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Energiepreise: Viele Deutsche werden im Winter frieren

Heizöl, Gas oder Kohle werden immer teurer. Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat nun vor den Folgen der hohen Energiepreise im kommenden Winter gewarnt. Zehntausende Deutsche müssten frieren. Die Linke rechnet sogar mit Toten.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat vor den Folgen der hohen Energiepreise im kommenden Winter gewarnt. "Es droht der erste Winter seit langem zu werden, in dem Zehntausende Deutsche frieren müssen", sagte DGB-Chef Michael Sommer der "Bild am Sonntag". Wegen der Energiepreise dürften viele Mieter sowie Wohnungs- und Hauseigentümer Heizöl, Gas oder Kohle nicht mehr bezahlen können. Linksfraktionschef Gregor Gysi warnte gar vor Kältetoten.

Sommer forderte die Große Koalition zu schnellem Handeln auf: "Frieren ist genauso schlimm wie hungern. Das kann keine Regierung hinnehmen." Der DGB-Chef verlangte die Einführung sogenannter Sozialtarife bis zum Winter. "Sinnvoll wären vernünftig gestaltete Sozialtarife für den häuslichen Bedarf an Heizung und Strom, die gleichzeitig Anreiz zum Sparen geben. Ein engbemessener, nach Haushaltsgröße gestaffelter Grundbedarf könnte deutlich für alle verbilligt werden." Dies gäbe einen starken Anreiz zum Sparen und würde der Umwelt helfen.

Nach Sommers Vorstellungen würden die Versorger verpflichtet, eine bestimmte Menge an Strom und Gas zu einem niedrigeren Preis an jeden Haushalt abzugeben. Bei Öl- und Kohleheizung gäbe es pro Haushalt einen Gutschein. Bezahlen würden die Tarife die Energieunternehmen. Eine Gesetzesinitiative für Sozialtarife kündigte SPD-Vorstandsmitglied Hermann Scheer an. "Wir wollen erreichen, dass Bundestagsfraktion und Bundespartei ab September einen Gesetzentwurf für Sozialtarife bei Strom und Heizung ausarbeiten", erklärte Scheer, der laut "BamS" mit der hessischen SPD-Chefin Andrea Ypsilanti ein Energiekonzept erarbeitete. "Die explodierenden Strom- und Heizkosten sind ein absolut drängendes Problem", wurde Scheer zitiert.

Das Blatt berichtete unter Berufung auf den Bund der Energieverbraucher, dass pro Jahr mindestens einer Million Kunden zeitweilig Strom und Gas wegen Zahlungsrückständen gesperrt werde. "Wir befürchten eine deutliche Steigerung, wenn Staat und Energieunternehmen nichts gegen die explodierenden Preise tun", sagte der Vorsitzende Aribert Peters. "Im Jahr 2008 steigen die Kosten für Strom und Gas für einen durchschnittlichen Haushalt um 300 Euro."

Der Chef der Linksfraktion im Bundestag, Gysi, befürchtet nach eigenen Worten ein das Erfrieren von Menschen. Die Politik müsse "die Energiekonzerne zwingen, Sozialtarife anzubieten, damit wir in Deutschland keine Kältetoten bekommen", sagte er dem "Tagesspiegel am Sonntag". "Diese Gefahr besteht tatsächlich." Gysi warf Kanzlerin Angela Merkel (CDU) Gleichgültigkeit vor. "Es ist beschämend, dass sie nicht wusste, dass Hartz IV-Empfänger ihre Stromrechnung selbst bezahlen müssen. Das zeigt für mich, wie abgehoben viele Politiker sind." Wenn es keine Sozialtarife gebe, müsse den unteren Einkommensgruppen anders geholfen werden. "Dann müssen wir zumindest bei Hartz IV aufstocken und bei der Grundsicherung für Rentner", forderte Gysi.

AP / AP