder stärker zugeschlagen. Von Juli 2008 bis Juni 2009 verschwanden in deutschen Supermärkten, Kaufhäusern und Fachgeschäften Waren im Wert von rund 5,2 Milliarden Euro, wie aus dem am Dienstag vorgestellten Globalen Diebstahlbarometer hervorgeht. Das entspricht einer Steigerung von 3,5 Prozent. Gemessen am Umsatz machte der Warenschwund insgesamt 1,17 Prozent aus. Damit sind die Schäden auf den höchsten Wert seit 2002 gestiegen. Ladendiebstähle machen der Studie zufolge den größten Teil am Warenschwund aus: Über die Hälfte der Schäden seien auf Kunden zurückgegangen, hieß es im Diebstahlbarometer. In gut einem Viertel der Fälle waren demnach unehrliche Mitarbeiter die Täter. Den Rest verschuldeten Lieferanten und interne Fehler.

Zahl der Diebe ist ebenfalls gestiegen

Gestiegen ist auch die Zahl der gefassten Diebe. In Europa stieg sie zwischen Juli 2008 und Juni 2009 um 262.000 auf über 3,1 Millionen. 96,7 Prozent der Langfinger waren der Studie zufolge Kunden, 3,3 Prozent Mitarbeiter. Der verursachte Schaden ist dabei sehr unterschiedlich: Kunden entwendeten pro Delikt im Schnitt 94 Euro, bei Mitarbeitern betrug der Schaden im Schnitt mit 1858 Euro fast das 20-fache. Gestohlen werden dem Diebstahlbarometer zufolge vor allem kleine und leicht zu verbergende Waren sowie teure Markenartikel. Diese seien besonders begehrt und einfach weiterzuverkaufen, heißt es in der Studie. Renner bei Ladendieben sind demnach elektronische Spiele, DVDs, MP3-Musikspieler, Kleidung, Kosmetik und Parfums, Alkohol, Frischfleisch und Feinkost. Ebenfalls sehr diebstahlgefährdet seien Rasierklingen, Mobiltelefone und Uhren.

Sicherheitsausgaben sinken

"Ein Drittel des Anstiegs beim Ladendiebstahl führen die befragten Einzelhändler auf die wirtschaftliche Situation zurück", erklärte der Autor der Studie, Joshua Bamfield vom Institut für Einzelhandelsforschung im britischen Nottigham. Trotzdem spare der Handel aufgrund der Krise an Ausgaben für die Sicherheit. So seien die Ausgaben für den Schutz der Waren - gemessen am Umsatz - von Juli 2008 bis Juni 2009 um gut zehn Prozent geschrumpft. Das Institut für Einzelhandelsforschung und das Sicherheitsunternehmen Checkpoint befragten für das Globale Diebstahlbarometer nach eigenen Angaben 1069 Einzelhändler weltweit mit insgesamt über 120.000 Standorten. In Europa befragten sie 567 Unternehmen.

AFP / AFP