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ENERGIE: Strompreise ziehen wieder an

Nach der Liberalisierung des Strommarktes 1998 kehrt nun wieder Normalität bei der Preisgestaltung ein. Dies und die Ökosteuer lässt die Preise wieder steigen.

Strom wird nach Ansicht des Verbandes der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) vor allem für Haushaltskunden teurer. Anders als die Industrie, können sich nämlich Privatkunden den gesetzlichen Belastungen für die Strompreise durch die Ökosteuer nicht entziehen. Deutschlands größte Stormversorger sind in Bezug auf die Preisentwicklung unterschiedlicher Meinung. Ende März hatte RWE erklärt, auf absehbare Zeit auf weitere Erhöhungen zu verzichten. E.ON kündigte hingegen mögliche Preissteigerungen von bis zu zehn Prozent an.

Personalabbau und weniger Investitionen

Die deutschen Stromanbieter haben seit Beginn der Marktfreigabe im Jahr 1998 mehr als 30.000 Arbeitsplätze abgebaut. Zu Beginn der Liberalisierung arbeiteten 158.000 Menschen bei den Elektrizitätswerken, im Jahr 2001 waren es nur noch 127.000, wie der Präsident des Verbandes der Elektrizitätswirtschaft (VDEW), Günter Marquis, am Montag auf der Hannover-Messe mitteilte. Die Investitionen der Branche sanken von 5,3 Milliarden auf 3,7 Milliarden Euro.

Preise steigen wieder

Marquis wies darauf hin, dass für Haushalte und Firmen die Strompreise wieder stiegen. So hat ein durchschnittlicher Drei-Personen-Haushalt im Jahr 1999 48,20 Euro im Monat für Strom bezahlt, 2000 und 2001 je 41 Euro. Für das Jahr 2002 erwartet der VDEW 44,50 Euro Stromkosten pro Monat.

Brennstoffe werden teurer

Nach Angaben des VDEW lagen die Strompreise für die Industrie Anfang 2002 rund 30 Prozent unter dem Niveau von 1998. 2001 lagen die Preise aber bereits wieder zwölf Prozent über dem Niveau von 2000. Marquis begründete den Anstieg mit der Rückkehr zur Normalität, nachdem vorher zum Teil nur Preise unterhalb der Vollkosten erzielt wurden. Außerdem stiegen die Brennstoffpreise stark.

Ökosteuer dreht an Spirale

Marquis erinnerte außerdem an die höheren Steuerbelastungen auf Strom, etwa durch die Ökosteuer und die Abgaben wegen des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes. Bei einem durchschnittlichen Industriekunden machen die Abgaben zwölf Prozent aus, im Vergleich zu 1,3 Prozent 1998, wie er sagte. Bei Haushalten liegt diese Abgabenbelastung sogar noch höher. Laut Marquis deuten im laufenden Jahr »die Faktoren, die auf den Strompreis einwirken, auf einen moderaten Anstieg hin«.